Nachgehakt - Die brennendsten Impffragen und die Antworten darauf
Publiziert

NachgehaktDie brennendsten Impffragen und die Antworten darauf

Warum erleben jüngere Personen mehr Impfreaktionen? Wie lange muss man sich nach dem Pieks schonen? Und welche Vorzüge geniessen Geimpfte? Ein Überblick.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 12
Pfizer/Biontech und Moderna: Die Impfstoffe der beiden Unternehmen sind bislang die einzigen, welche Swissmedic für die Verabreichung in der Schweiz zugelassen hat. Beide sind sogenannte mRNA-Impfstoffe und damit die ersten ihrer Art.

Pfizer/Biontech und Moderna: Die Impfstoffe der beiden Unternehmen sind bislang die einzigen, welche Swissmedic für die Verabreichung in der Schweiz zugelassen hat. Beide sind sogenannte mRNA-Impfstoffe und damit die ersten ihrer Art.

Getty Images
Dass es diese gibt, ist Katalin Karikó zu verdanken. Sie ist die Forscherin, die mit ihrer jahrzehntelangen Arbeit den Weg für die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna ebnete. 

Dass es diese gibt, ist Katalin Karikó zu verdanken. Sie ist die Forscherin, die mit ihrer jahrzehntelangen Arbeit den Weg für die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna ebnete.

BioNTech SE 2020, all rights reserved
Karikó gilt als ungarische Mutter der neuen mRNA-Impfstoffe.

Karikó gilt als ungarische Mutter der neuen mRNA-Impfstoffe.

AFP via Getty Images

Darum gehts

  • Je näher der Impftermin rückt, desto mehr Fragen stellen sich rund um den Pieks.

  • Den aktuell wichtigsten Fragen ist 20 Minuten nachgegangen.

Langsam, aber immerhin stetig geht das Impfen gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 in der Schweiz voran. Doch neben der Frage, wann man selbst den Pieks bekommt, gibt es noch viele weitere. Das sind die aktuell brennendsten Fragen zu den in der Schweiz verfügbaren mRNA-Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna – und die Antworten darauf.

Auch vollständig Geimpfte infizieren sich mit Sars-CoV-2. Bringen die Impfungen überhaupt etwas?

«Ja, auf jeden Fall», sagt Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF): «Bei den mRNA-Impfstoffen haben wir zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis eine hervorragende Wirksamkeit gegen eine Erkrankung. Wenn nach Kontakt mit Sars-CoV-2 100 ungeimpfte Personen erkranken sind es unter geimpften maximal fünf – und das auch meist nur mild.» Hospitalisationen von Geimpften seien so gut wie ausgeschlossen. All das hätten mehrere, voneinander unabhängige Studien bestätigt, so Berger. Gute Neuigkeiten gebe es auch für all jene, die Long-Covid-Folgen fürchten: «Wer nicht mehr erkrankt, kann auch kein Long-Covid bekommen.»

Unklar ist dagegen nach wie vor, ob und in welchem Ausmass die Geimpften das Virus noch weitergeben können, sagt der Ekif-Präsident: «Erste Studien wie die aus Israel zeigen, Ansteckungen sind klar weniger wahrscheinlich und reduziert, ob sie ganz verhindert werden, ist jedoch noch offen.»

Was bedeutet das für die Corona-Massnahmen?

Sie müssen zunächst einmal aufrecht erhalten werden – bis genügend Menschen vollständig geimpft sind, heisst es auf den Seiten des Bundesamt für Gesundheit BAG. Ausnahmen stellten einzig private Treffen mit anderen vollständig geimpften Personen dar. Dann – und nur dann – kann auf das Abstandhalten und Maskentragen verzichtet werden. Der Grund: «Selbst wenn die Geimpften das Virus untereinander noch austauschen würden, wäre das kein Problem, weil sie selbst mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr erkranken», erklärt Berger. Das sei also kein Problem. «Ein solches kann aber auftreten, wenn sich Geimpfte und Ungeimpfte mischen» – im öffentlichen Raum etwa, in Schulen, Hörsälen oder in Grossraumbüros.» Das heisst: Schutzkonzepte und Massnahmen wie Abstandhalten und Masketragen bleiben vorerst weiterhin wichtig, insbesondere in Innenräumen. So sieht es auch eine aktuelle Studie aus Grossbritannien.

Was weiss man über die Nebenwirkungen der Impfstoffe?

Nach etwa 1,8 Millionen verabreichten Impfdosen in der Schweiz und etwa 689’000 vollständig geimpfter Personen (Stand: 12. April 2021) sind Swissmedic bisher 1174 Meldungen über vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch Covid-19-Impfungen in der Schweiz bekannt. 577 Meldungen beziehen sich auf den Impfstoff von Pfizer/Biontech und 580 auf das Präparat von Moderna. In 17 Fällen wurde der Impfstoff nicht spezifiziert. In einem kleineren Teil der Meldungen werden explizit Reaktionen nach der zweiten Impfdosis beschrieben (n=79 zu Comirnaty, n=78 zu Moderna).

68,6 Prozent der Meldungen entfielen auf Frauen, in 28,3 Prozent der Fälle waren Männer betroffen und in einigen Meldungen (3,2 Prozent) wurde das Geschlecht nicht angegeben. Die Betroffenen waren im Mittel 64,9 Jahre alt (Spanne 16–101), wobei 41,7 Prozent 75 Jahre oder älter waren. In den als schwerwiegend eingestuften Fällen (n = 396, entspricht 33,7 Prozent) lag das mittlere Alter bei 69,3 Jahren und bei Meldungen in zeitlichem Zusammenhang mit einem Todesfall (n=55) bei 83,7 Jahren. Mit 778 (66,3 Prozent) war der grössere Teil der Meldungen nicht schwerwiegend.

Zu den häufigsten Reaktionen, die in Zusammenhang mit den beiden Impfstoffen gemeldet wurden, zählen Beschwerden an der Injektionsstelle (Rötung, Juckreiz, Schmerz und Schwellung, die im Fall der mRNA-Impfstoffe auch verzögert auftreten können) sowie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Schüttelfrost und Müdigkeit. Fälle mit diesen Reaktionen machten mehr als die Hälfte der Meldungen (56 Prozent) aus. Für diese Impfreaktionen gilt: Sie halten nur kurze Zeit an und klingen von selbst wieder ab. Zudem zeigen sie an, dass das Immunsystem arbeitet. Generell treten sie bei jüngeren Menschen eher häufiger auf und nehmen mit dem Alter ab.

Warum müssen Junge und Frauen mit mehr Impfreaktionen rechnen?

Warum Frauen anders reagieren als Männer, lässt sich derzeit nicht sagen. Eine Studie, die die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Impf-Nebenwirkungen untersucht hat, gibt es bislang noch nicht. Klar ist dagegen, warum Menschen unter 40 Jahren stärker auf die Impfung reagieren: Sie haben ein deutlich aktiveres Immunsystem als ältere Personen. Entsprechend ausgeprägter – heftiger – kann es reagieren.

Was bedeutet es, wenn ich keinerlei Impfreaktionen verspüre?

Nichts: Ob jemand Nebenerscheinungen hat oder nicht, sagt nichts über den Impfschutz aus. Auch ohne ist man trotzdem gegen das Virus immun.

Was weiss man über Langzeitschäden der Impfstoffe?

Viele befürchten Langzeitfolgen nach einer Corona-Impfung. Doch das ist sehr unwahrscheinlich. Vor der Zulassung der Impfstoffe haben die Behörden extra mehr als zwei Monate abgewartet, um mögliche Langzeitschäden abzuschätzen. Diese Zeit reicht aus, denn anders als ein Medikament können sich Impfstoffe nicht über Wochen im Körper anreichern, sondern werden schnell wieder abgebaut. Daher zeigen sich Wirkungen und eventuelle Nebenwirkungen rasch nach der Verabreichung.

Beweisen die Narkolepsie-Fälle nach der Schweinegrippe-Impfung nicht das Gegenteil?

Nein. Zwar wurden nach rund 60 Millionen Schweinegrippe-Impfungen mit dem Pandemrix-Impfstoff Monate später tatsächlich mehr als 1300 Fälle der Schlafkrankheit dokumentiert. Doch diese, das zeigte eine im renommierten Fachjournal «Plos One» veröffentlichte Studie, entwickelte sich bereits kurz nach der Impfung. Diagnostiziert wurden diese allerdings erst später. Demnach handelt es sich nicht um eine Spätfolge der Impfung, sondern um eine seltene Nebenwirkung. Etwas Vergleichbares ist von den in der Schweiz verfügbaren, zugelassenen Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna nicht bekannt.

Was muss ich rund um die Impftermine beachten?

Nicht viel: Zum Impftermin selbst sollte man fit erscheinen. Zudem sollten Medikamente, die von einem Arzt verschrieben wurden, eingenommen werden. Verzichten sollte man allerdings darauf, aus Angst vor Impfreaktionen vorbeugend schmerzlindernde oder fiebersenkende Mittel einzunehmen. Dadurch könnte die Antikörperbildung, die durch die Impfung ja provoziert werden soll, gemindert werden. In welchem Ausmass das passiert ist unklar, vorsorglich empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO aber, erst nach dem Pieks zu derartigen Mitteln zu greifen. Während manche raten, das erst sechs Stunden nach der Impfung zu machen, empfiehlt Berger, sich an der eigenen Symptomatik zu orientieren und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Dies auch, was körperliche Anstrengungen wie Sport betrifft: «Solange man sich nicht hundertprozentig wohl fühlt, sollte darauf verzichtet werden.»

Auch punkto illegaler Drogen oder Alkohol gilt es das richtige Mass zu finden. Britische Forschende raten zwar davon ab, aber laut dem obersten Schweizer Impfexperten ist «ein Bier sicher okay, aber einen ganzen Kasten sollte man schon nicht trinken.» Exzesse sollten grundsätzlich vermieden werden.

Wie lautet die aktuelle Impfempfehlung für zukünftige, werdende und frischgebackene Mütter?

Frauen mit Kinderwunsch können sich aus Sicht von Expertinnen und Experten problemlos impfen lassen. «Sogar wenn sie drei Tage nach dem Pieks schwanger wird, ist das kein Problem», ist sich Berger sicher. Gleiches gilt für stillende Mütter. «Sofern überhaupt Impfstoff in der Muttermilch landet, wäre das nur ein Bruchteil der Impfdosis – das hätte überhaupt keinen Effekt. Ebensowenig, wenn eine erwachsene Person den Impfstoff trinken würde. Das ist wirklich völlig unproblematisch.»

Die Frage, ob auch Schwangeren die Impfung empfohlen wird, beantwortet das BAG in der neuesten Fassung der Impfempfehlung mit einem «Jein». Gesunden Schwangeren wird bisher nicht dazu geraten. Dies aber nicht, weil man Bedenken habe, so Berger. Sondern aus reiner Vorsicht, weil Studiendaten fehlen. Bei Schwangeren, die ein Zusatzrisiko mitbringen wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes, sei die Situation anders. «Diese haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf», erklärt Berger. Diesen Frauen empfehlen wir, gemeinsam mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen zu besprechen, ob sie die Impfung möchten.» Das gelte auch für Frauen, die im Pflegebereich arbeiten.

Was muss bei der Impfung von Personen beachtet werden, die schon einmal Corona hatten?

An sich gesunde Personen, die eine labordiagnostische gesicherte Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, sollten frühestens sechs Monate nach Abklingen der Erkrankung geimpft werden, Risikopersonen nach drei Monaten. Und zwar mit nur noch einer Dosis, wie es in der aktualisierten Impfempfehlung heisst: Aufgrund der bestehenden Immunität nach durchgemachter Infektion kommt es durch die einmalige Boosterung durch die Impfung zu einer sehr guten Immunantwort. Personen mit einer Immunschwäche sind von dieser Reglung ausgenommen.

Wie lange ist man nach der Impfung geschützt?

Dazu gibt es immer bessere Daten: «Aus wissenschaftlicher Sicht geht man davon aus, dass man sieben bis 14 Tage nach der zweiten Dosis für mindestens sechs Monate geschützt ist, möglicherweise sogar länger», erklärt der Ekif-Präsident. Genaueres werden die aktuell laufenden Studien mit Geimpften zeigen. Erst dann könne entschieden werden, ob es eine Auffrischungsimpfung, einen sogenannten Booster, braucht, so Berger.

Wie viel kostet die Impfung? Wer bezahlt?

Der Zugang zur Impfung soll für die in der Schweiz wohnende Bevölkerung einfach und kostenlos sein. Daher werden die Kosten für eine Covid-19-Impfung von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP), der Militärversicherung (MV), dem Bund und den Kantonen getragen. Die Krankenversicherer übernehmen die Kosten der ärztlichen Konsultation und des Impfstoffs, während der Bund die Kosten für den Transport und die Verteilung des Impfstoffs in die Kantone trägt. Mitunter werden auch die Kosten von Personen ohne OKP übernommen. Wann das der Fall ist, steht im Faktenblatt des BAG.

Wer haftet bei Schäden durch die Impfung?

Von einem Impfschaden spricht man, wenn eine Person eine über das übliche Ausmass einer Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Schädigung erleidet und die Impfung damit eine eigentliche Körperverletzung (oder gar den Tod) bewirkt, so das BAG. Wer dafür haftet, hängt von dem Auslöser des Schadens ab. In Frage kommen der Hersteller, die impfenden Personen oder der Bund. Welche Seite in welchem Fall haftet, ist auf den Seiten des BAG ausgeführt. Es gilt: Jeder Einzelfall wird überprüft.

Kann ich die Impfung mit einem bestimmten Impfstoff verweigern?

Die Impfung ist freiwillig, niemand muss impfen. Zum heutigen Zeitpunkt kann man nicht zwischen den mRNA-Impfungen wählen. Beide zugelassenen mRNA-Impfstoffe sind hinsichtlich der Wirksamkeit und der Sicherheit gleichwertig. Sie werden deshalb den gleichen Zielgruppen angeboten. Entscheidend dafür, wer welchen Impfstoff erhält, ist momentan vor allem die Verfügbarkeit der einzelnen Impfstoffe in der Schweiz.

Kann ich mich auch im Ausland impfen lassen?

Die Möglichkeit gibt es zwar, aber «ich denke nicht, dass das im grossen Stil praktiziert werden sollte und auch kann, da diese Länder primär die eigene Bevölkerung impfen», sagt Berger. «Ich finde das nicht wahnsinnig sinnvoll, wenn wir da jetzt Impftourismus betreiben.» Zumal man auf diesem Wege auch Virusvarianten ins Land holen könne, die mit den bisher verfügbaren Impfungen nicht zu bekämpfen sein. Damit wären die Bemühungen umsonst.

Müssen vollständig Geimpfte in anderen Ländern weiterhin in Quarantäne?

Vorerst schon, ist sich Ekif-Präsident Berger sicher. Zum einen wisse man auch noch nicht, wie gross die Infektionsgefahr ist, die von Geimpften ausgeht. So gebe es schlichtweg noch kein Impfzertifikat, das so etwas ermöglichen würde. Man arbeite zwar daran, aber eigentlich sei es dafür auch noch zu früh. Denn «solche Möglichkeiten darf man den Leuten eigentlich nur geben, wenn man auch sagen kann: Du kannst dich impfen lassen, wenn du willst. Solange man das nicht kann, kann man das eigentlich auch nicht verlangen. Das wäre extrem unfair.»

Freies Reisen sei zwar aus Individualsicht wünschenswert. «Aber aus Bevölkerungssicht muss die Viruszirkulation irgendwann abnehmen, sonst fliegen alle diese Varianten – und damit Gefahren – ein.» Daher rät er zu Zurückhaltung: Das sei gerade im Hinblick auf die Mutanten wichtig. «Sonst kaufen wir uns ein Problem ein, dass wir wirklich nicht haben möchten.»

Ankündigungen wie die vom deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn, wonach vollständig geimpfte Personen schon bald ohne Test und Quarantäne nach Deutschland einreisen können sollen, hält Berger entsprechend für verfrüht: «Das kommt schon irgendwann – aber vielleicht auf die Sommerferien hin.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Wissen-Push

Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Wissen» an – et voilà!

Deine Meinung