Bessere Sicht: Die Brille für die Computergeneration
Aktualisiert

Bessere SichtDie Brille für die Computergeneration

Tränende Augen, Kopfschmerzen - langes Arbeiten vor dem Computer kann zur Qual werden. Eine spezielle Brille verspricht Abhilfe. Geniestreich oder Humbug? «20 Minuten» macht den Test.

von
Philipp Rüegg

Während Fabrikarbeiter früher mit kaputten Rücken und unsicheren Arbeitsbedingungen zu kämpfen hatten, jammert der Bürogummi von heute über die Folgen einer Acht-Stunden-Schicht vor dem Computer. Tränende Augen und Kopfschmerzen sind nur ein paar der Probleme, die aus dem starren auf die leuchtenden Displays resultieren. Die Lösung präsentiert sich in sogenannten Computer- oder Entspannungsbrillen. Das uns vorliegende Testmodell stammt vom amerikanischen Unternehmen Gunnar. Der Hersteller verspricht unter anderem durch verbesserten Kontrast und das Verlagern des Fokuspunktes angenehmeres Arbeiten vor dem Bildschirm.

Bevor wir uns aber durch fehlerhafte Brillen für immer von unserem Augenlicht verabschieden, haben wir uns von zwei Experten beraten lassen. Entspannungsbrillen sind der Branche seit längerem bekannt. Weil man beim Arbeiten am Computer nur einmal statt wie sonst fünfmal pro Minute blinzelt, trocknen die Augen schneller aus. Zudem strengt das Blau der Bildschirme die Augen zusätzlich an, auch wenn die Farbe selbst wacher macht, erklärt Augenärztin Dr. Corina Röscheisen. Optimal für das Auge sei die Sicht in die Ferne, weil sich dabei die Linse entspannen kann. Eine Distanz, die beim Arbeiten mit Computer kaum einzuhalten ist.

Computerbrillen erst ab 40

Aus diesem Grund werden Brillen mit verschiedenen Dioptrien, die unterschiedliche Sichtdistanzen abdecken, für Kunden speziell angepasst und angefertigt. Allerdings seien solche Brillen in der Regel für Personen ab 40, meint Optiker Roger Burri. Bei jüngeren Menschen empfehlen sich solche Brillen meist nicht. Durch die Korrektur müssen die Augen weniger Arbeit leisten und werden geschwächt.

Die Gunnar-Brille schummelt

Burri hat den Trick hinter der Gunnar schnell durchschaut. Ein kurzer Test bestätigt, dass unser Modell über korrigierte Gläser verfügt. +0.25 Dioptrie sind zwar nicht viel, für Burri aber dennoch «eine leichte Irreführung». Das Verlagern des Fokuspunktes, wie es der Hersteller auf seiner Seite anpreist, ist also nichts anderes als korrigierte Gläser. Dennoch sollte man die kleinen Helfer nicht voreilig als Ramschware abtun. Was sie versprechen, halten sie auch ein und das zu «einem fairen Preis», wie Burri hinzufügt. Die Modelle kosten zwischen 70 und 100 Dollar und verfügen über entspiegelte Gläser, was beim Arbeiten an Bildschirmen praktisch unverzichtbar ist.

Fazit: Bessere Sicht, aber...

Nach mehrwöchiger Testphase kann gesagt werden: Die Brille funktioniert. Im Prinzip. Unser Testmodell für Gamer (Steelseries Scope) ist perfekt verarbeitet und extrem leicht. Auch ohne spezielle Anpassung durch einen Optiker ruhte die Brille angenehm auf dem Nasenbein. Text auf dem Bildschirm ist klarer zu erkennen und durch die gelben Gläser stellt sich ein angenehmerer Kontrast ein. Das Ergebnis ist ein besseres Leseerlebnis und entspanntere Augen.

Dennoch sollte man keine Wunder von den Gunnars erwarten. Wer den ganzen Tag vor dem Computer verbringt, wird trotz hipper Computerbrille am Abend die Folgen spüren, wenn auch nicht ganz so stark. Dazu kommt für Nicht-Brillen-Träger die Eingewöhnung an das Nasenfahrrad. Bereits nach ein paar Stunden beginnt man das Teil auf- und abzusetzen. Erfahrene Brillenträger können davon ein Liedchen singen. Daher stellt sich früher oder später die Frage, ob man das ganze Prozedere auf sich nehmen will. Ausserhalb des Arbeitsplatzes wird man die Brille kaum tragen. Bereits bei kurzen Gesprächen mit Kollegen setzt man die Brille ab. Die Farbe und die Korrektur stören dabei. Wer mit Folgen stundenlanger Bildschirmstarre zu kämpfen hat, für den lohnt sich ein Blick auf die Gunnar-Brillen allemal. Ein vorheriger Gang zum Optiker oder Augenarzt bleibt allerdings empfehlenswert. Der Autor wird wohl aus Gründen der Bequemlichkeit auf den weiteren Einsatz verzichten. Für Notfälle liegt das Teil aber weiterhin griffbereit.

(Quelle: YouTube/OriginalGunnarOptiks)

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