«Die Brutalität unter Jugendlichen ist neu»
Aktualisiert

«Die Brutalität unter Jugendlichen ist neu»

Die Zürcher Kantonspolizei hat im letzten Jahr ihren Jugenddienst vergrössert. 20 Minuten sprach mit Dienstchef Rolf Weilenmann über die ersten Erfahrungen.

Herr Weilenmann, was läuft bei der heutigen Jugend falsch?

Rolf Weilenmann: Raufereien hat es zwar immer gegeben. Neu aber ist die Brutalität: Anders als früher wird auf ein Opfer auch dann noch eingetreten, wenn es wehrlos am Boden liegt. Ein riesiges Problem ist auch der Alkoholkonsum.

Der Jugenddienst der Kantonspolizei wurde kürzlich ausgebaut. Mit welchem Ziel?

Weilenmann: Neu haben wir je einen Jugenddienstbeamten in den Regionen Limmattal/Albis, Bülach und Dielsdorf, Uster und Pfäffikon sowie Hinwil und Meilen. Diese suchen engen Kontakt zu den Jugendlichen der Region und besuchen Schulen und Jugendtreffs. Das hat nicht nur eine repressive, sondern vor allem auch eine präventive Wirkung: Unsere Leute können oft eingreifen, bevor es zu Straftaten kommt.

Worin unterscheidet sich diese Gassenarbeit von der eines Sozialarbeiters?

Weilenmann: Unsere Polizisten sind für die Jugendlichen keine Kumpels, sondern Respektspersonen, die Grenzen setzen. Wenn sie Straftaten beobachten – beispielsweise, wenn gekifft wird –, hat das eine Anzeige zur Folge.

Ist die vorbeugende Wirkung der Arbeit des Jugenddiensts schon messbar?

Weilenmann: Unsere Leute haben jedenfalls immer dann motivierende Erlebnisse, wenn sie einen Jugendlichen auf den rechten Weg zurückbringen. Das erreichen sie zum Beispiel, indem sie Wiederholungstäter auch besuchen, wenn diese nichts angestellt haben – einfach nur, um ihnen zuzuhören und zu wissen, wie es ihnen geht.

Marco Lüssi

Immer mehr Schwerverletzte

«Delikte gegen Leib und Leben nehmen bei den Jugendlichen zu», sagt Rolf Weilenmann, Chef des Jugenddiensts der Kantonspolizei. Die Zahlen der

Kriminalstatistik für das Jahr 2006 werden morgen veröffentlicht. Die steigende Gewalt spürt man auch beim Zürcher Universitätsspital: «Immer häufiger werden bei uns junge Menschen mit schweren Stich- oder sogar Schussverletzungen eingeliefert», sagte der leitende Arzt Marius Keel gegenüber Radio 24. Die Bekämpfung der Jugendkriminalität hat für die Kantonspolizei hohe Priorität.

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