«Gaht's-no!-Priis»: Die Bürokratie schlägt zu – die absurdesten Fälle
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«Gaht's-no!-Priis»Die Bürokratie schlägt zu – die absurdesten Fälle

Das Strassenverkehrsamt verlangt schlechte Bremsen und eine Flohmarkt-Blache führt zum Strafbefehl: Diese und mehr Fälle hat die FDP für den «Gaht's-no!-Priis» nominiert.

von
tür
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Laut dem Gesundheitsamt dürfen Medikamente nur noch in Blistern verpackt verabreicht werden. Deshalb muss Pflegepersonal für eine körperlich behinderte Frau jeden Tag die Medikamente auspacken, obwohl die Frau sie ohne Blister selbst einnehmen könnte.

Laut dem Gesundheitsamt dürfen Medikamente nur noch in Blistern verpackt verabreicht werden. Deshalb muss Pflegepersonal für eine körperlich behinderte Frau jeden Tag die Medikamente auspacken, obwohl die Frau sie ohne Blister selbst einnehmen könnte.

Keystone/Steffen Schmidt
Ein Mädchen hat das Generalabonnement vergessen und die Quittung dazu verloren. Ihre Mutter wollte ihr helfen, doch ohne Quittung ging am Schalter nichts. Und auf Anfrage per Mail hiess es dann, es könne sein, dass erst die Rechnung und erst dann eine Antwort kommen könne.

Ein Mädchen hat das Generalabonnement vergessen und die Quittung dazu verloren. Ihre Mutter wollte ihr helfen, doch ohne Quittung ging am Schalter nichts. Und auf Anfrage per Mail hiess es dann, es könne sein, dass erst die Rechnung und erst dann eine Antwort kommen könne.

Keystone/Christian Beutler
Weil ein Mann für die ersetzten und besseren Bremsen seines Töffs die notwendigen Papiere nicht hatte, musste er für die Motorfahrzeugkontrolle die alten, leistungsschwächeren Bremsen montieren. So wollte es ein Experte des Strassenverkehrsamts.

Weil ein Mann für die ersetzten und besseren Bremsen seines Töffs die notwendigen Papiere nicht hatte, musste er für die Motorfahrzeugkontrolle die alten, leistungsschwächeren Bremsen montieren. So wollte es ein Experte des Strassenverkehrsamts.

Keystone/Gaetan Bally

Die Bürokratie ist regelmässig der Sündenbock Nummer eins. Grund sind Papierkram, scheinbar endlose Verfahren und laut Betroffenen regelrechte «Schikanen». Als Protest dagegen verleiht die FDP Zürich deshalb am kommenden Freitag wie jedes Jahr einen Preis, den sogenannten «Gaht's-no!-Priis». Bei diesem wird die absurdeste Bürokratie-Geschichte gekrönt. Diese fünf Fälle stehen unter anderen zur Auswahl:

Medikamenten-Verpackung, die behindert

Eine Frau mit einer körperlichen Behinderung bekam früher ihre Medikamente, die so verpackt waren, dass sie sie selbst einnehmen konnte. Seit aber das Gesundheitsamt Blister-Verpackung (siehe Bild unten) vorschreibt, braucht sie aufgrund ihrer körperlichen Behinderung Hilfe dafür. Jetzt muss ihr ein Pfleger täglich die Medikamente vor ihren Augen auspacken.

Ärger wegen verlorener SBB-Quittung

Ein Mädchen hatte ihr Generalabonnement (GA) der SBB vergessen. Die Quittung, die sie vom Kontrolleur bekam, verlor sie aber. Deshalb wurde ihre Mutter zurückgewiesen, als sie für die Tochter das GA am Schalter vorweisen wollte. Dies, obwohl die SBB offenbar eine Kopie besass. Weshalb die Quittung nötig sei, konnte ihr aber niemand sagen. Als die Mutter ein Mail mit gescannter ID und GA schrieb, kam die Antwort: «Zurzeit erhalten wir viele Anfragen. Da unser Rechnungsversand automatisiert erfolgt, kann es deshalb vorkommen, dass Sie vor unserer Antwort eine Rechnung erhalten.» Ob schliesslich das Mail der Mutter der SBB gereicht hat, ist noch unklar.

Strassenverkehrsamt verlangt schlechtere Bremsen

Ein Mann musste seinen Töff aus den 70er-Jahren zur Motorfahrzeugkontrolle bringen. Obwohl der Töff in den letzten Jahren immer problemlos durchgekommen war, bemängelte der Experte beim Strassenverkehrsamt, dass die Bremsen nicht original seien, und fragte, ob der Mann Papiere habe. Die Papiere, die er bei sich hatte, reichten aber nicht, er wurde wieder fortgeschickt. Deshalb musste er wieder seine alten Bremsen montieren – obwohl diese nur eine halb so gute Bremsleistung haben.

Hundetrainerin muss selber Hundeschule besuchen

Die betroffene Frau hat vor einem Jahr in einem vom Veterinäramt Zürich anerkannten Institut den Kurs zur Hundetrainerin absolviert. Somit kann sie die kantonalen Erziehungskurse für Hunde leiten. Trotzdem wurde sie von der Gemeinde aufgefordert, den Kurs mit ihrem eigenen Hund zu besuchen. Sie fühlt sich völlig vor den Kopf gestossen: «Es wird mir also zugetraut, jedem Halter diese Kurse zu erteilen. Aber mit meinem eigenen Hund wird mir die Kompetenz dazu abgesprochen?»

Flohmarkt-Blache führt zu Strafbefehl

«Heute Flohmarkt»: Eine weisse Blache an einer Baustellenabschrankung an der Fraumünsterstrasse mit dieser Aufschrift brachte Monika Luck, Präsidentin des Vereins Zürcher Flohmarkt (VZF), viel Ärger ein. «Ein Marktpolizist schnauzte mich an – die Blache müsse sofort weg.» Eine Woche später erhielt sie vom Polizisten einen Anruf: Er habe Anzeige erstattet. Im Strafbefehl erfährt sie dann, dass sie in der Höhe von 290 Franken gebüsst werde, weil sie im öffentlichen Raum ohne Bewilligung Werbung angebracht habe. Dies, obwohl ihr von Seiten des Sicherheitsdepartements gesagt worden war, man könne keine Bewilligung für das Aufhängen einer Blache an einer Bauabschrankung erteilen.

Bei der Preisverleihung am Freitag, 29. September, wird entschieden, welcher Fall nun am absurdesten ist und den «Gaht's-no!-Priis» verdient hat.

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