31.07.2020 06:44

Ehepaar schockiert

«Die Camper-Betrüger haben unsere Fotos geklaut»

Eine junge Familie ist im Internet auf einen Camper-Betrug hereingefallen und hat ihr Erspartes verloren. Jetzt melden sich die ehemaligen Besitzer des Campers: Sie haben das Wohnmobil vor einem Jahr online verkauft.

von
Barbara Scherer
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Das ist der alte Camper des Ehepaars F. aus dem Kanton Bern.

Das ist der alte Camper des Ehepaars F. aus dem Kanton Bern.

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Sie haben die Fotos im April 2019 gemacht und online gestellt.

Sie haben die Fotos im April 2019 gemacht und online gestellt.

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Der Camper wurde damals für 60’000 Franken verkauft.

Der Camper wurde damals für 60’000 Franken verkauft.

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Darum gehts

  • Eine junge Familie wollte einen Camper im Netz kaufen und wurde dabei um 41’350 Franken betrogen.
  • Die Betrüger haben Bilder eines Fahrzeugs aus Bern verwendet.
  • Die ehemaligen Besitzer haben das Fahrzeug vor einem Jahr online verkauft.
  • Betrüger verwenden laut Rechtsexperte oft echte Bilder.

Das Ehepaar F.* aus dem Kanton Bern ist schockiert: Auf 20 Minuten sahen sie plötzlich die Bilder ihres alten Campers in einem Artikel zu einem fiesen Betrug: Eine junge Familie wurde beim Versuch, den Camper im Internet zu kaufen, abgezockt und verlor 41’350 Franken. Das Verkaufsinserat war ein Fake.

«Unser Sohn hat uns angerufen und gesagt, dass unser alter Camper in der Zeitung abgedruckt ist», sagt Herr F. Er hat die Bilder des Fahrzeugs vor einem Jahr für ein echtes Inserat gemacht: Im April 2019 schrieb das Ehepaar das Wohnmobil über Autoscout24 aus.

Betrüger haben Bilder bearbeitet

Der Originalpreis betrug jedoch 60’000 Franken. «Wir konnten den Camper an ein Ehepaar im Oberaargau verkaufen», so Herr F. Das Paar habe den Verkaufspreis bar vor Ort bezahlt. Alle Bilder des Campers wurden nun für die Betrugsmasche verwendet.

«Der einzige Unterschied ist, dass unser Nummernschild geschwärzt wurde», sagt Herr F. Das heisst, die Betrüger haben die Bilder nachbearbeitet. Dass ihr alter Camper für einen Internet-Schwindel verwendet wurde, stört das Ehepaar F. sehr: «Das gibt uns ein ungutes Gefühl.»

Kriminelle verwenden oft echte Bilder

Dass echte Bilder für einen Betrug verwendet werden, ist laut Rechtsanwalt Martin Steiger üblich: «Kriminelle suchen sich die Bilder im Internet für solche Betrugsmaschen zusammen.» Davor sind auch Bilder der eigenen Person nicht sicher.

«Fotos von echten Personen werden oft für Fake-Dating-Profile verwendet», so Steiger. Allerdings könnten diese Fotos auf Google mit einer Rückwärtssuche ausfindig gemacht werden. «Deshalb verwenden viele Betrüger inzwischen Fotos, die von Computern hergestellt wurden.»

Fotos mit Wasserzeichen schützen

Bilder von Wohnmobilen oder Wohnungen lassen sich noch nicht künstlich generieren. Hier müssen Kriminelle laut Steiger weiterhin auf Bilder von echten Objekten zurückgreifen. «Um die Bilder zu schützen, empfiehlt es sich, diese mit einem Wasserzeichen zu versehen.»

Grundsätzlich gelte in der Schweiz das Urheberrecht. Wird ein Bild ohne die Erlaubnis des Fotografen verwendet, ist das strafbar. Dann kann ein Strafverfahren eingeleitet werden. «Im Falle einer Betrugsmasche lohnt sich das aber nur bei einem Bild der eigenen Person», sagt Steiger. Bei Objekten sei der Aufwand im Normalfall zu gross.

*Name der Redaktion bekannt

Rechtsexperte

«Kriminelle lassen sich auch unter Druck setzen»

Angebote im Internet, häufig aus dem Ausland, die bezahlt, aber nicht geliefert werden, sind eine gängige Betrugsmasche, wie Rechtsanwalt Martin Steiger erklärt. Darum sollten Betroffene Strafanzeige erstatten. «So können die Behörden allenfalls weitere Fälle verhindern», sagt Steiger.

Betroffene könnten das Geld vom Verkäufer zurückfordern. «Wie gross die Erfolgsaussichten sind, muss im Einzelfall beurteilt werden. Die Erfahrung zeigt, dass sich auch mutmassliche Kriminelle unter Druck setzen lassen.»

Vorauszahlungen setzten laut Steiger Vertrauen voraus, das in solchen Fällen aber fehlt. «Hat man erst einmal bezahlt, sitzt man am kürzeren Hebel.» Eine Alternative seien Onlineplattformen, die sicherstellten, dass Käufer das Gekaufte erhielten und der Verkäufer bezahlt werde. «Das Geld wird von solchen Plattformen erst ausbezahlt, wenn die Lieferung erfolgt ist. Ausserdem können solche Plattformen im Streitfall vermitteln.»

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127 Kommentare
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lilly

31.07.2020, 10:31

Ich versteh das nicht. Einen Occasions-Camper kaufen ohne vorherige Besichtigung und Probefahrt..?

Wohnwagenmieter

31.07.2020, 10:09

Wir haben zum Glück einen California gemietet bevor wir einen gekauft haben. Für Hobby und Kurzausflüge sicher cool, aber da muss das Geld dann definitiv rumliegen. Fürs Campen völlig ungeeignet. Sitzend kochen mit heissem Wasser neben sich und wenns regnet kann man sich kaum im Fahrzeug bewegen. Und für eine diskrete Toilette gibts auch kein Platz. Prädikat ungeeignet und völlig überteuert.

Andrea

31.07.2020, 10:04

Was mich hier irritiert, dass viele Schreiber gar kein Mitleid mit der Familie aufbringen kann / will. Das ist ein jämmerlich es Signal dafür, wie emotionslos die Gesellschaft bereits ist, wenn es um Fehler, Pech eines anderen geht. Alles Menschen, die glauben, selbst perfekt zu sein. Alles Menschen, die sich überzeugt geben, noch nie selbst einen Fehler gemacht zu haben. Ich habe Mitleid mit dieser Familie, auch wenn ich kein Geld überwiesen hätte , ich bei einer solchen Summe persönlichen Kontakt mit dem Verkäufer als Grundlage gesucht hätte. Etwas mehr Mitmenschlichkeit würde der Gesellschaft gut tun. Zumindest, wenn sich diese als fortgeschrittene Gesellschaft bezeichnen will.