Wahlen in Deutschland: Die CDU bangt um die Macht
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Wahlen in DeutschlandDie CDU bangt um die Macht

Vier Wochen vor der Bundestagswahl hat die CDU bei zwei der drei Landtagswahlen massive Stimmenverluste hinnehmen müssen. In Thüringen und dem Saarland verlor sie nach zehn Jahren die absolute Mehrheit.

Die deutschen Christdemokraten von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben vier Wochen vor der Bundestagswahl bei den Landtagswahlen in Thüringen und im Saarland zweistellige Verluste erlitten. Den Ministerpräsidenten dort droht die Abwahl. Nur in Sachsen konnte die CDU ihr Ergebnis einigermassen halten.

Aber auch die SPD von Merkels Herausforderer Frank-Walter Steinmeier konnte kaum profitieren. Sie verbesserte ihr Stimmergebnis nur in Thüringen deutlich, während sie an der Saar empfindliche Verluste verzeichnete. Dort könnte sie aber dennoch künftig den Regierungschef stellen.

In diesen beiden Bundesländern sind linke Regierungsbündnisse aus Sozialdemokraten, Linkspartei und Grünen möglich. Ob sie zustande kommen, hängt von Verhandlungen in den kommenden Wochen ab.

In Sachsen hielt sich die CDU von Ministerpräsident Stanislaw Tillich stabil bei knapp 41 Prozent. Hier steht ein Koalitionswechsel an: Statt wie bisher mit der SPD dürfte Tillich künftig mit den Liberalen (FDP) regieren, einem der Wahlsieger des Sonntags.

Die rechtsextreme NPD schaffte trotz Stimmenverlusten in Sachsen zum zweiten Mal den Einzug in den Landtag. Die Linke legte im Saarland extrem stark zu.

Verluste im Saarland...

Im Saarland lag als erstes ein amtliches Endergebnis vor: Die CDU muss mit einem zweistelligen Minus und 34,5 Prozent (2004: 47,5) den bislang grössten Einbruch in dem kleinsten Flächenland verkraften.

Die SPD rutscht mit 24,5 Prozent (30,8) erstmals seit rund 50 Jahren unter die 30-Prozent-Marke. Die Linke schafft mit einem zweistelligen Ergebnis und 21,3 Prozent (2,3) triumphal den Einzug in den Landtag.

Die FDP bleibt trotz starker Gewinne und 9,2 Prozent (5,2) knapp unter einem zweistelligen Ergebnis. Die FDP kann in dem Land aber erstmals seit fast 20 Jahren die Grünen überflügeln, die mit 5,9 Prozent (5,6) um den Einzug ins Parlament bangen müssen.

... und vor allem in Thüringen

In Thüringen hat die CDU ihr bisher schlechtestes Ergebnis erzielt. Sie kam nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis am Sonntag auf 31,2 Prozent. Das sind 11,8 Prozentpunkte weniger als 2004. Die Linke erzielte mit 27,4 Prozent ihr bisher zweitbestes Landtagswahlergebnis in Deutschland.

Nun wackelt der Stuhl von CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus, der Anfang des Jahres mit seinem schweren Skiunfall in Österreich Schlagzeilen gemacht hatte.

Die Bildung einer Linksregierung könnte aber daran scheitern, dass die drittplatzierte SPD nicht bereit ist, den Spitzenkandidaten der stärkeren Linkspartei, Bodo Ramelow, zum Ministerpräsidenten zu wählen. Auch die Grünen wollen Ramelow nicht wählen.

Althaus will nun mit der SPD Gespräche über die Bildung einer schwarz-roten Koalition aufnehmen. Die SPD verbesserte sich um 4,0 Punkte auf 18,5 Prozent.

Nach 15 Jahren zogen die Grünen mit 6,2 Prozent wieder in den Landtag ein, ebenso wie die FDP mit 7,6 Prozent. Damit ist rechnerisch Rot-Rot-Grün möglich.

Stabil in Sachsen

In Sachsen bleibt die CDU stärkste Kraft. Die Partei von Ministerpräsident Stanislaw Tillich verlor nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis nur leicht und kam auf 40,2 Prozent der Stimmen.

Die Linke bleibt trotz Verlusten zweitstärkste Partei im Freistaat. Sie erreichte 20,6 Prozent der Stimmen. Die FDP steigerte ihr Ergebnis deutlich auf 10 Prozent. Die SPD konnte sich kaum aus ihrem historischen Tief befreien und kam auf 10,4 Prozent. Die Grünen steigerten sich auf 6,4 Prozent.

Die rechtsextreme NPD erhielt 5,6 Prozent der Stimmen und zog erstmals erneut in einen Landtag ein, fiel aber deutlich von 9,2 Prozent zurück. Die Wahlbeteiligung sank auf knapp 52,2 Prozent.

CDU bei Kommunalwahlen stark

Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen hat sich die CDU trotz Verlusten als stärkste Kraft behauptet. Laut einer Hochrechnung des Westdeutschen Rundfunks (WDR) erhielt sie bei dem Urnengang am Sonntag 40,4 Prozent der Stimmen, das waren 3 Prozent weniger als vor fünf Jahren. (sda)

Votum gegen Schwarz-Gelb

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat sich zufrieden über den Ausgang der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und dem Saarland gezeigt. «Eines ist sicher: Schwarz-Gelb ist nicht gewollt in diesem Lande», sagte Steinmeier am Sonntagabend in Berlin und verwies auf «dramatische Verluste» für die CDU.

Er habe oft gehört, dass die Bundestagswahl schon entschieden sei. Dieser Wahlabend aber habe gezeigt, dass diese Einschätzung ein grosser Irrtum sei. Steinmeier verwies auf die Bundestagswahlen in den Jahren 2002 und 2005, in denen es ein anderes Ergebnis als in den Umfragen gegeben habe. «Ich verspreche Euch: Das wird auch diesmal so sein», rief er seinen Anhängern zu.

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