Illegale Deponie beim Blausee: «Die Chance ist klein, erwischt zu werden»
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Illegale Deponie beim Blausee«Die Chance ist klein, erwischt zu werden»

Verschmutzter Abfall aus der Region Zürich soll ins Berner Oberland transportiert worden sein. Ein Branchenverband kritisiert die Kontrollmechanismen.

von
Thomas Mathis
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Der Blausee im Berner Kandertal ist ein weltbekanntes Instagram-Sujet.

Der Blausee im Berner Kandertal ist ein weltbekanntes Instagram-Sujet.

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Durch mysteriöse Forellensterben wurde man auf die illegale Verschmutzung eines Steinbruchs am Blausee aufmerksam. 

Durch mysteriöse Forellensterben wurde man auf die illegale Verschmutzung eines Steinbruchs am Blausee aufmerksam.

Blausee AG
In diesem Steinbruch soll illegal Abfall deponiert worden sein. 

In diesem Steinbruch soll illegal Abfall deponiert worden sein.

Beat Mathys / Tamedia 

Darum gehts

  • Im Steinbruch Mitholz wurde jahrelang verschmutzer Abfall abgeliefert – auch Material aus der Region Zürich.

  • Der Fall löst bei einem Branchenverband Kopfschütteln aus.

  • Das belastete Material sehe oft harmlos aus und Kontrollen seien schwierig, heisst es.

In der Steingrube oberhalb des Blausees im Berner Kandertal wurde jahrelang illegal Abfall entsorgt – darunter auch verschmutzter Bahnschotter. Das hatte die «Redaktion Tamedia» im Juli 2020 bekannt gemacht. Nun zeigen neue Recherchen, dass auch verschmutztes Material aus Zürich dort landete statt in einer offiziellen Deponie. Laut dem Artikel gelangten so hunderte Tonnen Pressschlamm ins Berner Oberland. Im Fokus der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft steht eine Berner Transportfirma.

Der Fall löst beim Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen Kopfschütteln aus. «Ein solcher Steinbruch ist definitiv kein geeigneter Standort für die Ablagerung von belasteten Abfällen», sagt Geschäftsführer Robin Quartier. Ob es sich um einen Einzelfall handelt, kann er nicht sagen. «Ich kenne nur die legalen Entsorgungswege. Wie häufig solche kriminellen Praktiken sind, weiss ich nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Versuchung gross ist.»

«Preisdruck verleitet zu illegaler Entsorgung»

Quartier sieht zwei Gründe, die ein Transportunternehmen zu solchem illegalen Vorgehen verleiten könnten: «Erstens offerieren die Transportunternehmen oft zu tief, um den Zuschlag zu bekommen.» Eine gesetzkonforme Entsorgung sei bei diesen tiefen Preisen kaum möglich und die Möglichkeit sei verlockend, eine hauchdünne Marge durch illegale Entsorgung aufzubessern.

Zweitens sei die Chance klein, erwischt zu werden. Der Grund dafür ist laut Quartier, dass die Kontrollen schwierig sind. «Das belastete Material sieht oft harmlos aus, wie normale Erde. Es wird nicht in gelbe Fässer mit Totenkopf abgepackt.» Das mache die Sichtkontrolle beim Abladen schwierig. Oft würden dann nur Papiere als Beweis vorliegen – und diese könne man eben fälschen.

«Lieferung dokumentieren»

Hier gebe es eine Verbesserungsmöglichkeit: «Jede Lieferung müsste vom Deponiebetreiber konsequent dokumentiert werden, mit Fotos inklusiv Zeit und Ortsangabe. Auch könnte die Fahrt des Lastwagens zur Entsorgungsanlage aufgezeichnet werden.» Der Kunde erhalte so die Möglichkeit, seine Abfälle bis zur rechtskonformen Entsorgung zu verfolgen. «Was heute mit jedem Paketversand möglich ist, dürfte auch mit beladenen Abfallmulden machbar sein.»

Bist du Chauffeur und hast Erfahrungen mit illegalen Deponien gemacht? Melde dich bei uns per Mail an feedback@20minuten.ch mit dem Betreff Deponien. Wir gewährleisten deine Anonymität.

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