Granada: Die charmanteste Kolonialstadt Mittelamerikas
Aktualisiert

GranadaDie charmanteste Kolonialstadt Mittelamerikas

Von Kolonialisten gegründet und von Piraten überfallen: Die nicaraguanische Stadt Granada hat eine bewegte Geschichte – und einen unvergleichlichen Charme.

von
Nina Ladina Kurz
Die prächtige Kathedrale von Granada ist 480 Jahre alt. (oben) Der Kratersee im Naturreservat Laguna de Apoyo verspricht Abkühlung. (unten)

Die prächtige Kathedrale von Granada ist 480 Jahre alt. (oben) Der Kratersee im Naturreservat Laguna de Apoyo verspricht Abkühlung. (unten)

Die riesigen Kolonialbauten sind beeindruckend. «Touristen, die noch nie Gebäude gesehen haben, die älter als 150 Jahre sind, müssen sich vorkommen wie bei Walt Disney», schmunzelt ein Strassenverkäufer und schaut auf eine kleine amerikanische Reisegruppe.

Die drittgrösste Stadt Nicaraguas liegt 47 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Managua an der Küste des grössten Sees Mittelamerikas, dem Nicaraguasee. Granada wurde 1524 von spanischen Eroberern gegründet und zählte während der Kolonialzeit zu den bedeutendsten Häfen Zentralamerikas. 1856 überfielen Piraten die Handelsstadt und brannten sie fast restlos nieder.

Heute ist die Stadt zur Ruhe gekommen. In den Seitengassen rund um die restaurierte Kathedrale locken kleine Cafés und Restaurants. Wer Zeit hat, geniesst in den bunt bemalten Innenhöfen ein Glas Flor de Caña, den Nationalrum Nicaraguas.

Hektisch ist nur die Markthalle: Schweineköpfe liegen verkaufsbereit neben Bananen und Schuhen. «¿Necesitan algo?», fragen die Marktfrauen und zupfen den ­Neuankömmlingen sanft an den Ärmeln. Die Leute sind höflich und aufgeschlossen – als Tourist fühlt man sich willkommen.

Günstig reisen mit dem «Collectivo»

Wer Angst hat, sich in alte, ausrangierte amerikanische Schulbusse zu setzen, sollte von dieser Reiseart lieber die Finger lassen. Für alle anderen: rein ins Vergnügen. Für den fairen Touristenpreis von fünf Dollar reist man stundenlang durch Panama, Costa Rica und Nicaragua, spannende Begegnungen mit Einheimischen inklusive. Tickets kann man in jedem Bus kaufen – vorausgesetzt, man erwischt ihn. Die Abfahrtszeiten sind eher flexibel koordiniert. An abgelegene Orte fährt der «Collectivo». Die kleinen Privatbusse sind nichts für Personen mit einer feinen Nase – dafür sind sie sogar noch günstiger als Schulbusse. Unfälle sind übrigens seltener geworden, seit strengere Sicherheitsbestimmungen gelten. Auf das Gepäck muss man aber weiterhin achten, Langfinger haben in den überfüllten Bussen leichtes Spiel.

Casa de los Tres Mundos

Die Stiftung Casa de los Tres Mundos fördert und koordiniert soziale Kulturprojekte in ganz Zentralamerika. Im Hauptgebäude der Stiftung in Granada können Kinder und ­Jugendliche Kunst- und Musikkurse besuchen. Das von einem Österreicher geleitete Institut bietet auch Platz für europäische Studenten, sofern sie sich im Rahmen des kulturellen Austauschs zwischen Europa und Zentralamerika engagieren und mitarbeiten wollen.

Laguna de Apoyo

Das seit 1991 geschützte und gut bewachte Naturreservat Laguna de Apoyo ist von Granada aus mit dem Auto in 15 Minuten erreichbar. Fauna und Flora scheinen unberührt, in den Büschen tummeln sich ­Königsschlangen und Le­guane. ­Mittelpunkt des 35 Quadratkilometer grossen Reservats ist der Kratersee. Gegen eine kleine Spende können Besucher an den schwarzen Sandstränden flanieren und im kühlen Süsswasser schwimmen gehen.

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