Aktualisiert 07.06.2012 23:41

Schweizer Hotellerie«Die Chinesen haben den Schnee entdeckt»

In der Wintersaison ist die Zahl der Logiernächte wegen des starken Frankens massiv eingebrochen. Sich auf einen Preiskampf einzulassen, wäre aber ruinös. Hoffnung bringen Gäste aus Asien.

von
S. Spaeth
Chinesische Schönheiten bei einem Fotoshooting im Skigebiet Saas Fee.

Chinesische Schönheiten bei einem Fotoshooting im Skigebiet Saas Fee.

Die Frankenstärke macht den Schweizer Hotels das Leben schwer. In der Wintersaison (November 2011 bis April 2012) ging die Zahl der Übernachtungen von ausländischen Gästen im Vergleich zur Vorjahresperiode um 6,9 Prozent zurück. Insgesamt verzeichnete die Schweizer Hotellerie einen Rückgang von 3,7 Prozent.

«Leider mussten wir ein solches Resultat erwarten», sagt Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid zu 20 Minuten Online. Besonders dramatisch zeigte sich der Rückgang mit 16 Prozent bei Reisenden aus Deutschland. Sie übernachteten 388 000 Mal weniger in der Schweiz. «Etwa jeder sechste Deutsche kam nicht», erklärt Schmid. Sogar ein Minus von 19 Prozent zeigt sich bei den Übernachtungen von Holländern (Minus 80 000 Logiernächte). Insgesamt gingen die Übernachtungszahlen von Gästen aus Europa 11 Prozent zurück.

Einen Funken Hoffnung geben dem obersten Touristiker die Übernachtungszahlen von Gästen aus China: Hier haben die Logiernächte um über 36 Prozent auf rund eine Viertel Million zugenommen (+60 000 Logiernächte). Schmids Fazit: «Die Chinesen haben immer mehr Lust, den Schweizer Schnee zu entdecken.» Zunahmen gab es auch bei Gästen aus Brasilien, Korea und Australien.

Kostensenkungen kaum möglich

Für Gäste aus der Eurozone sind Winterferien in der Schweiz 2012 verglichen mit dem Vorjahr rein Währungsbedingt rund 8 Prozent teurer geworden. Blickt man zwei Jahre zurück, sind es sogar mehr als 20 Prozent. «Durch die Frankenstärke haben wir gewaltige Einbussen erlitten. Unser Geschäft ist sehr währungsabhängig», erklärt Touristiker Schmid.

Dem starken Franken mit weiteren Kostensenkungen entgegen zu halten, ist aber nur schwer möglich. «Die Margen im Tourismus sind bereits tief und die Produktionskosten ergeben sich grösstenteils durch die Löhne der Angestellten», erklärt Tourismusprofessor Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern. Punkto Lohnsenkungen mahnt er vor einem Eigentor: «Das könnte sich auf die Qualität der Mitarbeiter auswirken und wäre verheerend.» Was die Schweiz laut dem Tourismusprofessor braucht, ist noch bessere Qualität.

Die Preise zu senken, nur um mit dem günstigen Nachbar Österreich mitzuziehen, sehen die Experten als absolut falsche Strategie: «Das könnte ein bis zwei Jahren gut gehen, dann würde sich die Schweiz als erstklassige Destination verabschieden», vermutet Wagenseil. Der Grund: Wegen der knappen Kalkulation fehlt das Geld für wichtige Investitionen in die Infrastruktur.

Schweizer halten zur Schweiz

Erfreulich ist, dass die Schweizer Gäste ihrer Heimat die Treue halten. Sie sorgten in der Wintersaison für 7,1 Millionen Logiernächte, was einer Zunahme von 0,1 Prozent entspricht. «Das ist ein starkes Zeichen», freut sich Schmid. Die Bevölkerung beginne zu realisieren, dass es längerfristig nicht zusammenpasse, im eigenen Land von hohen Löhnen zu profitieren – aber im Ausland günstige Ferien zu machen.

Weniger Schweizer Gäste im April

Im April verzeichnete die Hotellerie 5 Prozent weniger Logiernächte als im Vorjahresmonat. Bei den Schweizer Gästen hält die Statistik einen Rückgang um 7,1 Prozent fest. Wenden sich die Schweizer also doch von ihrer Heimat ab? Laut Jürg Schmid hängt dies hauptsächlich mit dem frühen Zeitpunkt des Osterwochenendes zusammen, an dem viele Hotels ihren Wintersaison beenden. Einen Einfluss habe zudem auch das Wetter gehabt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.