Masken, Impfung, Quarantäneliste - Die Chronologie der BAG-Pannen
Aktualisiert

Masken, Impfung, QuarantänelisteDie Chronologie der BAG-Pannen

Das BAG hätte die Quarantäneliste viel schneller anpassen müssen, kritisieren verschiedene Politiker. Es ist nicht das erste Mal, dass BAG-Entscheide in der Kritik stehen.

von
Leo Hurni
Bettina Zanni
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Die Impfstoffbeschaffung des BAG stand in der Kritik. 

Die Impfstoffbeschaffung des BAG stand in der Kritik.

20min/Taddeo Cerletti
Auch mit dem Testen geht es Politikern und Wirtschaftsvertretern zu langsam voran. 

Auch mit dem Testen geht es Politikern und Wirtschaftsvertretern zu langsam voran.

Standeskanzlei Graubünden
Ungereimtheiten gab es auch bei den BAG-Empfehlungen zum Maskentragen. 

Ungereimtheiten gab es auch bei den BAG-Empfehlungen zum Maskentragen.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Indien verzeichnet hohe Fallzahlen, zudem wurde bereits in der Schweiz ein Fall der indischen Mutation gefunden.

  • Das BAG hat Indien deshalb auf die Quarantäneliste gesetzt.

  • Für Politiker und Wissenschaftler kam diese Entscheidung aber viel zu spät.

  • Eine Übersicht über frühere Entscheide des BAG, die in der Kritik standen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzt Indien auf die Quarantäneliste – viel zu spät, wie verschiedene Politiker finden. Bereits für frühere Versäumnisse erntete das BAG scharfe Kritik von Bürgerlichen, Wirtschaftsvertretern und einem Krisenmanager. Für SVP-Präsident Marco Chiesa damals ein weiterer in einer ganzen Reihe strategischer Fehlentscheide. Eine Chronologie:

Quarantäneliste spät angepasst

In Indien sind Mitte März die Fallzahlen explodiert. In der Schweiz wurde Ende März ein erster Fall der indischen Mutation nachgewiesen. Auf der Quarantäneliste fehlte das Land allerdings auch noch, als die Zahlen in Indien bereits dramatisch anstiegen. Nach der ersten Meldung über die indische Mutante in der Schweiz an einem Samstag setzte der Bund am 26. April das Land doch noch per 18 Uhr auf die Liste. «Ich erwarte vom BAG, dass man viel schneller reagiert und nicht erst, wenn der erste Fall einer Mutation in der Schweiz auftaucht», kritisierte GLP-Nationalrat Martin Bäumle .

740'000 abgelaufene PCR-Tests

Vor rund einem Jahr kaufte der Bund mehr als eine Million PCR-Tests als Notreserve. Nun musste der Bund allerdings einsehen, dass damals viel zu viele Tests eingekauft wurden. Das Problem dabei: Die meisten Tests sind mittlerweile abgelaufen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete (Bezahlartikel). Ein Teil davon konnte vorzeitig noch verkauft werden, doch die abgelaufenen Test kosten den Bund rund 14 Millionen Franken.

Unsichere Impf-Plattform

Die Plattform «meineimpfungen.ch» ist für den digitalen Impfausweis nicht sicher, wie sich herausstellte. Beim elektronischen Impfausweis waren 450’000 Datensätze öffentlich zugänglich, auch solche von Bundesräten. Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger eröffnete darauf ein Verfahren gegen die Betreiber der Plattform.

Kein Geld vom Bund für Impfstoffherstellung

Anfang März fragte die Walliser Pharmafirma Lonza beim Bund um staatliche Unterstützungsgelder für die Produktion des Moderna-Impfstoffs an. Gesundheitsminister Alain Berset verwarf diese Idee, weil Lonza kein Vorkaufsrecht auf Impfdosen anbieten konnte. Das BAG entschied, stattdessen mit Moderna zu verhandeln. Verschiedene Politiker forderten daraufhin, dass das BAG sämtliche Möglichkeiten ausreizt, um sich über staatliche Finanzierungen Vorteile in der Impfstoffbeschaffung zu sichern.

Keine Reaktion auf Sputnik-Angebot

Im Dezember machte 20 Minuten publik, dass der Moskauer Botschafter Sergei Garmonin das BAG zweimal auf ein Angebot für den russischen Impfstoff Sputnik V aufmerksam machte. Das BAG reagierte laut Garmonin beide Male nicht. Das BAG dementierte nicht, dass die Angebote unbeantwortet blieben.

Falsche Zahlen

Das BAG kommunizierte mehrfach falsche Zahlen, etwa zu Ansteckungsorten.

Zu wenig Impfstoff, zu spät bestellt

Experten kritisieren, dass die Schweiz zu spät und zu wenig Impfstoff bestellt habe. Andere Länder beschafften mehr und früher. Mit Moderna einigte sich Israel Mitte Juni auf eine Vereinbarung für sechs Millionen Impfdosen, bevor die Wirksamkeit des Impfstoffs geklärt war. Auch sicherte sich Israel von Pfizer/Biontech priorisierte Impfstoff-Lieferungen, indem es das Übermitteln von Impfdaten garantierte. Auch die Briten bestellten frühzeitig grosse Impfstoffmengen. Nora Kronig begründete die Kritik mit einer diversifizierten Strategie der Schweiz. Strategisch werde überlegt, wie viele Dosen die Schweiz brauche und wolle.

Zu wenige Masken während der ersten Welle

Im April 2020 wurden Hygienemasken in der Schweiz knapp – auch in Arztpraxen, Pflege- und Altersheimen. Das Gesundheitspersonal musste die vorhandenen Masken sogar länger tragen als empfohlen. Das BAG betonte in den ersten Monaten der Pandemie immer wieder, dass Masken in der breiten Bevölkerung nicht gegen das Coronavirus wirkten. Interne Protokolle, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, zeigten allerdings: Die Behörden kommunizierten wohl nur so, weil nicht genügend Masken für alle verfügbar waren.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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