Aktualisiert 10.02.2011 09:15

Mehr Probleme als zuvorDie Chronologie der Blamage

Die 90 Minuten der Schweizer Nati gegen Malta waren ein einziger Tiefpunkt. Doch das Unheil begann schon vorher – und ist noch nicht vorbei.

von
Reto Fehr, Malta

Im März tritt die Nati zum kapitalen Spiel gegen Bulgarien an, im Juni folgt im Wembley der Knüller gegen England. Diese beiden wichtigen Spiele wollen gut vorbereitet sein. Dass dabei Malta als einziger Testgegner ausgewählt wurde, überrascht. Der Ernstfall kann gegen die Nummer 163 des Fifa-Rankings nicht wirklich geprobt werden. «Ottmar Hitzfeld wollte einen Gegner aus dem Süden Europas», erklärte Medienchef Marco von Ah vor dem Spiel. Man hat den Testgegner also nach der Geographie und nicht der Stärke ausgewählt. Auch wenn man in Testspielen nur auf sich selber schauen muss und der «Ernstfall» gegen Bulgarien auch mit einer Partie gegen Rumänien oder selbst gegen das Team von Lothar Matthäus selbst nicht wirklich hätte simuliert werden können: Glücklich war die Wahl nicht.

Damit begann schon im letzten Jahr eine Reihe von unglücklichen Gegebenheiten, welche jetzt mit dem 0:0 vorerst endeten. Einige sind selbst verschuldet, andere einfach dumm gelaufen. Zum Beispiel die Verletzung von Johan Djourou. Der Arsenal-Söldner spielt in England seit seinem Comeback stark und wäre eine klare Verstärkung für die Schweizer Innenverteidigung.

Fehlendes Gepäck und ein Ultimatum

Auch die Reise auf die Mittelmeerinsel selbst startete ungünstig. Einige Gepäckstücke landeten erst verspätet auf Malta. So musste das erste Rasentraining in eine Gymnastikstunde umgewandelt werden. Spieler wie Blerim Dzemaili erhielten ihre Schuhe erst am Spieltag selbst. Und der gleiche Spieler zog die Aufmerksamkeit auf sich, als ihm Ottmar Hitzfeld an der Pressekonferenz vor der Partie ein Ultimatum setzte, weil er sich nicht «teamgerecht» über seine Konkurrenz im Mittelfeld geäussert hatte. Weitere Unruhe kam auf, weil Hitzfeld selbst seine Zukunft so bald wie möglich geklärt haben will. Geht es nach dem Lörracher, soll der Nati-Trainer-Vertrag noch vor dem Bulgarien-Spiel verlängert werden. Die Themen vor der Partie gegen Malta waren eher politischer denn sportlicher Natur. Eine optimale Vorbereitung sieht anders aus.

Reaktionen nach Malta - Schweiz

Das Ungemach begleitete die Nati dann auch im Spiel von Anfang an. Bei den ersten Pressingversuchen nach wenigen Sekunden tunnelten die Halbprofis aus Malta gleich zwei Schweizern innert wenigen Augenblicken. Das Publikum quittierte die Höchststrafe für einen Fussballer mit lautem Gejohle und als Alex Frei in der zweiten Minute seinen Elfmeter verschoss, ahnte manch einer, dass es im Ta'Qali-Stadion statt einer Spazierfahrt zu einem «Chnorz» werden könnte.

Zwei verletzte Spieler

Zum bescheidenen Schweizer Auftritt in der ersten Halbzeit, gesellte sich auch noch Pech: Stepahne Grichting musste in der 32. Minute mit einer Mittelhandfraktur des Ringfingers verletzt vom Feld und kurz vor der Pause wurde auch Pirmin Schwegler notgedrungen ausgewechselt: Der Frankfurter musste nach einem Zusammenprall ausserhalb des Feldes gepflegt werden. Hitzfeld reagierte und brachte Dzemaili ins Spiel. Als Schwegler wenig später – trotz zwei offenen Wunden am Knie und Bauch sowie womöglich einer Gehirnerschütterung - Richtung Mittellinie spurtete, um wieder ins Spiel einzugreifen, musste ihn der vierte Offizielle darauf hinweisen, dass er ausgewechselt wurde. Schwegler erklärte nach der Partie zwar, dass er sowieso in der Pause durch Dzemaili ersetzt worden wäre, aber die Szene passte zum unglücklichen Schweizer Auftritt wie die Faust aufs Auge.

Nach der Pause nahm das Ungemach seinen weiteren Lauf, als Alex Frei kurz nach Wiederanpfiff freistehend aus wenigen Metern übers Tor schoss und Gökhan Inler den zweiten Elfmeter als Rückpass auf den Torhüter spielte.

Mehr Probleme als zuvor

Die Bilanz der Malta-Reise zusammengefasst: Statt eines Schubs Selbstvertrauen durch einen klaren Sieg hat die Nati jetzt mehr Probleme als vor dem Test. Zwei Spieler fielen verletzt aus, ein neuer Penalty-Schütze muss her, die Innenverteidigung bleibt ein Fragezeichen und die erhofften «Lösungen in der Offensive» wurden nicht gefunden. Zudem werden die Gegner von Alex Frei jetzt wohl aufgrund des verschossenen Elfmeters und der allgemein schwachen Leistung erneut den sofortigen Rücktritt des Rekordtorschützen fordern und die Diskussionen um Hitzfelds Vertrag werden anhalten. Das sind keine guten Voraussetzungen für das Spiel gegen Bulgarien.

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