Aktualisiert 13.06.2014 13:03

Operation geglücktDie Costa Concordia steht - Schettino schweigt

Nach 19 Stunden steht das vor der italienischen Insel Giglio havarierte Kreuzfahrtschiff wieder aufrecht. Für Unglückskapitän Francesco Schettino geht der Prozess am Montag in die heisse Phase.

Rund 19 Stunden nach Beginn der Bergungsaktion ist das vor der italienischen Insel Giglio havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia wieder aufgerichtet. Das erklärten die verantwortlichen Ingenieure zunächst am frühen Dienstagmorgen. Die schwierige Operation zur Bergung des Kreuzfahrtschiffes sei abgeschlossen, teilte daraufhin Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli auf Giglio mit, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

«Besser hätte es nicht laufen können. Wir haben die Parbuckling-Operation abgeschlossen - so wie wir es gedacht hatten und so wie wir es gehofft hatten», sagte Franco Porcellacchia, Projektmanager der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, der die Costa Concordia gehört.

Gefährliche Aktion

Parbuckling ist das Standardverfahren, mit dem gekenterte Schiffe wieder aufgerichtet werden. Bislang wurde es jedoch nie für so grosse Schiffe wie die Costa Concordia angewendet. Es sei eine perfekte Operation gewesen, sagte Porcellacchia. Messungen hätten bislang zudem keine Hinweise darauf ergeben, dass dabei umweltschädliche Substanzen aus dem Wrack ins Meer gelangt seien. Das Aufrichten galt als einzigartige Aktion mit dem Risiko, dass die Costa Concordia auseinanderbrechen könnte.

Am Montag und in der Nacht auf Dienstag hatte das Bergungsteam mit einem hydraulischen System die im Januar 2012 gekenterte Costa Concordia aufgerichtet. Der Kreuzfahrtriese musste aus seiner eingekeilten Lage zwischen zwei Felsen befreit und um insgesamt 65 Grad gedreht werden.

Auf die Bergungskräfte wartet noch viel Arbeit

Eine erste Inspektion nach der Aufrichtung habe ein «ziemlich schlechtes Bild» von der Seite ergeben, die die gesamte Zeit im Wasser gelegen hatte, sagte Porcellacchia. Auf die Bergungskräfte wartet nun eine Menge Arbeit, um das Schiff weiter zu stabilisieren und halbwegs seefest zu machen. Im Frühjahr soll es dann von Giglio weggeschleppt und anschliessend verschrottet werden.

Das 290 Meter lange Schiff ist so hoch wie ein elfstöckiges Hochhaus. Nie zuvor wurde ein so grosses Passagierschiff geborgen. Es ist die bisher teuerste Bergung eines Schiffswracks, die Kosten werden auf mehr als 600 Millionen Euro geschätzt.

Zwei der 32 Todesopfer immer noch vermisst

Die Costa Concordia war im Januar 2012 vor der Insel auf einen Felsen aufgelaufen und gekentert, 32 Menschen starben bei dem Unglück. Zwei Leichen wurden noch nicht geborgen und auch am Montag und Dienstag zunächst nicht gefunden. Die Bergungsteams hoffen, sie nun ausfindig zu machen.

Bei der Evakuierung in der Januarnacht war es zu chaotischen Szenen sowie zahlreichen Problemen und Verzögerungen gekommen. Der Kapitän Francesco Schettino muss sich zurzeit vor einem Gericht im toskanischen Grosseto wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der Prozess gegen den 52-Jährigen wird am kommenden Montag fortgesetzt. Über seinen Anwalt liess er ausrichten, dass er die gelungene Bergungsaktion nicht kommentieren wolle.

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