Exklusive Spitalräume: Die Dachterrasse gibt es nur für Privatpatienten
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Exklusive SpitalräumeDie Dachterrasse gibt es nur für Privatpatienten

Spitäler haben vermehrt Exklusivräume nur für Privatversicherte. Die Krankenkassen wollen so die teuren Prämien rechtfertigen.

von
Dominic Benz
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Die Zweiklassengesellschaft unter den Versicherten wird in Spitälern immer sichtbarer.

Die Zweiklassengesellschaft unter den Versicherten wird in Spitälern immer sichtbarer.

Keystone/Gaetan Bally
So wirbt die Urologie-Klinik Uroviva in Bülach für exklusive Räume nur für Halbprivat- und Privatversicherte. «Geniessen Sie bei schönem Wetter unserer Dachterrasse im 4. OG», heisst es etwa auf einem Infoblatt, das in der Klinik aufliegt. Für Allgemeinversicherte heisst es daher: kein Zutritt.

So wirbt die Urologie-Klinik Uroviva in Bülach für exklusive Räume nur für Halbprivat- und Privatversicherte. «Geniessen Sie bei schönem Wetter unserer Dachterrasse im 4. OG», heisst es etwa auf einem Infoblatt, das in der Klinik aufliegt. Für Allgemeinversicherte heisst es daher: kein Zutritt.

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Mittlerweile bieten viele Schweizer Spitäler exklusive Räume an. Auch die Klinik Hirslanden in Zürich hat einen separaten Aufenthaltsraum für Privatversicherte.

Mittlerweile bieten viele Schweizer Spitäler exklusive Räume an. Auch die Klinik Hirslanden in Zürich hat einen separaten Aufenthaltsraum für Privatversicherte.

Keystone/Alessandro Della Bella

Schöggeli zur Begrüssung, grosses Einzelzimmer, gratis Zeitschriften aus aller Welt – Privatpatienten geniessen bei einem Spitalaufenthalt etliche Privilegien. Entsprechend zahlen sie viel mehr Krankenkassenprämie als die Allgemeinversicherten.

Die Zweiklassengesellschaft unter den Versicherten wird in den Spitälern immer sichtbarer. «Geniessen Sie bei schönem Wetter unsere Dachterrasse im 4. OG», heisst es etwa auf einem Infoblatt der Urologie-Klinik Uroviva in Bülach. Das Angebot gilt nur für Halbprivat- und Privatpatienten. Für Allgemeinversicherte heisst es daher: kein Zutritt.

Krankenkassen fordern Unterschiede

Neben der Dachterrasse hat Uroviva zudem eine Lounge mit Restaurantbetrieb. Auch einen Parkplatz in der Tiefgarage gibts nur für Privatpatienten. Mittlerweile bieten viele Schweizer Spitäler exklusive Räume an. Auch die Klinik Hirslanden in Zürich hat einen separaten Aufenthaltsraum für Besserversicherte.

Roger Gablinger, Urologe und Mitinhaber von Uroviva, bestätigt, dass man im Bereich Hotellerie Unterschiede mache. Privilegien wie etwa exklusive Räume würden die Krankenkassen verlangen. «Die Versicherungen wollen Verkaufsargumente für ihre Zusatzleistungen», sagt Gablinger zu 20 Minuten. Mache man als Spital daher keine solchen Unterschiede, würden die Krankenkassen allenfalls die Verträge für Zusatzversicherungen mit dem Spital auflösen.

Spitäler brauchen Privatversicherte

Für die Forderungen der Krankenkassen hat Gablinger Verständnis. Auch die Spitäler seien auf Patienten mit Zusatzversicherung angewiesen. «Ein Spital nur mit Allgemeinversicherten ist defizitär und kann langfristig nicht überleben.» Daher lege man grossen Wert auf solche Privilegien für Privatpatienten. «Wir leben diese Unterschiede und stehen dazu», so Gablinger. Er betont, dass die medizinische Betreuung bei allen Patienten aber immer die gleiche sei.

Gesundheitsökonom Willy Oggier sieht in den Exklusivräumen den Versuch, dem Privatpatienten etwas Zusätzliches zu bieten, weil er auch mehr Prämie bezahlt. «Grundsätzlich ist daran nichts auszusetzen, sofern die Medizin stimmt. Denn dafür geht man in erster Linie ins Spital», so Oggier auf Anfrage.

Ideenlose Krankenkassen

Laut des Experten sind die Krankenkassen in der Entwicklung neuer Zusatzversicherungsprodukte oft wenig innovativ. Dennoch müssten die Versicherungen den Kunden erklären können, warum die Privatversicherungen so viel kosten würden. «Das Einfachste ist in der Regel oft, von den Spitälern mehr Hotellerie zu verlangen. Denn Versicherer können die Hotellerie leichter beurteilen als die medizinische Qualität», sagt Oggier. Die Spitäler würden darauf entsprechend reagieren.

Der Krankenkassenverband Santésuisse betont, dass man sich grundsätzlich dafür einsetze, dass alle Versicherten qualitativ hochstehende medizinische Leistungen erhalten. «Werden in der Hotellerie darüber hinaus Angebote genutzt, darf das natürlich nicht zulasten von Prämiengeldern gehen», teilt ein Sprecher mit.

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