Bundestagswahl 2017: «Die Demokratie hat ein Männerproblem»
Aktualisiert

Bundestagswahl 2017«Die Demokratie hat ein Männerproblem»

Katerstimmung in der Berliner SPD-Wahlzentrale. Und mittendrin der Schweizer SP-Politiker und Ex-Botschafter Tim Guldimann. Ihn freut etwas ungemein.

von
gux
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AfD-Wähler feiern in Erfurt: Rückt Deutschland jetzt nach rechts? Die Rechtspopulisten ziehen mit einem starken Ergebnis neu in den Bundestag ein.

AfD-Wähler feiern in Erfurt: Rückt Deutschland jetzt nach rechts? Die Rechtspopulisten ziehen mit einem starken Ergebnis neu in den Bundestag ein.

AFP/Martin Schutt
Bundeskanzlerin Merkel hat den Einzug der AfD in den Bundestag als «grosse Aufgabe» bezeichnet. Sie wolle die Wähler der AfD zurückgewinnen, sagte Merkel in der CDU-Parteizentrale in Berlin. Die Union habe auf ein besseres Ergebnis gehofft als die erzielten rund 33 Prozent, räumte Merkel ein, betonte aber gleichzeitig: «Wir haben einen Auftrag eine Regierung zu bilden.»

Bundeskanzlerin Merkel hat den Einzug der AfD in den Bundestag als «grosse Aufgabe» bezeichnet. Sie wolle die Wähler der AfD zurückgewinnen, sagte Merkel in der CDU-Parteizentrale in Berlin. Die Union habe auf ein besseres Ergebnis gehofft als die erzielten rund 33 Prozent, räumte Merkel ein, betonte aber gleichzeitig: «Wir haben einen Auftrag eine Regierung zu bilden.»

AFP/odd Andersen
Linke-Chefin Sahra Wagenknecht zieht Bilanz: Man hätte sich im deutschen Wahlkampf mehr der Flüchtlingsthematik widmen müssen. «Am Ende hat man dann der AfD überlassen, bestimmte Dinge anzusprechen, von denen die Menschen einfach erleben, dass sie so sind.»

Linke-Chefin Sahra Wagenknecht zieht Bilanz: Man hätte sich im deutschen Wahlkampf mehr der Flüchtlingsthematik widmen müssen. «Am Ende hat man dann der AfD überlassen, bestimmte Dinge anzusprechen, von denen die Menschen einfach erleben, dass sie so sind.»

epa/Armando Babani

Statt einer Zusammenfassung zur Wahl, hat 20 Minuten Tim Guldimann* in der SPD-Zentrale in Berlin für eine abschliessende Einschätzung angemorst, inmitten Katerstimmung.

Herr Guldimann, eine historische Niederlage für die SPD. Sind Sie in der SPD-Parteizentrale in Berlin den Tränen nahe?

Nein, nicht wirklich. Die Stimmung hier in der SPD-Parteizentrale ist zwar sehr gedämpft, doch man hat es kommen sehen.

Tröstet Sie denn der Einbruch der Union etwas?

Sagen wir so: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Die Union hat rund einen Viertel der Wähler, die SPD etwa einen Fünftel verloren. Für beide Parteien gilt so: Das war ein Verdikt gegen die etablierten Parteien.

Wie erklären Sie sich den AfD-Erfolg?

Dieses Resultat von über 13 Prozent der Stimmen zeigt, dass hier kein Kampf zwischen links und rechts stattfand, sondern einer von unten gegen oben. Diese «unten-hoch-Betroffenheit» hat viele Neuwähler mobilisiert – und es ist grundsätzlich gut, dass so der demokratische Wille zum Ausdruck kommt.

Auch wenn es etwas früh ist: Wer hat der AfD zum Sieg primär verholfen?

Sehr viele Männer, wie es scheint. In Ostdeutschland wählte offenbar jeder vierte Mann die AfD! Hier hat die Demokratie ein Männerproblem.

Was verändert der Sieg der AfD jetzt auf der grossen deutsche Politbühne?

Im Bundestag wird man jetzt mit der AfD reden, ihr dabei aber auch Grenzen aufzeigen müssen. Vor allem muss der Wille des Volkes respektiert werden.

Die SPD will in Opposition treten und keine Grosse Koalition mehr bilden. Was halten Sie davon?

Das freut mich ungemein. Denn zählt man die Resultate der vier kleinen Parteien zusammen, kommt man auf etwa 42 Prozent – ein starkes Votum gegen die Grosse Koalition. Jetzt hoffe ich auf eine Jamaika-Koalition von Union, Grünen und FDP.

* Tim Guldimann ist Schweizer SP-Nationalrat, aber auch SPD-Mitglied. Der 67-Jährige wohnt in Berlin, wo er von 2010 bis 2015 Schweizer Botschafter.

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