Die Deutschen kommen
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Die Deutschen kommen

Sie wandern derzeit zu Tausenden in die Schweiz ein. Auf der Suche nach einem neuen Leben - und nach Arbeit. Über 160 000 Deutsche leben mittlerweile in der Schweiz.

«Was mach ich eigentlich in einem Land, wo mich keiner leiden kann?» Das fragte sich Oliver Ackermann im DOK-Film «Die Deutschen kommen» im Schweizer Fernsehen. Ackermann ist Deutscher und lebt seit drei Jahren in der Schweiz.

Als er während der WM in einem Deutschland-T-Shirt auf der Arbeit auftauchte, «schauten mich die Leute an, als wäre ich von einem anderen Stern.» Während es als normal gegolten habe, Fahnen aller Herren Ländern an den Häusern flattern zu sehen, trauten sich offenbar wenige Deutsche, ihre Nationalität kundzutun. Warum eigentlich?

«Wenn es noch mehr gibt, müsste ich Hochdeutsch sprechen», lautet die Einschätzung einer Befragten. Andere bemängeln das «draufgängerische Wesen» der Nachbarn. Der Hauptkritikpunkt ist aber: Deutsche gelten als arrogant. So pauschal der Vorwurf ist, er ist tief in den Schweizer Köpfen verankert. Auch die Verknüpfung zu den Nazigräueln ist auch nach Jahrzehnten noch präsent.

Die Lieblingsstadt der Deutschen ist zweifellos Zürich. Rund 110 000 Ausländerinnen und Ausländer aus 165 Nationen haben Ende 2005 in der Stadt gewohnt. Die Deutschen haben die Italiener als grösste Ausländergruppe abgelöst. Rund 19 300 lebten Ende 2005 in der grössten Stadt der Schweiz. Damit kommt jeder 20. Zürcher Einwohner aus Deutschland. Insgesamt leben derzeit rund 162 000 Deutsche in der Schweiz. Das entspricht rund 11 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung.

Der Hauptgrund für deutsche Auswanderer ist aber nicht die schöne Landschaft - sondern die Arbeitsplätze. Die Stellenknappheit in Deutschland treibt immer mehr Arbeitnehmer in die Schweiz. Während in Deutschland zirka 9,5 aller erwerbsfähigen Personen ohne Arbeitsstelle sind, zählt die Schweiz lediglich etwas mehr als 4 Prozent Arbeitslose.

Auffallend ist, dass immer mehr Deutsche an Schweizer Spitälern als Ärzte praktizieren. Im Berner Inselspital beispielsweise stammen 281 der derzeit 982 Ärzte und Ärztinnen aus Deutschland, wie es auf Anfrage heisst. Das entspricht einem Anteil von rund 29 Prozent. Kamen in früheren Jahren fast nur Akademiker oder Studenten aus Deutschland sind es heute auch Handwerker und Angestellte. Dieses neue Phänomen nahm mit dem Inkrafttreten der Bilateralen I im Jahr 2004 stark zu.

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