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Die Deutschen sind die besseren Schweizer

Keine andere Ausländergruppe hat in der letzten Zeit so stark zugenommen wie die Deutschen. Und allen Unkenrufen und Zeitungskampagnen zum Trotz: Der Zustrom aus dem Norden tut der Schweiz gut.

Da, wie einst, mit rassistischen Kampagnen gegen Tamilen in Lederjacken kein Staat mehr gemacht werden kann oder darf, werden zurzeit im «Blick» die hässlichen Neuzuzüger aus dem Norden als Quotenbringer vorgeführt. Doch während die Zeitungs-Macher in ihrer Kampagne wissen wollen, «wieviele Deutsche die Schweiz verträgt» (- bis das Boot voll ist?), sprechen die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS) eine deutliche Sprache: Aus wirtschaftlichen Gründen gesehen kann es gar nicht genug teutonische Einwanderer geben. Denn die stehen in vielen Bereichen eindeutig besser da als ihre Gastgeber.

Mehr Vorgesetzte: Von den 103'000 deutschen Arbeitnehmern in der Schweiz arbeiten nicht weniger als 42,7 Prozent in einer Vorgesetzten-Position. Bei den Schweizern sind dies nur 31,1 Prozent.

Bessere Ausbildung: Die Deutschen bringen einen guten Schulsack mit: Zwei Fünftel von ihnen (40,3%) verfügen über eine höhere Schulbildung; von den Einheimischen sind das nur gerade 15,9 Prozent.

Grösserer Arbeitseifer: Fleissig sind die Teutonen ebenfalls - drei Viertel der erwerbstätigen Deutschen in der Schweiz (74,8%) arbeiten Vollzeit; die Schweizer bringen es auf 65,4 Prozent.

Viele Selbständige: Jeder zehnte erwerbstätige Deutsche in der Schweiz ist selbständig (10,7%).

Wenige Arbeitslose: Nur bei der Erwerbslosenquote haben die Eidgenossen die Nase vorn, wenn auch auf tiefem Niveau: Von den Schweizern sind 1,5 Prozent erwerbslos, von den Deutschen immerhin 1,9 Prozent.

Kein Wunder also macht der Zustrom aus dem Norden vielen Angst. Die gut qualifizierten deutschen Arbeitskräfte - allein 2006 nahm ihre Zahl um gut zehn Prozent zu - könnten uns die Arbeit wegnehmen. Das ist aber nicht der Fall.

Schweizer Wirtschaft auf Ausländer angewiesen

Das SECO, das die Entwicklung von Amtes wegen im Auge behält, gibt Entwarnung: Die Schweizer Wirtschaft brummt, «weil Schweizer Firmen relativ unbürokratisch ausländische Arbeitnehmer einstellen können», wie SECO-Pressesprecherin Rita Baldegger gegenüber 20Minuten.ch betont. Gut qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland - und das sind die Deutschen - bringen die Konjunktur auf Touren. Und Lohndumping werde, so Baldegger, durch die flankierenden Massnahmen verhindert.

Als erste geistige flankierende Massnahme bleibt Schweizern und Deutschen gleichermassen also nur, die Kampagne des «Blick» als das zu nehmen, was sie ist: Ein selbst gemachter Aufreger einer Zeitung, die alte rassistische Rezepte zur Quotensteigerung aus dem Mottenschrank hervorgekramt hat.

Daniel Huber, Hansi Voigt

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