Missbrauch im Knast: «Die Direktion hat zu wenig durchgegriffen»
Aktualisiert

Missbrauch im Knast«Die Direktion hat zu wenig durchgegriffen»

Drogen, Handys, Prostituierte - in der Strafanstalt Schöngrün geht es drunter und drüber. Dem Direktor steht das Wasser bis zum Hals. Nicht etwa wegen der Drogen, sondern weil er nicht durchgriff. Aber auch andere Strafanstalten haben ihre Probleme.

von
Amir Mustedanagic

Direktor Peter Fäh steht unter Beschuss. Seit bekannt wurde, dass in seinem Gefängnis Drogen, Prostituierte und Handys zum Alltag gehören, sind Politiker von rechts bis links empört. Ob es tatsächlich zu sexuellen Handlungen zwischen dem 14-jährigen Mädchen und zwei Gefängnisinsassen gekommen ist, wird derzeit abgeklärt (20 Minuten Online berichtete). Klar ist hingegen: Die Häftlinge verfügten über einen Schlüssel, verkehrten mit Prostituierten, schleusten ein Kind ein und konsumierten Drogen.

«Eine Anstalt ohne Drogen ist unmöglich»

Zumindest in einem Punkt steht der Direktor aber nicht alleine da: Auch in anderen Strafanstalten kämpft man gegen den Drogenkonsum und den Schmuggel. Obwohl die Strafanstalt Lenzburg über einen eigenen Drogenhund verfügt, eine Handy-Störanlage installiert hat, bei sämtlichen Besuchern Leibesvisitationen vornimmt und die Zellen der Insassen 10 bis 20 mal jährlich systematisch durchsucht werden, stellt man immer wieder Drogen sicher. Im Jahr 2006/2007 waren es vier Gramm Kokain und rund 150 Gramm Cannabis.

Andreas Naegelin, Direktor der Luzerner Strafanstalt Wauwilermoos, einer mit Schöngrün vergleichbaren Anstalt, sagt: «Wir tun alles, um die Drogen fernzuhalten. Aber es ist schlichtweg unmöglich.» Im Wauwilermoos werden jährlich bis zu 5 Gramm Kokain und Heroin sowie gegen 150 Gramm Cannabis aufgespürt – obwohl auch hier die Kontrollen streng seien.

FDP: «Irgendetwas ist an diesem Fall faul»

Für die Solothurner Politiker ist diese Tatsache aber auch wenig überraschend. Stein des Anstosses ist für sie vielmehr das Ausmass: «Ich habe das schlechte Gefühl, dass die Direktion zu wenig durchgegriffen hat», sagt SP-Kantonsrat Markus Schneider. Mit diesem Vorwurf steht er nicht alleine da. «Irgendetwas ist an diesem Fall faul», sagt FDP-Fraktionschef Claude Belart. Drogen, Prostituierte und dann noch dieses Mädchen – so etwas dürfe einfach nicht passieren. Für Belart gibt es deshalb jetzt nur zwei mögliche Massnahmen: «Den Rücktritt von Peter Fäh und die Untersuchung der Angelegenheit durch eine parlamentarische Kommission.» Unterstützung ist ihm im Kantonsparlament sicher.

SVP-Kantonalpräsident Heinz Müller verlangte bereits am Wochenende gegenüber Medien den Kopf von Fäh mit den markigen Worten: «Freistellen ohne Entschädigung – der Direktor hat seinen Job nicht begriffen und ist deshalb unbrauchbar.» Zuerst mehr Klarheit will die CVP, wie Fraktionschef Roland Heim sagt. «Die bisherigen Äusserungen der Regierung sind unzureichend und der Sachverhalt immer noch unklar.» Es gelte deshalb am Donnerstag an der Sitzung der Justizkommission die Karten auf den Tisch zu legen und Transparenz zu schaffen. «Anschliessend kann man auch über die nötigen Konsequenzen diskutieren - personell wie administrativ», so Heim.

Verantwortliche schweigen

In Schweigen hüllten sich die Verantwortlichen der Strafanstalt Schöngrün. Weder die Direktion noch der zuständige Regierungsrat wollten sich zum Fall äussern. Sie verwiesen auf die eingeleitete Administrativuntersuchung. Diese werde das Sicherheitsdispositiv und die Organisation der Strafanstalt sowie das Führungsverhalten von Direktor Peter Fäh überprüfen, dann wisse man mehr.

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