Margarita Chli: Die Dirigentin der Drohnen
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Margarita ChliDie Dirigentin der Drohnen

Eine ETH- Forscherin bringt Drohnen bei, was auch Menschen manchmal schwerfällt: Mit anderen zusammenzuarbeiten.

von
Stéphane Praz
Umschwärmt von Flugrobotern: ETH-Informatikerin Margarita Chli.

Umschwärmt von Flugrobotern: ETH-Informatikerin Margarita Chli.

Die Drohnen der Zukunft sind kaum grösser als Kinderspielzeug – zumindest, wenn es nach Margarita Chli geht. Die Informatikerin und ihr Team von der ETH Zürich forschen auf einem der vielversprechendsten Gebiete der Robotik: der autonomen Zusammenarbeit mehrerer Drohnen, sogenannter Drohnenschwärme.

Solche Verbünde stellen hohe Anforderungen an das Flugverhalten, die Navigation und die Kommunikation der Maschinen untereinander. Doch: «Wenn alle intelligent kooperieren, erreichen sie mehr als die Summe der einzelnen Teile», sagt Chli. So könnten Drohnenschwärme etwa Katastrophengebiete wie in Fukushima selbständig absuchen. Oder Industrieanlagen systematisch auf Materialrisse überprüfen und bei Bedarf sogar selbständig reparieren. Das ist bisher ohne menschliche Koordination nicht möglich.

Koordination wie in einem Orchester

Deshalb entwickeln Chli und ihre Mitarbeiter derzeit ein System, mit dem sich Drohnen in unbekanntem Terrain eigenständig orientieren können. Dabei zeichnen sie gleichzeitig das Gelände als dreidimensionale Karte auf. Völlig autonom und ohne GPS, nur mit Hilfe einer Kamera.

Das System funktioniert bereits, allerdings noch unzuverlässig. Denn die Koordination der Drohnen ist noch schwierig. Doch am Ende werde man im Schwarm viel erreichen, ist Chli überzeugt. Das gelte für Drohnen ebenso wie für Musiker, sagt sie, die privat in einem Orchester spielt. Auch in der Forschung vernetzt sie sich mit anderen Wissenschaftlern, wo immer möglich. Vielleicht ist es diese Bereitschaft zur Zusammenarbeit, welche Chli schon weit voran gebracht hat: Kürzlich trat sie ihre Stelle als Professorin an der ETH Zürich an – mit gerade einmal 31 Jahren.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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