Untreue Promis: Die Diskretion ging mit den Liebesbriefen

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Untreue PromisDie Diskretion ging mit den Liebesbriefen

Zahlreiche Promi-Affären flogen in den letzten Monaten aufgrund elektronischer Liebesbotschaften auf. Ist die «Löschen»-Taste in der Glamour-Welt unbekannt?

von
obi

Bei Bill Clinton bedurfte es noch eines Samenflecks auf einem blauen Kleid, um ihn der Untreue zu überführen. Bei Tiger Woods, Jesse James oder Ashley Cole waren keine DNA-Analysen notwendig. Bei ihnen genügten Auszüge aus der elektronischen Korrespondenz mit ihren jeweiligen Liebhaberinnen. «Du bist meine F***-Hure», schrieb zum Beispiel Tiger Woods an seine herzallerliebste Josyln James. Mehr Beweise brauchte Elin Nordegren nicht.

Ob es genau diese SMS war, die in jener Novembernacht von Woods' Ehefrau gelesen wurde, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall war die Lektüre überzeugend genug, um Frau nach Eisen neun greifen zu lassen und ihren Göttergatten damit aus dem Haus zu jagen.

Erstaunlich an der Sache ist, dass ausgerechnet Tiger Woods, ein Mann, dem Diskretion über alles ging, der seine Familie und Privatsphäre akribisch von der Aussenwelt abschottete, frisch von der Leber weg schlüpfrige SMS in den Äther sandte. Dabei vergass er unerklärlicherweise, die kompromittierenden Botschaften von seinem Handy zu löschen. Dass seine Adressaten die Liebes- und Lusttexte des berühmtesten Golfers der Welt niemals löschen würden, war eigentlich auch abzusehen.

Schnüffeln ist weiblich

Ebenso Jesse James, ein Motorrad-Tüftler, der 2005 Filmstar Sandra Bullock heiratete. «Er hält mir den Rücken frei», flötete Bullock ihren Ehemann in ihrer Oscar-Dankesrede am 7. März 2010 an. «Wo wir gerade vom 'Lecken' sprechen – brauchst du es?», textete James laut «Stern» an Michelle 'Bombshell' McGee.

«Aus Versehen», so das US-Magazin «Star», habe Sandra Bullock auf dem Laptop ihres Ehemanns dann noch weiteres «schockierendes Material» entdeckt – womit die Umfragestatistik, wonach viel mehr Frauen SMS und E-Mails ihrer Ehepartner durchforsten, als umgekehrt, unterstützt wird.

Auch Hollywood-Star Jennifer Love Hewitt kam ihrem betrügerischen Ehemann wegen ungelöschten E-Mails auf die Schliche: «Ich wusste – ich hatte jedenfalls so ein Bauchgefühl -, dass da irgendwas lief. Deshalb schaute ich in seinen E-Mails nach», erzählte die Schauspielerin Ende Mai 2010 in der ABC-Talkshow «The View», «ich bin sehr froh, dass ich es gemacht habe – und würde es auch wieder tun.»

Dass Frauen schnüffelfreudiger als Männer sind, gilt also als gesetzt. Weshalb also schmeissen die Herren der Schöpfung bei der elektronischen Korrespondenz alle Diskretionsbedenken über Bord – obwohl sie doch Elektronik-affiner als Frauen sein sollen?

Um Stunden verlängertes Vorspiel

Die Antwort liegt wohl in der Natur der SMS-Korrespondenz. Musste man sich bei einem handgeschriebenen Liebesbrief die Satzformulierungen vor der Niederschrift überlegen, gleicht ein hastig geschriebenes Mail schnell mal einem Gespräch. Ein SMS wiederum ist auf Bartresen-Spruch-Niveau - allerdings aus dem Schutz der Distanz.

«Es ist tatsächlich eine andere Dimension der sexuellen Interaktion», so Sexualtherapeut Bruno Wermuth, «SMS und E-Mail ermöglichen, es in Echtzeit und aus einer Laune heraus Mitteilungen zu machen, die man jemandem vis-à-vis so nicht machen würde. Aus der Distanz geschieht eine Entgrenzung, da die unmittelbare Reaktion des Gegenübers fehlt. Und bei bereits etablierten Sexualpartnern ist der SMS-Flirt ein zusätzlicher Kick, ohne dass sich beide begegnen müssen. So wird das Vorspiel um Stunden verlängert.»

«Ich werde dich bald durchnudeln», hätte Tiger Woods der Kellnerin Jamie Grubbs noch hundertmal sagen können – doch aufgrund mangelnder gemeinsamer Zeit zu zweit musste es per SMS geschehen. In der Hitze seiner Brunft vergass der besonnene Herr Woods offenbar, dass der Spruch nach dem Absenden weiterhin fortbestand – als elektronischer Text. Am 2. Dezember 2009 war es dann soweit: Jamie Grubbs lud Pressefotografen zu sich ein und streckte ihnen ihr iPhone mit den schlüpfrigen Tiger-Sprüchen zu.

So überzeugend ist die Illusion von Intimität beim SMS-Verkehr, dass sie sehr wohl auch für Botschaften rege genutzt wird, die eigentlich einer Ansage von Angesicht zu Angesicht bedürften. Boris Becker soll ab und an eine Beziehung per SMS beendet haben. Umgekehrt soll Sandy Meyer-Wölden an den Ex-Tennisstar getextet haben: «Entweder du meldest dich – oder es ist vorbei.»

Kurz und knapp: Raus!

Das englische Popsternchen Cheryl Cole - seit kurzem auch wieder solo - hatte wohl auch einige elektronische Beweise für die Untreue ihres Mannes gefunden. Konsequenterweise beendete sie ihre Ehe mit Fussballstar Ashley Cole mit einem knappen «Zieh aus. Es ist vorbei.»

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