Zürich: «Die Drohung war nur ein provokativer Witz»
Aktualisiert

Zürich«Die Drohung war nur ein provokativer Witz»

Der Stadtzürcher SVP-Gemeinderat Mario Babini sass 101 Tage in U-Haft, nachdem er in der Bederbar einen Gast bedroht hatte. Im Interview erzählt er, wie es ihm erging.

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blu
Mit einer Waffe in dieser Grösse soll SVP-Gemeinderat Mario Babini Gäste der Bederbar in Zürich-Enge bedroht haben.

Mit einer Waffe in dieser Grösse soll SVP-Gemeinderat Mario Babini Gäste der Bederbar in Zürich-Enge bedroht haben.

Herr Babini, am Donnerstag wurden Sie nach 101 Tagen U-Haft entlassen. Wie haben Sie Ihre ersten Tage in Freiheit erlebt?

Hervorragend. Ich musste mich zuerst wieder daran gewöhnen, dass ich weiter als drei Meter gehen kann. Als erstes habe ich eine warme Dusche genommen. Das darf man im Knast ja nur alle drei Tage.

Sie waren so lange in Haft, weil Sie in der Bederbar einen Gast bedroht hatten.

Aus meiner Sicht handelte es sich wirklich nur um einen verbalen Ausrutscher meinerseits, der offensichtlich total missverstanden wurde. Ich war Ende Juni in der Bederbar und habe mich bei einem Drink mit einem Pärchen locker unterhalten. Plötzlich kam der Wirt auf mich zu und behauptete, dass ich die Gäste belästigt habe und sprach mir ein Hausverbot aus. Ich dachte mir, der ist ja wohl nicht mehr ganz dicht und habe schützend die Hände hochgehalten, als er mich anschrie. Jetzt behauptet dieser, ich hätte mit Fäusten auf ihn eingeschlagen.

Und dann?

Ich ging hinaus, um meine Zigarre fertig zu rauchen. Da beschwerte sich ein Gast wegen des Rauchs, der durch die offene Türe in die Bar zog. Ich habe geantwortet, dass ich auf dem Trottoir rauchen darf, solange ich will. Auf einmal rannte der aus dem Lokal hinaus auf mich zu. Ich rannte weg und klappte mein Multifunktions-Werkzeug auf, das etwa so gross ist wie ein Schlüssel. Ich drohte ihm, dass ich ihm damit potentiell auch die Kehle aufschlitzen könnte. Es kam zu Tritten und ich lief wieder davon, um die Polizei zu rufen. Diese kam aber nicht, sondern verhaftete mich später in meinem Haus.

Und dann mussten Sie gleich so lange in Haft bleiben?

Das ist mir auch unverständlich, schliesslich war die Drohung für mich ein provokativer Witz. Als die Polizisten an diesem Abend in mein Haus kamen, wollten sie wissen, ob ich Waffen habe. Ich sagte, ich hätte ein Sturmgewehr 57. Im weiteren fragte ich die Typen, ob sie denn allenfalls einen Hausdurchsuchungsbefehl hätten. Den brauchten sie nicht, war die Antwort. Als sie dann mein Samurai-Schwert und eine Axt entdeckten, die ich für die Gartenarbeit brauche, nahmen sie mich gleich mit auf den Posten und liessen mich nicht mehr gehen.

Wie haben Sie die Zeit in Haft erlebt?

Man hat mir alles weggenommen. Handy, Rolex, Portemonnaie. Dann war ich 23 von 24 Stunden alleine in einer Zelle. Es braucht ein robustes Nervenkostüm, damit man das ohne Schaden überlebt. Für mich als Extremalpinist war es kein Problem. Meine Erlebnisse verarbeitete ich zudem in einem Buch.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Meine Familie, meine Kinder aus erster Ehe waren schockiert. Das Telefon lief bei denen Sturm, es war für sie extrem mühsam. Meine jetzige Frau, die in Thailand lebt, hatte zudem keine Ahnung, wo ich stecke und machte sich extreme Sorgen, was denn passiert sei.

Wollen Sie weiterhin Gemeinderat bleiben?

Tatsächlich verlangte die Parteileitung meinen freiwilligen Rücktritt aus der Fraktion. Den habe ich allerdings verweigert, solange gar nichts klar ist. Die sollten mal abwarten, bis ich endlich meine Darstellung zum Vorfall abgeben kann. Zudem hat mich das Volk gewählt, nicht die SVP.

Wie geht es für Sie beruflich weiter?

Mit einem Partner zusammen betreibe ich weiterhin eine Vermögensverwaltungsfirma. Kunden habe ich zum Glück wegen der Geschichte keine verloren. Das sind alles Kollegen und Bekannte. Der grösste Ärger ist natürlich momentan für mich das fehlende Einkommen der letzten drei Monate und all die gesperrten Kreditkarten.

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