Aktualisiert 01.10.2010 22:04

Chinesen im All

Die Energie der Zukunft liegt auf dem Mond

Chinas ehrgeizige Mondmissionen zielen auf die Rohstoffe, insbesondere Helium 3. Das seltene Isotop soll dereinst die Kernfusion antreiben.

von
Andreas Landwehr, dpa
Chinas Raumfahrtprogramm startet in die Zukunft. Eine Rakete des Typs «Langer Marsch 3C» startet vom Raumfahrtzentrum Xichang.

Chinas Raumfahrtprogramm startet in die Zukunft. Eine Rakete des Typs «Langer Marsch 3C» startet vom Raumfahrtzentrum Xichang.

Abbau von Bodenschätzen auf dem Mond. Klingt wie Science-Fiction - doch die kommunistischen Führer Chinas denken sehr langfristig. Eine Rakete vom Typ «Langer Marsch 3C» brachte am Freitag die zweite chinesische Mondsonde auf den Weg zum Mond. Problemlos startete «Chang'e 2» vom Raumfahrtbahnhof in Xichang in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Mit dem Beginn der neuen Mondmission beging die aufstrebende asiatische Wirtschaftsnation am Freitag den 61. Gründungstag der Volksrepublik.

Die Sonde ist nach der chinesischen Mondgöttin «Chang'e» benannt, die nach einer Legende auf dem Erdtrabanten wohnt.

Mondlandung geplant

Im Mittelpunkt des Mondfluges stehen wissenschaftliche Experimente und die Vorbereitung der Landung eines unbemannten Raumschiffes bis Ende 2013 in der «Bucht der Regenbogen». «Chang'e 2» ist technologisch fortschrittlicher als das Vorgängermodell, das 16 Monate lang den Mond umkreist hatte, bevor es im März 2009 auf seiner Oberfläche zerschellte. Die neue Sonde wird auch schneller fliegen und für die Reise zum Mond nur noch 5 statt 13 Tage brauchen.

Aus einer Umlaufbahn in rund 100 Kilometer Höhe wird «Chang'e 2» mit einer fortschrittlicheren, hochauflösende Kamera Bilder von der Mondoberfläche machen, um Karten zu erstellen.

Von Aluminium über Helium 3 bis Thorium

Das bevölkerungsreichste Land der Erde will im Wettlauf der Raumfahrtnationen um potenzielle Rohstoffe auf dem Mond mitmischen. Chinas Forscher studieren aufmerksam die bisher gelieferten Daten über chemische Elemente und Mineralien an der Mondoberfläche.

Es geht um Stoffe wie Uran, Thorium, Kalium, Aluminium, Silizium, Eisen und Titan. Besonders interessant ist auch Helium 3, wie der Chef des Mondprogramms, Ouyang Ziyuan, immer hervorhebt. Helium 3 gilt als möglicher Brennstoff für künftige Kernfusionskraftwerke, an denen heute auch mit chinesischer Beteiligung geforscht wird.

Brennstoff für die Kernfusion?

Während es nach Schätzungen nur 15 Tonnen des Isotops auf der Erde gibt, soll der Mond einige Millionen Tonnen besitzen. «Da fossile Brennstoffe auf der Erde in einem Jahrhundert oder früher erschöpft sein werden, müssen wir alternative Energiequellen finden», zitierten staatliche chinesische Medien den Programmleiter Ouyang Ziyuan.

«Kernfusion ist eine wichtige Option.» Der Mond könnte die Energieerzeugung auf der Erde fundamental ändern und zu einem «grossen Schatz für die Entwicklung der Menschheit werden». Im Jahr 2017 soll erstmals eine chinesische Mondsonde Gesteinsproben zur Erde bringen.

Eigene Weltraumstation geplant

Die Mondmissionen sind Teil des wachsenden Raumfahrtprogramms der grössten Entwicklungslandes der Erde. Mit seinem ersten bemannten Raumflug war China 2003 - nach den USA und Russland - in den illustren Club der Nationen aufgestiegen, die aus eigener Kraft Astronauten ins All bringen können.

Es plant den Aufbau einer eigenen Raumfahrtstation. Dafür sollen beim nächsten bemannten Raumflug 2011 erstmals Andockmanöver geübt werden. Chinas kommunistische Führung betont zwar die friedlichen Absichten, doch weisen chinesische Verteidigungsexperten und Militärs immer darauf, dass künftige Kriege mit der Satellitenkommunikation im Weltraum entschieden werden.

Im Januar 2007 erschreckte China die Welt auch mit dem ersten Abschuss eines Satelliten von der Erde aus. China verfolge ein energisches und vielschichtiges Verteidigungsprogramm im Weltraum mit «direkten Anti-Satelliten-Waffen, Energiewaffen und Störsendern für Satelliten-Kommunikation», berichtete das Pentagon dem US-Kongress.

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