Pan-STARRS: Die Erde erhielt himmlischen Besuch
Aktualisiert

Pan-STARRSDie Erde erhielt himmlischen Besuch

Wenn Sie nächste Woche den Blick gen Himmel richten, können Sie mit blossem Auge den Kometen PAN-STARRS sehen. Der Himmelskörper näherte sich der Erde auf 160 Millionen Kilometer an.

von
Jean-Claude Gerber

Vor diesem Himmelskörper braucht sich niemand zu fürchten. Gestern passierte der Komet Pan-STARRS unseren Planeten in sicherer Entfernung von 160 Millionen Kilometer – etwas mehr als der Abstand der Erde zur Sonne. Nun ist er auf seinem Weg zur Sonne auch von der Nordhalbkugel zu sehen.

Der Komet, der offiziell C/2011 L4 heisst, wurde im Juni 2011 vom Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System, kurz Pan-STARRS, auf dem Haleakala-Vulkan in Hawaii entdeckt. Daher hat er auch seinen Spitznamen. Sternengucker auf der Südhalbkugel kamen bereits seit Wochen in den Genuss des seltenen Schauspiels am Abendhimmel – auch ohne Teleskop oder Feldstecher. «Als Pan-STARRS am südwestlichen Horizont unterging, war sein Nukleus von blossem Auge sichtbar», beschrieb der Fotograf Michael White aus Manawatu, Neuseeland, gegenüber Reuters das Gesehene.

Experten gehen davon aus, dass der Komet das erste Mal an der Erde vorbeifliegt, nachdem ihn die Schwerkraft der Sonne aus der Oortschen Wolke am Rand unseres Sonnensystems gezogen hatte. Diese Region liegt weit hinter dem Pluto und besteht aus unzähligen kleinen vereisten Himmelskörpern. Kometen, die aus Mineralien, Gestein und Eis bestehen, sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren.

Gut sichtbar

Wenn sich Kometen der Sonne nähern, verdampft ein Teil des Eises und es entsteht die Koma genannte Hülle, die aus Wasserdampf und Gasen besteht und riesige Ausmasse annehmen kann. Auch der Schweif bildet sich aufgrund der Erwärmung und ist immer von der Sonne abgewandt. Er setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die je über 1,5 Millionen Kilometer lang sein können. Ein Teil besteht aus Staub, der andere aus Molekülen, die von der Sonne ionisiert wurden.

Pan-STARRS hat inzwischen die Umlaufbahn des Merkurs passiert und gewinnt auf dem Weg Richtung Sonne an Helligkeit. Zurzeit sei er etwa so hell wie die Sterne des Grossen Wagens und dürfte in der zweiten Märzwoche noch heller und besser sichtbar werden, schreibt spaceweather.com. Demnach sind die besten Aussichten am Dienstag und Mittwoch nächster Woche, wenn Pan-STARRS in der Nähe des aufgehenden Monds in der Abenddämmerung am westlichen Himmel zu sehen sein wird.

ISON kommt

Doch Pan-STARRS ist nur das Vorprogramm zum Vorbeiflug von ISON im November. Wird der Komet nicht von der Sonne zerstört, könnte er so hell werden wie der Vollmond und möglicherweise sogar tagsüber sichtbar sein.

C/2012 S1, wie ISON offiziell heisst, wurde vergangenes Jahr von zwei russischen Amateur-Astronomen entdeckt. Experten gehen davon aus, dass er die Sonne in einer Entfernung von lediglich 1,1 Millionen Kilometer passieren wird, viermal näher als Pan-STARRS am Sonntag. Der Erde könnte er sich, wenn er das Sonnen-Rendezvous überlebt, auf rund 75 Millionen Kilometer nähern.

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