Hilfsprojekt im Senegal: «Die Erlebnisse zeigten mir, wie gut das Leben in der Schweiz ist»
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Hilfsprojekt im Senegal«Die Erlebnisse zeigten mir, wie gut das Leben in der Schweiz ist»

Die St. Galler Fotografin Claudia Gschwend (29) begleitete kürzlich ein Sozialprojekt des Vereins Plume aus Sirnach TG bis nach Dakar, Senegal. Dabei lernte sie einiges über das Leben der Kinder und Mitwirkenden des Projekts vor Ort.

von
Adriel Monostori

Claudia Gschwend hat ihre Eindrücke aus dem Senegal mit ihrer Kamera festgehalten.

Verein Plume

Darum gehts

  • Claudia Gschwend (29) begleitete als Fotografin den Verein Plume nach Dakar für ein Sozialprojekt.

  • Ein Container voller Zirkusartikel wurde dafür in den Senegal geschickt.

  • Die Fotografin erzählt von ihren Eindrücken in Dakar, sie stiess auf einen geflüchteten Kindersoldaten.

  • Zu Beginn war Gschwend im Senegal überfordert.

«Ich habe sehr viel über Dankbarkeit gelernt und habe Geschichten gehört, die mich sehr berührt haben», sagt Claudia Gschwend (29). Die St. Galler Fotografin lebt seit einiger Zeit in London (GB). Kürzlich begleitete sie für drei Wochen den Verein Plume aus Sirnach TG bei einem sozialen Projekt nach Dakar, Senegal, und hielt sämtliche Momente fotografisch fest. «Es ist das zweite Projekt, das ich begleitet habe. Vor rund zwei Jahren war ich mit dem Verein an der Grenze der Türkei zu Syrien», sagt sie.

Schon im Dezember 2020 packte das Team des Vereins gespendete Zirkusartikel in einen Container und sendete diesen nach Afrika. Die Artikel wurden vom sozialen Zirkus Sencirk entgegengenommen. «Der Gründer von Sencirk, der selbst ein Strassenkind war, will mit dem Zirkus obdachlosen Kindern mittels dem Mitwirken in der Manege und dem kreativen Umfeld darin neue Perspektiven schaffen», so Gschwend. Zudem wolle er den Kindern einen sicheren Zufluchtsort bieten.

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Die St. Galler Fotografin Claudia Gschwend (29) begleitete kürzlich ein Sozialprojekt nach Dakar, Senegal.

Die St. Galler Fotografin Claudia Gschwend (29) begleitete kürzlich ein Sozialprojekt nach Dakar, Senegal.

Claudia Gschwend
Der Verein Plume aus Sirnach TG sendete vorab einen Container voller Zirkusartikel für den sozialen Zirkus Sencirk nach Senegal.

Der Verein Plume aus Sirnach TG sendete vorab einen Container voller Zirkusartikel für den sozialen Zirkus Sencirk nach Senegal.

Claudia Gschwend
Für Gschwend ist es das zweite Projekt des Vereins, das sie begleitet. 

Für Gschwend ist es das zweite Projekt des Vereins, das sie begleitet.

Claudia Gschwend

Eindrücke aus dem Senegal

«Als ich angekommen bin, war es sehr überfordernd. Auf den Strassen war es sehr laut. Das war ich nicht gewohnt», erzählt die 29-Jährige. Im Zirkus angekommen, lernte die Fotografin viele Leute kennen. «Alle waren sehr offen. Nachdem es am Anfang noch sehr eindrücklich war, bewegte es uns immer mehr», sagt sie. Je tiefer sie in die Geschichten der Leute im Zirkus eintauchte, desto dankbarer habe es sie gemacht. «Die Erlebnisse zeigten mir, wie gut das Leben in der Schweiz ist. Ich kann es mir immer noch nicht ganz vorstellen, in welchen Verhältnissen die Kinder im Senegal aufwachsen müssen», sagt Gschwend.

Von den vielen Geschichten, die die St. Gallerin aufschnappte, hat sie folgende am meisten bewegt: «Mit 14 sei er von zuhause weggelaufen und reiste anschliessend durch Afrika, sagte mir ein Mann. In Sierra Leone sei er dann entführt und zum Kindersoldaten gemacht worden. Später sei er in einen Wald geflüchtet, in dem er 15 Tage verbracht habe. Die Polizei habe ihn daraufhin festgenommen. Später fing er an, in der Herberge zu arbeiten, in der ich übernachtete. Hier ist er endlich in Sicherheit». Dabei sei wichtig zu wissen, dass es ein grosser Kampf für die Menschen in Senegal sei, bis sie ihre Träume erreichen können. «Daher sind sie am Ziel angekommen umso glücklicher», schildert die Fotografin.

Verein Plume

Der Sozialverein aus Sirnach TG setzt sich für Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt ein und ermöglicht es ihnen, im Zirkusspiel mitzuwirken. «Wir sind eine selbstständige Organisation und unterstützen direkt vor Ort Zirkusprojekte und Zirkusschulen», heisst auf der Webseite des Vereins. Plume gibt es bereits seit 2018, der Verein ist aus dem «Circus Balloni» entsprungen.

Für Interessenten ist auf der Webseite des Vereins aufgeführt, wie man das Sozialprojekt finanziell oder ideell unterstützen kann.

Corona nicht das Hauptproblem

«Die Menschen im Senegal leben anders mit dem Coronavirus als wir in Europa», sagt die St. Galler Fotografin. Die Leute wirken vorbereitet auf die Pandemie. Angst hätten die wenigsten, da sie viele andere Probleme hätten. «Der Einbruch des Tourismus ist zum Beispiel ein grosser Verlust für die Leute», sagt die 29-Jährige. Dazu würden die Menschen in Dakar nicht überleben, wenn sie nicht arbeiten können, denn Unterstützung vom Staat könne man nicht erwarten.

Mit den Fotos und Videos, die Gschwend während des Einsatzes in Dakar gemacht hat, möchte sie auf den Zirkus aufmerksam machen, sowie die Geschichten der Strassenkinder fotografisch festhalten. «Der Zirkus hilft den Kindern sehr. Es ist ein Ort von wahnsinniger Kreativität und talentierten Leuten», sagt sie. Gschwend möchte gerne noch einmal in den Senegal reisen. «Viele Leute sind mir ans Herz gewachsen. Ich möchte gerne alle wieder treffen.»

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Deine Meinung

41 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Jajaja

16.02.2021, 17:08

Ja, mit ach und Krach nicht obdachlos geworden und täglich billig essen. Wau, was für ein Leben, ohne Perspektive auf Besserung in der Schweiz. Wohin kann ich, 50plus, flüchten?

ech vom Berg

16.02.2021, 09:58

Und, muss ich mich jetzt entschuldigen, dass ich in der Schweiz geboren wurde? Kann auch nichts dafür!

Der harte Realist

16.02.2021, 09:11

Wenn es ein Projekt wäre um das bevölkerungswachstum im senegal einzidämmen wäre ich dabei. Viele Probleme in den Dritt-, un auch Schwellenländern ist die Massive Überbevölkerung die immer noch weiter zu nimmt. Da kann man noch zig Milliarden nach Afrika schicken und es wird nichts helfen. Ich weiss es klingt völlig hart aber schaut lieber mal das dort die Frauchtbarkeit der Bevölkerung sinkt und auf einem gesunden Umweltverträglich Niveau stagniert.