Schweizer Cyber-Opfer: «Die Erpresser forderten 300 Dollar von mir»
Aktualisiert

Schweizer Cyber-Opfer«Die Erpresser forderten 300 Dollar von mir»

In mindestens 150 Ländern sperrte eine Erpresser-Software Computer. Auch in der Schweiz gibt es Betroffene.

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daw/asc
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«Ich bin kein Held»: IT-Experte Marcus Hutchins, der «Wanna Cry» stoppte. (15. Mai 2017)

«Ich bin kein Held»: IT-Experte Marcus Hutchins, der «Wanna Cry» stoppte. (15. Mai 2017)

Keystone/Frank Augstein
Wie viele Systeme vom Hackerangriff tatsächlich betroffen sind, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen klären. In der Schweiz geht man bis anhin von 200 Computern aus. (Archivbild)

Wie viele Systeme vom Hackerangriff tatsächlich betroffen sind, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen klären. In der Schweiz geht man bis anhin von 200 Computern aus. (Archivbild)

AFP/Damien Meyer
Diese Nachricht erscheint auf dem Bildschirm von Betroffenen.

Diese Nachricht erscheint auf dem Bildschirm von Betroffenen.

Keystone/Ritchie B. Tongo

Nur langsam zeigt sich das wahre Ausmass des massiven Cyber-Angriffs: Seit Freitag sind laut der europäischen Polizeibehörde Europol Computer von mehr als 200'000 Zielen in mindestens 150 Ländern von der Erpresser-Software infiziert worden. Weitere Betroffene dürften sich melden, wenn die Leute am Montag in die Büros zurückkehren.

Die sogenannte Ransomware verschlüsselt die Daten der Opfer, um dann Lösegeld zu erpressen. Auch in der Schweiz gibt es Opfer. Bislang seien «vereinzelte Meldungen von KMU und Privatpersonen» eingegangen, sagt Max Klaus, stellvertretender Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani).

Schweizer Opfer bezahlte nicht

Auch bei 20 Minuten haben sich mehrere Betroffene gemeldet, darunter eine kleine IT-Firma. Diese schreibt, sie hoffe, dass «solche Leute zur Rechenschaft gezogen werden».

Ebenfalls infiziert wurde das Heimnetzwerk von Leser C. E.*: «Die Erpresser forderten rund 300 Dollar. Die wichtigsten Daten hatte ich zum Glück auf einer externen Festplatte, die durch Zufall nicht angeschlossen war», sagt er. «Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie angeschlossen gewesen wäre.» Bitcoins hat er keine überwiesen, trotzdem ist der Ärger riesig: «Es war frustrierend, einen halben Tag nur mit Back-ups und dem Neuaufsetzen zu verbringen.»

Bislang nur wenig Geld ergaunert

Laut Europol-Sprecher Op Gen Oorth ist unklar, wer hinter dem riesigen Angriff steckt. Bislang hätten aber noch nicht viele Geld an die Erpresser gezahlt. Bis Sonntagabend kamen laut der öffentlich einsehbaren Bitcoin-Transaktionen rund 32'000 Dollar zusammen. Möglich ist aber, dass es weitere Konten gibt, die bisher nicht bekannt sind.

Laut Max Klaus von der Meldestelle Melani nehmen erpresserischen Angriffe mit Verschlüsselungstrojaner in der Schweiz zu. Er rät davon ab, Erpressern Geld zu bezahlen. Es gebe keine Garantie, dass man die Dateien wieder erhalte, schreibt die Meldestelle auf ihrer Website. Zudem ermuntere eine Zahlung zu weiteren Angriffen.

Der Bund empfiehlt, regelmässig eine externe Kopie der Dateien (Back-up) zu erstellen. Es sollten keine Anhänge in E-Mails geöffnet werden, deren Quelle man nicht kennt. Zudem raten die Experten, Betriebssysteme und Programme immer aktuell zu halten. Der Trojaner «Wanna Cry» verbreitet sich zum Beispiel auf veralteten Windows-Versionen.

*Name der Redaktion bekannt (daw/asc/ap)

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