Behandlung rettet Leben: Die erste Klinik für Stalker
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Behandlung rettet LebenDie erste Klinik für Stalker

Sie stellen ihren Opfern nach, belästigen und bedrängen sie. Werden sie zurückgewiesen, kann es gefährlich werden. In London werden Stalker deshalb seit Neuestem in einer eigenen Klinik behandelt.

von
fvo

London hat seit dem 8. Dezember 2011 eine Klinik eigens für Stalker. Durch die Behandlung der Täter, so ist sich Mitgründer Frank Farnham sicher, können Leben gerettet werden. Der zum Teil monatelange Psychoterror zehrt nämlich nicht bloss an den Kräften der Opfer, sondern endet in den schlimmsten Fällen mit schrecklichen Gewalttaten.

Wie eine Studie ergab, wurden drei Viertel der Opfer, die von einem früheren Partner ermordet wurden, zuvor von diesem bedrängt und belästigt, , schreibt «The Independent». Diese Verbrechen würden deshalb manchmal auch als «Mord in Zeitlupe» bezeichnet.

Vier Arten von Stalkern

Es gebe Hinweise darauf, dass Stalkern mit Medikamenten wie Anti-Depressiva, mit Verhaltenstherapien und Sozialkompetenz-Training geholfen werden könne. Farnham ist überzeugt: «Wenn wir Stalker behandeln, können wir Leben retten.» Seine Spezial-Abteilung befindet sich im St. Ann's Hospital im Norden Londons. Bis anhin seien höchstens diejenigen Täter behandelt worden, denen ein anderes psychisches Problem zugeschrieben werden konnte.

Farnham teilt seine Patienten in vier Kategorien ein. Die einen wurden zurückgewiesen und tragen dies ihren Opfern nach. Sie wollen den Partner wieder zurück oder aber ihm das Leben zur Hölle machen. Eine zweite Gruppe bezeichnet der Psychiater als «unfähige Verehrer», die Hilfe brauchen, weil sie autistische Züge haben. Dann gebe es noch die Stalker, die krankhaft besessen von ihrem Opfer seien und schliesslich diejenigen, die wie Jäger vorgehen und oftmals mit Seilen und Handschellen erwischt werden.

Oft ist gescheiterte Bezeihung der Auslöser

Weltweit sind Millionen betroffen: Der unerwünschten Aufmerksamkeit von Stalkern geht oft eine gescheiterte Beziehung voraus. Die Täter bombardieren ihre Opfer mit Anrufen, Mails und SMS. Sie folgen ihnen oder lauern ihnen an jedem denkbar möglichen Ort auf. Manche Stalker verschicken unerwünschte Geschenke oder geben Bestellungen im Namen der Betroffenen auf. Auch das Ausspionieren des Tagesablaufes des Bekanntenkreises und der persönlichen Daten fällt unter Stalking.

Eine britische Umfrage fand heraus, dass jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann über 16 schon mal gestalkt wurde. Der Psychoterror, den die Opfer durchleben, ist zermürbend. In manchen Fällen führen die zum Teil monate- oder jahrelangen Belästigungen zu Ängsten, Depressionen und Posttraumatischen Belastungssstörungen. Das ständige Auf-der-Hut-Sein laugt sowohl physisch wie psychisch aus.

In der Schweiz gibt es kein Anti-Stalking-Gesetz. Die Poli­zei kann zwar ein Kontaktverbot erteilen. Dieses gilt 14 Tage und kann auf 3 Monate verlängert werden. Dafür muss das Opfer aber Beweise sammeln: Mails, SMS, Voicemail-Nachrichten. Weitere Verhaltens-Tips finden Sie in der nebenstehenden Infobox.

Was können Stalking-Opfer tun?

klar machen, dass kein Kontakt erwünscht ist, und dass er derartiges Verhalten unterlassen soll.

Gewalt- oder Opferberatungsstelle aufsuchen, die Betroffene kompetent über weitere Massnahmen informieren und unterstützen kann.

Ruhe bewahren und mit Freunden und Verwandten über die Situation reden.

Beweise aufheben und speichern (SMS, MMS, Anrufbeantworter, E-Mails, Briefe, Geschenke mit Grusskarten, ...). Gibt es Schwierigkeiten bestimmte Indizien (wie Blumen, etc.) aufzubewahren, sollten sie

mit einem aktuellem Datumsbezug (z.B. Tageszeitung) fotografiert werden.

Stalking-Tagebuch führen in dem Ort, Datum, Uhrzeit und Aktionen notiert werden. Dadurch kann der Stalking-Verlauf rekonstruiert und bei rechtlichen Schritten als Beweismittelkette dienen.

Augen- und/oder Ohrenzeugen suchen, die Aktionen des Stalkers bestätigen können.

Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

geheime Telefonnummer beantragen. Die alte Nummer muss unbedingt weiter in Betrieb gehalten werden, sodass der Täter im Glauben ist, dass sein Terror weiter ankommt.

Weg konsequent weiterverfolgen. Zögern oder Rückzüge

könnten von Stalkern falsch interpretiert werden.

medizinische und psychologische Hilfe aufsuchen.

(Quelle: Stadpolizei Zürich)

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