Ana Brnabic: Die erste lesbische Ministerin Serbiens
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Ana BrnabicDie erste lesbische Ministerin Serbiens

In Serbien halten 48 Prozent der Bevölkerung Homosexualität für eine Geisteskrankheit. Jetzt sitzt erstmals eine bekennende Lesbe in der Regierungsmannschaft.

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gux
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Der Rummel um ihre Ernennung ist gross: Ana Brnabic (40) ist die erste bekennende Lesbe in der serbischen Regierung.

Der Rummel um ihre Ernennung ist gross: Ana Brnabic (40) ist die erste bekennende Lesbe in der serbischen Regierung.

AP/Darko Vojinovic
Die serbische LGTB-Community feiert Brnabics Ernennung als historisch.

Die serbische LGTB-Community feiert Brnabics Ernennung als historisch.

AFP/Alexa Stankovic
Ministerpräsident Aleksandar Vucic setzt Brnabic als Ministerin für öffentliche Verwaltung ein. In Schlüsselpositionen aber setze er weiterhin auf «eher dubiose Figuren, die weniger durch Transparenz und Weltoffenheit, als durch ihre Verstrickungen in Korruptionsaffären und gute Beziehungen zur Mafia auffallen», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung».

Ministerpräsident Aleksandar Vucic setzt Brnabic als Ministerin für öffentliche Verwaltung ein. In Schlüsselpositionen aber setze er weiterhin auf «eher dubiose Figuren, die weniger durch Transparenz und Weltoffenheit, als durch ihre Verstrickungen in Korruptionsaffären und gute Beziehungen zur Mafia auffallen», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung».

epa/Koca Sulejmanovic

Sie ist eine von sechs neuen Ministern, die im Zuge der jüngsten Regierungsumbildung in Serbien ernannt wurden. Und auf sie richtet sich derzeit alle Aufmerksamkeit: Ana Brnabic (40) ist die erste bekennende Lesbe in der serbischen Regierung. Und das in einem Land, wo fast 50 Prozent der Bevölkerung der Ansicht sind, dass Homosexualität eine Geisteskrankheit sei.

Homosexualität ist in dem Balkanstaat erst seit 1994 legal. Nicht legal sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Entsprechend wird die Ernennung der lesbischen Ministerin als richtungsweisendes Zeichen des Fortschritts gesehen, als bewusste Abkehr wohl auch vom Erbe sowjetischer Gesetzesnormen: Es sei «ein grosser Schritt auf dem Weg zu einer Gesellschaft mit gleichen Chancen, die die Gleichheit und Fähigkeit von Menschen schätzt, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechteridentität oder anderen persönlichen Merkmalen», freut sich etwa der serbische LGBT-Verband Gay Straight Alliance, während die Gej Streit Alijansa, die sich für die rechte Homosexueller einsetzt, die Berufung Brnabics als «historischen Moment» bezeichnet.

Ministerpräsident ist erfreut

«Sie versteckt es nicht, sie spricht mit Stolz darüber. Sie ist so nett und charmant», liess sich Ministerpräsident Aleksandar Vucic von Medien zitieren. «Ich bin nur an den Ergebnissen interessiert, die sie in dem schwierigen Job, der vor ihr liegt, erbringt. Sie ist voller Energie und ich freue mich darauf, mit ihr zu arbeiten.»

Vucic kann sich auch freuen, ist ihm mit Brnabics Ernennung zur Verwaltungsministerin auch ein geschickter Schachzug über die Landesgrenze hinaus gelungen: Serbien kann sich einen Anstrich von Weltoffenheit geben und damit bei der EU punkten. Immerhin musste diese Druck aufsetzen, damit Belgrad die Parade «Belgrade Pride» ab 2014 wieder zuliess und ausreichend schützte. 2010 hatten rechtsextreme Gruppen die Parade angegriffen, es hatte 150 Verletzte gegeben.

Ein weiterer Grund zur Freude für den serbischen Ministerpräsidenten dürften die ausgezeichneten Kontakte Brnabics in die USA sein: Die 40-Jährige arbeitete jahrelang bei der Entwicklungshilfeagentur USAID, war später Direktorin des serbischen Ablegers des US-Windenergie-Unternehmens Continental Wind Serbia und ist dank ihres Vorsitzes in einer Allianz zur serbischen Wirtschaftsförderung mit zahlreichen Weltkonzernen vernetzt.

«Dubiose Figuren» in Schlüsselministerien

Brnabic selbst ist der Rummel um ihre Person unheimlich: «Hoffentlich», sagte sie zu Radio Free Europe, «wird sich die Aufregung um meine Ernennung in den kommenden Tagen legen und ich werde nicht mehr länger als ‹die lesbische Ministerin› bekannt sein, sondern als das, was ich bin: Ministerin für die öffentliche Verwaltung.»

Letzte Woche hatte das serbische Parlament die 2-Parteien-Koalition von Ministerpräsident Vucic abgesegnet. Neben dessen Fortschrittspartei gehören der Regierung auch die prorussischen Sozialisten an. Dem Votum war eine dreitägige hitzige Debatte im Parlament vorausgegangen. Vucic hatte in einer Marathonrede sowohl für eine Annäherung an die EU als auch für eine Beibehaltung der engen Beziehungen zu Russland geworben.

Die Opposition wirft dem früheren Hardliner Vucic vor, nur zum Schein als Reformer aufzutreten und die Meinungsfreiheit einzuschränken. Auch die NZZ schreibt im Zusammenhang mit der ersten Lesbe in Serbiens Regierung: «In den Schlüsselministerien setzt Vucic stattdessen auf Kontinuität und eher dubiose Figuren, die weniger durch Transparenz und Weltoffenheit als durch ihre Verstrickungen in Korruptionsaffären und gute Beziehungen zur Mafia auffallen.»

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