Aktualisiert 18.09.2018 20:12

Turm der WindeDie erste Wetterstation der Welt

Der Turm der Winde in Athen ist über 2000 Jahre alt und gilt als die erste Wetterstation der Welt.

von
Meret Steiger
18.9.2018
Der Turm der Winde, auch als Horologion des Andronikos bekannt, ist ein achteckiger Turm auf der Römischen Agora in Athen.

Der Turm der Winde, auch als Horologion des Andronikos bekannt, ist ein achteckiger Turm auf der Römischen Agora in Athen.

Andreas Trepte / CC BY-SA 2.5
Er ist über 2000 Jahre alt und gilt als erste Wetterstation der Welt.

Er ist über 2000 Jahre alt und gilt als erste Wetterstation der Welt.

Joanbanjo / CC BY-SA 3.0
Die acht Seiten des Turms sind jeweils einer Windrichtung und den zugehörigen Windgöttern gewidmet.

Die acht Seiten des Turms sind jeweils einer Windrichtung und den zugehörigen Windgöttern gewidmet.

carlos corzo / CC BY-SA 3.0

Der Turm der Winde, auch als Horologion des Andronikos bekannt, ist ein achteckiger Turm auf der Römischen Agora, einem Platz in der griechischen Hauptstadt Athen. Er ist über 2000 Jahre alt und gilt als erste Wetterstation der Welt.

Acht Windrichtungen verewigt

Die acht Seiten des Turms sind jeweils einer Windrichtung und den zugehörigen Windgöttern gewidmet: Norden (Boreas), Nordosten (Kaikias), Osten (Apheliotes), Südosten (Euros), Süden (Notos), Südwesten (Lips), Westen (Zephyros) und Nordwesten (Skiron). Die Darstellungen auf dem Turm sollen zeigen, was die jeweiligen Winde bringen.

So ist beispielsweise die Darstellung von Kaikias (Nordostwind) die eines Mannes, der Hagelkörner aus einem Schild schüttet, während Notos (Süden) eine Kanne ausleert. Der Turm stammt aus einer Zeit, in der sich die Menschen mit Windrichtungen zu orientieren versuchten.

Unterschiedliche Winde

Die alten Griechen glaubten, dass der Wind aus zwölf verschiedenen Richtungen blasen konnte. Damit versuchten sie sich auch zu orientieren, ähnlich wie es heute mit den Himmelsrichtungen funktioniert. Die Idee mit den verschiedenen Winden stammt vermutlich von Bauern.

Die Bauern merkten, dass der Wind verschiedene Eigenschaften haben konnte: Manchmal war er kalt und trocken, dann wieder warm und feucht. Das Gleiche gilt für Matrosen: Auch sie sollten einen Wind anhand seiner Temperatur und Feuchtigkeit einer Himmelsrichtung zuordnen können.

Der Beginn der Windrose

Der griechische Philosoph Aristoteles erklärte die Winde so: Jede Richtung hat ihre meteorologischen Eigenheiten: Nord- und südwestliche Winde sind oft trocken, Nordostwinde eher nass. Schnee kommt auch aus der nördlichen Ecke, genau wie starke Stürme. Aristoteles' System kannte 10 Winde.

Ein weiterer Grieche, Timosthenes, fügte zwei weitere Windrichtungen hinzu. Eratosthenes, griechischer Geograf, bemerkte einige Jahre später, dass die zwölf Winde sich teilweise nur unwesentlich unterschieden. Er reduzierte die Windrichtungen auf acht – und legte so den Grundstein für die Windrose, wie sie auch heute auf Seekarten und Kompässen verwendet wird.

Der Turm als Wetterstation

Der Turm der Winde basiert auf dem Acht-Winde-System. Zusätzlich ist er eine Uhr: Die Linien auf der Seite zeigen als Sonnenuhr die Zeit an. Aussergewöhnlich: Der Turm hat auch eine Wasseruhr, die die Zeit auch nachts anzeigte. Für die Händler auf dem Marktplatz war der Turm wichtig: Sie sahen nicht nur, wie spät es war, sondern konnten auch anhand der Windrichtung einschätzen, wann neue Güter im Hafen ankamen.

2016 wurde der Turm restauriert und nach mehr als 200 Jahren zum ersten Mal wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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