Vor 30 Jahren: Die ersten Aids-Opfer
Aktualisiert

Vor 30 JahrenDie ersten Aids-Opfer

Am 5. Juni 1981 erschien in einem medizinischen Fachjournal ein Bericht über fünf ungewöhnliche Fälle von Lungenentzündung. Heute weiss man, dass die betroffenen Patienten an Aids litten.

von
Rolf Maag
Trauer um Aids-Opfer an einer Gedenkveranstaltung in San Francisco.

Trauer um Aids-Opfer an einer Gedenkveranstaltung in San Francisco.

Der Bericht wurde im «Morbidity and Mortality Weekly Report» veröffentlicht, der Zeitschrift der «Centers for Disease Control and Prevention», einer Regierungsorganisation. Ein Medizinerteam um Michael Gottlieb von der Universität von Kalifornien in Los Angeles hatte fünf homosexuelle Männer untersucht, von denen zwei zum Zeitpunkt der Publikation bereits verstorben waren.

Sie alle litten unter einer seltenen Lungenentzündung, die von dem Erreger «Pneumocystis jirovecii» hervorgerufen wird. Normalerweise befällt dieser nur Patienten, deren Immunsystem durch Krebs oder starke Medikamente geschwächt ist.

Scheinbar eine Homosexuellenkrankheit

Weil zunächst fast ausschliesslich homosexuelle Männer von der die Krankheit ermöglichenden Immunschwäche betroffen waren, wurde diese zunächst als «Grid» (Gay Related Immuno Deficiency) bezeichnet. Doch schon bald stellte man fest, dass Bluter, Empfänger von Bluttransfusionen und Drogensüchtige, die ihre Spritzen ausgetauscht hatten, ähnliche Symptome zeigten. 1984 gelang es schliesslich zwei Forschungteams um den Franzosen Luc Montagnier und den Amerikaner Robert Gallo, das HI-Virus (Human Immunodeficiency Virus) zu isolieren, das die Abwehr des Körpers gegen eingedrungene Krankheitserreger ausser Kraft setzt, worauf diese sich fast ungehindert im Organismus ausbreiten können.

Afrikanischer Ursprung

Der Begriff «Aids» wurde zwar erst in den 1980er-Jahren geprägt, doch die Krankheit dürfte damals schon seit Jahrzehnten existiert haben: In einer Blutprobe, die 1959 im Kongo entnommen worden war, fanden sich später deutliche Anzeichen von HIV-Antikörpern. Evolutionsbiologische Untersuchungen legen sogar nahe, dass das Virus bereits vor 1930 vom Schimpansen auf den Menschen übersprang, möglicherweise durch den Verzehr von «Bushmeat».

Weltweite Verbreitung

2009 lebten 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, über 37 Millionen waren bis zu diesem Zeitpunkt daran gestorben. Aids ist eine globale Katastrophe, doch nirgends ist die Situation so dramatisch wie in Afrika südlich der Sahara, wo mehr als 20 Millionen der Infizierten leben. Trauriger Rekordhalter ist dabei Swasiland, wo 2005 nicht weniger als 42 Prozent der Bevölkerung Virusträger waren. Doch es gibt auch Lichtblicke: Änderungen im Sexualverhalten, vermehrter Gebrauch von Kondomen und moderne Therapiemethoden haben in schwer gebeutelten Ländern wie Uganda, Kenia, Simbabwe oder Ruanda zu einer deutlichen Entspannung der Situation geführt.

In der Schweiz sind rund 25 000 Menschen betroffen; jährlich gibt es etwa 700 Neuansteckungen.

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