Neuer Klub, neues Glück: «Die Erwartungen sind riesig»
Aktualisiert

Neuer Klub, neues Glück«Die Erwartungen sind riesig»

Der SSC Napoli erlebt eine Renaissance. Der 3. Platz in der letzten Saison und das damit verbundene Champions-League-Ticket lassen Nati-Captain Gökhan Inler träumen.

von
Eva Tedesco
Gökhan Inler (hier gegen Andres Iniesta) kassierte mit Napoli im Freundschaftsspiel gegen Barcelona an der Joan Gamper Trophy eine 0:5-Kanterniederlage. (Keystone/AP)

Gökhan Inler (hier gegen Andres Iniesta) kassierte mit Napoli im Freundschaftsspiel gegen Barcelona an der Joan Gamper Trophy eine 0:5-Kanterniederlage. (Keystone/AP)

1987 und 1990 hat Diego Maradona die Neapolitaner zum Scudetto geführt. 1991 wurde der Gaucho zu einer langen Dopingsperre verurteilt. Es war der Anfang vom Ende: 2001 stieg Napoli in die Serie B ab. 2004 musste der einstige Topklub Konkurs anmelden und stürzte bis in die dritte Liga ab. 2006 gelang unter neuem Namen Napoli Soccer der Wiederaufstieg in die Serie B, und dank der eisernen Führung von Präsident und Filmproduzent Aurelio De Laurentiis ein Jahr später auch die Rückkehr in die Serie A. Nach drei Saisons im Tabellenmittelfeld (8., 12. und 6.) schaffte es Napoli in der letzten Meisterschaft Platz 3, hinter der AC Milan und Inter. Der dritte Rang bedeutete Auftritte auf europäischer Ebene. Nun träumen Fans, Verein und Spieler wieder von glorreichen Zeiten. Und mit ihnen der Schweizer Söldner Gökhan Inler, seit Anfang Sommer die Nr. 88 des SSC Napoli.

Gökhan Inler, bei der ersten Teilnahme in der Königsklasse treffen Sie auf Manchester City, Bayern und Villarreal. Wie fiel die Reaktion in der Mannschaft aus?

Eine Riesengruppe! Wegen der Hitze trainierten wir am Abend, als die Gegner schon bekannt waren. Klar war das ein Thema. Es ist ein sehr schwieriges Los, aber in dieser Gruppe können alle etwas reissen. Wir freuen uns sehr auf die Champions League. Ich bin ja das erste Mal in den Gruppenspielen dabei. Ich bin sicher, dass bei unseren Spielen 60000 Fans im Stadion sein werden. Die Erwartungen der Fans sind gross. Der Druck auf die Mannschaft ist riesig – auch auf mich.

Im Gegensatz zum beschaulichen Udine, meinen Sie?

Ich hatte vier sehr gute Jahre bei Udinese, wo ich viel gelernt habe. Den Schritt zu einem grossen Verein mit Ambitionen habe ich gemacht, um mich weiter zu entwickeln und Erfolg zu haben. Als ich 2007 von Zürich nach Udine wechselte, waren mit meinen Namen keine grossen Erwartungen verbunden. Das ist heute anderes. Natürlich erwarten die Fans hier von Anfang an viel von mir. In Neapel wird Fussball nicht nur gespielt, hier wird Fussball gelebt. Ich will den Leuten etwas geben für ihr Vertrauen.

Sie werden mit Blerim Dzemaili das Napoli-Zentrum dirigieren. Wie hilfreich ist es, dass Sie sich aus gemeinsamen FCZ-Zeiten kennen?

Ich weiss nicht, ob wir immer zusammen spielen werden, das entscheidet der Trainer, aber wenn, dann ist es sicher positiv, dass wir uns aus Zürich und der Nationalmannschaft kennen. Grundsätzlich ist aber nicht entscheidend, ob wir spielen oder andere – das Ziel ist immer eine Topmannschaft auf dem Platz zu haben. Im Cup, in der Liga oder International.

Wurde das Kader für die Saison 2011/12 stark verändert?

Neben Blerim und mir sind weitere fünf oder sechs Neue gekommen. Sehr stark hat sich das Team nicht verändert, aber der alte Stamm und die Neuen müssen sich noch finden. Das wird ein paar Spiele dauern. Am Anfang einer Meisterschaft weiss kein Team so recht, wo es steht. Ein Sieg zum Start würde schon gut tun. Für erste Auskünfte wird man die ersten vier bis fünf Runden abwarten müssen.

Welche Ziele hat Napoli in der Saison 2011/12? Ist der 3. Platz der letzten Saison überhaupt zu toppen?

Wir wollen immer mehr. Natürlich gilt es den guten Platz aus der letzten Saison zu bestätigen. Aber kurzfristig schauen wir von Spiel zu Spiel, mit dem Ziel jede Partie zu gewinnen.

Welche Teams sehen Sie an der Spitze der Serie A?

Die Klubs in der Serie A haben allesamt ziemlich aufgerüstet – das verspricht eine schwierige Meisterschaft zu werden. Oben mitspielen wird – vielleicht Milan? Ja, wahrscheinlich Milan. Aber ich denke, dass auch wir uns nicht verstecken müssen.

Der Saisonstart steht bevor. Sie haben eine lange Vorbereitungszeit hinter sich. Wie ist sie verlaufen?

Wir haben die Vorbereitung mit einem Trainingscamp in Dimaro im Trentino begonnen. Es war hart, aber wir hatten super Bedingungen. In Hinblick auf die Champions League hat Trainer Walter Mazzarri bewusst starke Gegner für die Testspiele ausgesucht, darunter Sevilla, Mallorca und Barcelona, damit wir uns an den höheren Rhythmus gewöhnen, wobei die Resultate keine grosse Bedeutung hatten.

War die Vorbereitung anders als in Udine?

Bei Udinese hatten wir eine Stammelf und viele junge Spieler um diese herum. Hier sind wir zwei komplette Mannschaften. Also 22 gute Spieler, die um eine Chance kämpfen, deshalb ist der Konkurrenzkampf wesentlich grösser. Aber das grosse Kader ist auch gut, denn wir wollen in den drei Wettbewerben, Champions League, Meisterschaft und Pokal gut aussehen!

Nati besammelt sich heute

Ottmar Hitzfeld hat die Schweizer Nati-Spieler heute um 18.30 Uhr nach Feusisberg berufen. Dort wird die Nati sich für das entscheidende EM-Qualifikationsspiel gegen Bulgarien vorbereiten. Gökhan Inler führt das Kader als Captain an.

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