Massenweise Coupons: Die Essenslieferanten stecken in einer brutalen Rabattschlacht
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Massenweise CouponsDie Essenslieferanten stecken in einer brutalen Rabattschlacht

Anbieter wie Uber Eats werfen mit Coupons um sich. Die Pandemie hat den Wettbewerb angefeuert. Doch rentieren sich die grossen Rabatte und Aktionen für die Delivery-Firmen überhaupt?

von
Raphael Knecht
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Besonders neue Kunden können sich über Rabatte für Essenslieferungen freuen.

Besonders neue Kunden können sich über Rabatte für Essenslieferungen freuen.

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Wegen der Pandemie versuchen Anbieter wie Uber Eats neue Kundengruppen anzusprechen.

Wegen der Pandemie versuchen Anbieter wie Uber Eats neue Kundengruppen anzusprechen.

20min/Marco Zangger
Mit den Rabatten versuchen die Anbieter auch, ihre Konkurrenten zu verdrängen.

Mit den Rabatten versuchen die Anbieter auch, ihre Konkurrenten zu verdrängen.

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Darum gehts

  • Um neue Kunden zu gewinnen, gewähren Delivery-Anbieter teils grosse Rabatte.

  • Dabei handelt es sich auch um eine Reaktion auf die Pandemie.

  • Damit schnappen sich die Anbieter gegenseitig Kunden weg.

  • Rentabel dürfte es hingegen kaum sein.

Rabatte bei der Essensbestellung und 2-für-1-Aktionen: Die Delivery-Anbieter in der Schweiz liefern sich derzeit eine Rabattschlacht. Ob Frühlingsangebot oder Codes für Neukunden, das bedeutet vor allem eins: Wachsender Wettbewerb. Der Delivery-Markt ist hart umkämpft – darum versuchen die Anbieter ihre Kunden mit Aktionen an sich zu binden.

Die Pandemie hat den Wettbewerb noch einmal tüchtig angefeuert. Zwar boomte der Delivery-Markt bereits vor der Krise, sagt Trendforscherin Christine Schäfer vom GDI: «Die Corona-Pandemie hat diesen Boom weiter beschleunigt, wodurch neue Kundensegmente angesprochen und gewonnen werden konnten.»

Wer vor der Krise gerne ins Restaurant ging, bestellt jetzt vielleicht öfter Essen, sagt auch Konsumforscherin Susan Shaw von GIM Suisse zu 20 Minuten: «Man will sich auch mal wieder bedienen lassen – da kommen solche Anbieter gerade recht.»

Uber bestätigt, dass man im Delivery-Geschäft wegen der Pandemie vermehrt Rabatte und ähnliche Aktionen lanciert. Uber Eats investiere wegen der Pandemie noch stärker in die Gewinnung von Neukunden, wie ein Sprecher von Uber zu 20 Minuten sagt. «Uns ist es sehr wichtig, gerade in dieser schweren Zeit unsere Restaurantpartner zu unterstützen», lautet die Begründung. Man ermögliche Restaurants sowie selbstständigen Kurieren eine Geschäftsgrundlage beziehungsweise bessere Verdienstmöglichkeiten.

Verdrängung mit Rabatten

Ob die Ziele mancher Anbieter wirklich so nobel sind, bezweifelt Patrick Cummins, der selber Inhaber des Restaurant-Kuriers Mosi.ch ist. Das Ziel der ausländischen Konkurrenz sei es, andere Anbieter zu verdrängen – indem sie ihnen mit Rabatten und Sonderaktionen Kunden wegschnappen.

Zwar gibts auch bei seinem eigenen Service saisonale Rabatte, das Spiel der ausländischen Konkurrenten will Cummins jedoch nicht mitmachen: «Wir können und wollen keine exorbitanten Rabatte für Neukunden gewähren wie gewisse Mitbewerber.» Das würde zulasten der Qualität oder des Kundenservice gehen.

«Verheizen von Neukunden»

Ausländische Anbieter schaukeln sich laut Cummins gegenseitig mit Rabatten für Neukunden hoch. Das sei nicht nachhaltig: «Aus meiner Sicht ist es ein reines Verheizen von Neukunden.» Zwar werden so eine Menge Kunden angelockt – doch viele seien am Ende enttäuscht. Dann hagle es negative Reviews.

Auch finanziell lohne sich der Verdrängungskampf nicht: «Alle Anbieter im Markt sind stark defizitär und haben noch nie Geld verdient.» Uber Eats etwa hat 2020 trotz der Krise weltweit einen Verlust von 873 Millionen Dollar eingefahren. Das Unternehmen hofft allerdings, es mit dem Delivery-Geschäft noch dieses Jahr in die schwarzen Zahlen zu schaffen.

Kundenstamm könnte wieder schrumpfen

Je nachdem, wie sich der Markt nun entwickelt, könnte das aber schwierig werden: «Ein Teil des Neukundenstamms dürfte nach der Krise wieder wegbrechen», gibt Shaw von GIM zu bedenken. Denn wenn die Restaurants wieder öffnen, dürften viele Kunden wieder lieber dort essen gehen. Schliesslich befinde sich das Restaurant in Sachen Genuss noch eine Stufe höher als Lieferdienste – so müsse man etwa immer noch selber abwaschen, wenn man Essen bestellt.

Es sei aber auch denkbar, dass sich gewisse Rituale einbürgern: «Wenn man sich angewöhnt, jeden Sonntagabend etwas zu bestellen, macht man das vielleicht auch nach der Krise weiter.»

Pizza & Burger

Das bestellt die Schweiz

Das am meisten bestellte Gericht in der Schweiz ist die Pizza Margherita, wie eine Auswertung des Delivery-Anbieters Eat.ch zeigt. Zudem konnte der Burger 2020 besonders an Beliebtheit gewinnen und ist auf Platz zwei. Das mit Abstand beliebteste Dessert ist das Tiramisù, gefolgt von der Mousse au Chocolat. Am meisten wurde am 27. Dezember bestellt.

Die Rabattschlacht dürfte aber auf jeden Fall weitergehen. Bei Uber heisst es, Rabatte und Sonderangebote – etwa für Neukunden oder bestimmte Anlässe – seien ein «ganz normales» Marketing-Instrument. Solche Investitionen seien nötig, um potenzielle Kunden zum Ausprobieren des Angebots zu gewinnen.

Deine Meinung

354 Kommentare
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Solltejedersomachen01

06.04.2021, 19:35

Ich mag Fast Food, seit ich aber Frühpensioniert bin kann ich täglich frisch kochen. Seit einem Jahr mache ich das nun. Bin praktisch Vegetarier geworden. Nur noch Fisch, aber kein anderes Fleisch mehr. Es tut mir gut und 10kg sind von meinen Rippen verschwunden.

FastFood-Verweigerer

06.04.2021, 15:31

Fast Food ist unter meinem Niveau. War's schon immer. Mein Körper kann damit nichts anfangen. Somit brauche ich das Zeug nicht und auch keinen Zulieferer. Für gutes Essen auf Sterne-Niveau hingegen verzichte ich auf Lieferungen, weil die Qualität leidet, bis es ankommt. Kann selber kochen. Und erst noch besser und frischer.

Skepticus

06.04.2021, 15:19

Die eigentlichen Verlierer sind die Kuriere und die Küchenangestellten der Lieferanten. Hier wird auf dem Buckel der Schlechtestverdienenden eine Rabattschlacht ausgetragen. Die Löhne dieser Mitarbeiter geraten noch mehr unter Druck und bei der Qualität der hergestellten Produkte wird ebenfalls gespart. Wer da noch glaubt, er bekomme gesunde Nahrungsmittel, irrt gewaltig. Dies ist die Regel und nicht die Ausnahme!