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FuturICTDie ETH bastelt an der Kristallkugel

Die ETH Zürich tüftelt an einem Supercomputer, der zukünftige Ereignisse vorhersagen kann. Finanzkrisen, Naturkatastrophen und Kriege könnten verhindert werden.

von
Simona Marty
ETH-Professor Dirk Helbing: «Das ist nicht Spinnerei.» Foto: pirmin roesli

ETH-Professor Dirk Helbing: «Das ist nicht Spinnerei.» Foto: pirmin roesli

In der Antike las das Orakel im griechischen Delphi in der Zukunft – in der Gegenwart soll dies ein Supercomputer der ETH übernehmen. Der Rechner hätte etwa die Wirtschaftskrise oder den Irakkrieg voraussagen und möglicherweise abschwächen können. Ein Team von über 300 Wissenschaftlern arbeitet unter dem Projektnamen FuturICT an einem Computer, der so genannte Dominoeffekte in der Gesellschaft erkennt: Eine Handlung führt meistens zu einer weiteren Handlung, und daraus ergeben sich Gesetzmässigkeiten. Informationen über solche Muster liefert beispielsweise das Internet über Facebook oder Twitter. Im Supercomputer werden die Daten eingelesen und hochgerechnet.

Das Ergebnis: Eine Simulation, die aufzeigt, wie sich Handlungen in der Zukunft auswirken. «Das ist nicht eine Spinnerei oder Science-Fiction. Firmen arbeiten bereits daran. Mit unserer offenen und transparenten Simulationsplattform können Entscheidungsträger und Bürger mögliche Zukunftsszenarien selber erforschen und besser informierte Entscheidungen treffen», sagt ETH-Professor Dirk Helbing. «Wenn die Menschen gewusst hätten, wie sich die Finanzkrise entwickelt, hätten sie vorsichtiger investiert, und Banken und Staaten hätten vermutlich früher und entschlossener gehandelt, das hätte den Schaden reduziert», sagt Helbing. Er ist überzeugt, dass sich Krisen oft frühzeitig ankündigen und dass sich einige von ihnen mit Supercomputerpower besser verstehen und begrenzen liessen.

Ein Erklärungsvideo zum FuturICT-Projekt:

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