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WirtschaftswissenschaftenDie ETH ist den Spekulanten auf der Spur

Weltpremiere: An der ETH Zürich ist es Forschern gelungen, Spekulationsblasen auf Finanzmärkten vorherzusagen.

Im November haben die ETH-Forscher aus Hunderten von Finanztiteln drei ausgewählt, bei welchen sie die Bildung einer Blase erwarteten. Wie Professor Didier Sornette am Montag vor den Medien ausführte, haben sich die Vorhersagen bewahrheitet. So hat das Forscherteam etwa vorausgesagt, dass es innerhalb eines gewissen Zeitfensters mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Veränderung bei der Entwicklung des Goldpreises käme.

Tatsächlich ist der Preis für Gold innerhalb des vorhergesagten Zeitfensters in zwanzig Tagen um 11 Prozent gefallen. Auch beim brasilianischen Aktienindex Bovespa brach die Wachstumsrate wie vorhergesagt innerhalb eines gewissen Zeitraums ein. Kurz nach dem Zeitfenster fiel der Index innert eines Monats gar um 11 Prozent.

Blase zerplatzt

Beim dritten untersuchten Titel, einem Anleihen-Index von Merill Lynch, ist die Luft bereits vor dem vorhersagten Zeitfenster aus der Blase gewichen. Gemäss Sornette ist das Zerplatzen die extremste Form, wie eine Spekulationsblase verschwindet. Als Ende einer Blase auf einem Finanzmarkt bezeichnet er daher auch einen «regime shift», also den Wechsel von einer Phase, wie sich ein Finanztitel entwickelt, zu einer anderen. Indikatoren dafür sind etwa das Ausmass eines Preiszerfalls oder die Länge der Zeitspanne, in welcher die Titel an Wert gewinnen.

Der erstmals durchgeführte Versuch des Finanzkrisen-Beobachtungszentrums der ETH Zürich soll nun wiederholt werden. «Wir werden das Experiment fortsetzen», sagte Sornette. Demnächst würden fünf bis zehn weitere Titel ausgesucht, bei welchen innerhalb eines gewissen Zeitraums ein «regime shift» zu erwarten sei. (sda)

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