Aktualisiert 17.03.2009 15:51

Australien

Die etwas andere Nabelschau

Ein bizarrer Skandal um Nacktbilder einer Rechtsaussen-Politikerin hält Australien in Atem: Die Frau auf den 30 Jahre alten Fotos sei nicht sie, sagt Pauline Hanson, und will als Beweis ihren Bauchnabel enthüllen.

Pauline Hanson war Ende der Neunzigerjahre die bekannteste Politikerin Australiens. Mit ihrer Partei One Nation und fremdenfeindlichen Parolen scharte sie national und vor allem in ihrem Heimatstaat Queensland bis zu einem Viertel der Wählerschaft um sich. Mit der Partei gings nach der Jahrtausendwende bergab, Hanson wurde wegen Wahlbetrugs verurteilt und sass 2003 im Gefängnis, bis das Urteil kassiert wurde. Und jetzt kandidiert sie als Unabhängige für einen Parlamentssitz in Queensland, Wahltag ist am Samstag.

Am Sonntag veröffentlichte der «Sunday Telegraph» in Sydney Bilder einer attraktiven jungen Frau, die sich in sexy Dessous oder noch weiter entkleidet auf einem Bett räkelt. Das sei Pauline Hanson, sagt Jack Johnson, die Fotos habe er 1975 bei einem romantischen Wochenendausflug gemacht.

Laut Hanson sind alle Fakten falsch

«Quatsch», sagt Hanson, das sei nicht sie, einen Jack Johnson kenne sie nicht, das Hotel, in dem die Bilder angeblich gemacht wurden, habe es 1975 noch gar nicht gegeben.

Die beiden kommerziellen Fernsehsender Australiens haben die Fotos auch gezeigt, weshalb sie jetzt von Pauline Hanson ebenfalls eingeklagt werden. «Ich habe genug von dieser Art Presse», sagt Hanson und vermutet eine Schmutzkampagne der etablierten Parteien.

15 000 Dollar für die Fotos bezahlt

Alle Medien, auch die so genannt seriösen, erzählen die Geschichte inzwischen genüsslich nach. Auf ihren Websites fordern sie die User auf, sich zu melden, wenn sie die Frau auf den Fotos erkennen, und geben alle möglichen Kontaktdaten an. Im News-Programm des einen mit einer Klage bedrohten TV-Senders kommt Pauline Hanson zu Wort, im anderen darf Fotograf Johnson wiederholen, dass das Pauline sei, ganz sicher, auch wenn er sich vielleicht im Zeitraum irre, in dem er die Fotos gemacht habe. Johnson hat 15 000 Dollar für die Fotos bekommen, die er brauche, um eine Knochenkrebs-Behandlung zu bezahlen.

Und weil die Frau auf den Fotos einen nach aussen gestülpten Bauchnabel hat, wurde Pauline Hanson gefragt, ob sie bereit sei, ihren Bauchnabel zu enthüllen. «Ich habe nicht vor, so tief zu sinken», sagte sie gestern. «Doch wenn es sein muss, werde ich es tun.»

Das wird vielleicht nicht nötig sein: Heute hat ein forensischer Anatom erklärt, sein Vergleich der Frau auf den Fotos mit Pauline Hanson habe ergeben, dass nicht Hanson abgebildet sei.

(be)

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