Investment-Punk: «Die EU-Krise wird die Jungen überrollen»
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Investment-Punk«Die EU-Krise wird die Jungen überrollen»

Europas Jugend sei dumm und faul, sagt der österreichische Banker Gerald Hörhan. Um den sozialen Abstieg abzuwehren, müssten junge Schweizer aufhören zu «chillen und shoppen».

von
Désirée Pomper
Investment-Punk und Buchautor Gerald Hörhahn. (Foto: Nicolas Y. Aebi)

Investment-Punk und Buchautor Gerald Hörhahn. (Foto: Nicolas Y. Aebi)

Herr Hörhan*, in Ihrem Buch «Gegengift» verunglimpfen Sie Jugendliche als dumm, faul und wohlstandsfixiert. Übertreiben Sie nicht etwas?

Gerald Hörhan: Leider mache ich die Erfahrung, dass viele Jugendliche lieber shoppen, chillen, surfen, Party und Schulden machen, anstatt zu arbeiten. Es ist eine wohlstandsverwahrloste, dekadente Generation, denen keine Werte wie Fleiss, Sparsamkeit und Disziplin vermittelt wurden. Ihnen fehlt der Biss und der Arbeitshunger. Ausserdem bereitet das Schulsystem in vielen europäischen Ländern die Kinder nur ungenügend auf den Arbeitsmarkt vor.

Würden Sie die Schweizer Jugend mit einem satten, müden Kater vergleichen

Ich will nicht verallgemeinern. Aber tendenziell trifft dies zu. Jedes Tier, das zu fett wird, stirbt einmal aus. Auch jedes Reich, dem der Biss und der Arbeitshunger fehlt, geht einmal unter. Dabei wäre es während der EU-Krise wichtiger denn je, gewappnet zu sein.

Und das ist die Schweiz nicht?

Zwar ist die Schweiz im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ein wirtschafts- und steuerfreundliches Land. Aber die EU-Krise wird auch die Schweiz in Schwierigkeiten bringen und die Jungen überrollen, da sie wirtschaftlich zu ungebildet sind. Es droht eine Wohlstandsminderung, die Mittelschicht wird schrumpfen, die Rente wird nicht mehr ausreichen.

Wie sollen sich die Jugendlichen denn wappnen?

Es nützt nichts, wenn die Jugendlichen auf dem Paradeplatz zelten. Statt der Occupy Bewegung muss es eine sinnvolle Jugendrevolte geben. Meine Message an die Jungen lautet: Plant eure Karriere wie ein Investment, steigt in Unternehmen mit Visionären an der Spitze ein, strengt euch an, verzichtet auf ein Leben auf Pump und spart stattdessen für ein Unternehmen oder Immobilien. Nur so kann es Europa wieder an die Spitze schaffen.

Ist Ihre Kritik an der Jugend auch eine Kritik an den sogenannten «Super-Opportunisten» – jungen Menschen, die sich alle Optionen offen halten wollen und schwer tun, Entscheidungen zu fällen?

Ja. Der Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem erfolglosen Menschen ist: Erstere machen etwas stetig und ordentlich. Diejenigen aber, die hin und her springen wie ein Känguru, haben schlussendlich weder Wissen noch Erfolg, dafür aber leere Taschen.

Sollten sich die europäischen Jugendlichen ein Beispiel an ihren Altersgenossen im aufstrebenden China nehmen?

Während die europäische Jugend ihr Geld sinnlos verjubelt, investieren es die jungen Brasilianer, Russen, Inder und Chinesen wegen dem höheren Wettbewerbsdruck zukunftsorientiert. Sie sind sehr geschäftstüchtig und immer gebildeter. Deshalb wird es eine Wohlstandsverschiebung weg von Europa, Amerika und Japan hin zu den Bric-Staaten, aber auch Indonesien, Philippinen und Afrika geben.

Geld scheint Ihnen wichtig. Was ist mit den immateriellen Werten wie Gerechtigkeit, Bescheidenheit und Solidarität?

Das eine schliesst das andere nicht aus, sie ergänzen sich sogar. Finanzieller Mangel und Schulden führen zu sehr viel Leid. Wenn man aber weiss, wie man mit Geld verantwortungsvoll umgeht, kann man damit sehr viel Gutes tun.

* Gerald Hörhan (34) studierte in Harvard Mathematik und ist selbstständiger Investmentbanker.

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