Nach Krawall-Wochenende: «Die Event-Chaoten sollen Strassen fegen»
Aktualisiert

Nach Krawall-Wochenende«Die Event-Chaoten sollen Strassen fegen»

Den ganzen Tag wurden die 48 verhafteten Krawallmachern von der Zürcher Staatsanwaltschaft befragt. Morgen will sie dann entscheiden, wie viele in Untersuchungshaft gesteckt oder wieder auf freien Fuss gesetzt werden.

von
Adrian Müller

Bei den Ausschreitungen rund um den Zürcher Hauptbahnhof von Samstagnacht fackelten die Polizisten – im Gegensatz zu den Randalen ums Bellevue - nicht lange: Sie kesselten die Krawallbrüder ein und verhafteten 91 Chaoten. Laut Polizeiangaben sind 80 Prozent der Festgenommenen Schweizer. 48 davon haben bereits die zweite Nacht in einer Gefängniszelle verbracht. Die Zürcher Staatsanwaltschaft entscheidet morgen, ob die U-Haft verlängert wird.

Wegen Landfriedensbruch droht den Chaoten theoretisch bis zu drei Jahren Gefängnis. «Die meisten dürften aber mit einer bedingten Geldstrafe von wenigen hundert Franken davonkommen», sagt Strafrechtsprofessor und SP-Nationalratskandidat Martin Killias. Dies grenze an «Sanktionsverzicht» und habe darum kaum abschreckende Wirkung auf die Chaoten. Er fordert deshalb eine Verschärfung des Strafgesetzes. «Bei solchen Ausschreitungen halte ich eine unbedingte Freiheitsstrafe von ein bis zwei Monaten für angemessen.» Denn bei «Event-Chaoten» sei das Wiederholungspotenzial sehr gross.

Teenager sollen Strassen fegen

Unter den verhafteten Krawallmachern befanden sich auch 25 Minderjährige, die noch in der Nacht von den Eltern abgeholt werden mussten. «Als Strafe sollten die eine Woche Strassen wischen», fordert der Zürcher SVP-Gemeinderat Mauro Tuena. Dies sei im aktuellen Jugendstrafrecht ausdrücklich möglich.

Bis die Gerichte die Event-Chaoten verurteilen, wird es aber einige Zeit dauern. Zahlreiche Leser fordern deshalb, dass künftig bei Ausschreitungen Schnellgerichte zum Einsatz kommen. Ähnlich denkt auch der Strafrechtsprofessor Killias. «Bei Schnellverfahren ist aber das Fehlerrisiko gross. Darum ist Vorsicht geboten.»

Innert sieben Tagen hat Zürich vier Krawalle erlebt. Killias glaubt nicht, dass es in diesem Stil weitergeht. «Wenn die Polizei weiterhin hart durchgreift und möglichst viele Leute verhaftet, hört der Radau auf.» Denn eine Nacht in U-Haft zu verbringen sei eine sehr «unangenehme Erfahrung, die Wirkung zeige».

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