Manifesta in Zürich: Die Fäkal-Kunst stinkt nur noch in der Ausstellung
Aktualisiert

Manifesta in ZürichDie Fäkal-Kunst stinkt nur noch in der Ausstellung

130 Künstlerinnen und Künstler stellen am Kunstfestival Manifesta aus. Ein stinkendes Objekt sorgt im Vorfeld für Aufsehen

von
ced

Wer sich Mike Bouchets Kunstwerk «The Zurich Load» ansehen will, wird vom Veranstalter gewarnt: «Kunstwerk bitte nicht berühren. Die Geruchsemissionen sind Teil des künstlerischen Konzepts und gefährlich», steht vor einer verschlossenen Tür im Migros-Museum, wo dieses Jahr eine Ausstellung zur Kunstbiennale Manifesta stattfindet.

Dahinter befindet sich ein Raum in der Grösse eines 25-Meter-Schwimmbeckens, auf dem Boden das Werk des amerikanischen Künstlers – bestehend aus 80 Tonnen getrockneten Fäkalien, spendiert vom Klärwerk Werdhölzli. Die Warnung am Eingang ist laut dem «Tages-Anzeiger» nötig, denn Bouchets Hoffnung, der Kotgeruch verflüchtige sich bis zur Ausstellung, hat sich nicht erfüllt.

«Drin riecht es ziemlich streng. Man schaut sich das rasch an und geht», sagt etwa ein Besucher.

Giftiges Gas als Nebenprodukt

Grosse Lüftungsrohre haben aber die Situation verbessert. Sie führen die Luft aus dem Ausstellungsraum ab in den Hinterhof des Löwenbräu Areals an der Limmatstrasse. Der Haken: In der Nähe befindet sich ein Hochhaus mit luxuriösen Eigentumswohnungen – und den Nachbarn stinkts. Laut dem «Tages-Anzeiger» klagen sie nicht nur über die verpestete Luft, sondern haben auch Bedenken wegen ihrer Gesundheit und der Hygiene.

Das kommt nicht von ungefähr, denn der verarbeitete Kot stiess im Anfangsstadium das giftige Gas Ammoniak aus. Das Problem schien so gross, dass die Manifesta-Veranstalter sogar daran dachten, das Kunstwerk gar nicht erst auszustellen. Vor kurzem habe sich die Lage aber beruhigt und die Luft sei ungefährlich, sagt Manifesta-Sprecherin Nora Hauswirth. Zudem werde der Geruch von Tag zu Tag schwächer.

Tatsächlich zeigt unsere Video-Umfrage, dass der beissende Geruch ausserhalb der Ausstellungshalle nicht wahrgenommen wird.

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