Gewaltdelikt St. Gallen – R. B. (20) erliegt im Spital an seinen Verletzungen
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Gewaltdelikt in St. Gallen«Die Familie ist am Boden zerstört»

Am Dienstag erlag der 20-jährige R. B.* im Spital seinen schweren Verletzungen. Angehörige müssen nun Abschied nehmen und planen in seinem Namen einen Demonstrationszug.

von
Leo Butie
kat
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R. B. erlag seinen schweren Verletzungen, die er am 19. September bei einer Auseinandersetzung erlitt. 

R. B. erlag seinen schweren Verletzungen, die er am 19. September bei einer Auseinandersetzung erlitt.

Privat
An der Bahnhofstrasse in St. Gallen ereignete sich der Streit. 

An der Bahnhofstrasse in St. Gallen ereignete sich der Streit.

20Min/Shila Ochsner
Die Familie von B. hat entschieden, die lebenserhaltenden Massnahmen zu beenden.

Die Familie von B. hat entschieden, die lebenserhaltenden Massnahmen zu beenden.

20Min/Shila Ochsner

Darum gehts

  • Der 20-jährige R. B. wurde am 19. September bei einer Schlägerei schwer verletzt.

  • Er wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Spital eingeliefert.

  • Die Familie entschied sich nun dazu, die lebenserhaltenden Massnahmen zu beenden.

  • Gemäss seinem Stiefvater wird eine Kundgebung geplant, um auf die Gewalt in St. Gallen aufmerksam zu machen.

In der Nacht auf Sonntag, den 19. September, kam es in den frühen Morgenstunden zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen, darunter auch der 20-jährige R. B.* Im Zuge des Streits wurde B. lebensbedrohlich verletzt und musste ins Spital eingeliefert werden. Laut seinem Stiefvater R. G.* habe sich eine brutale Schlägerei an der Bahnhofstrasse zugetragen.

Sein Zustand war seither kritisch. «Die Geräte haben ihn am Leben erhalten», sagt R. G.* zu 20 Minuten. Schliesslich habe sich die Familie von B. entschieden, die lebenserhaltenden Massnahmen zu beenden. «Er hat lange gekämpft», sagt G. Es sei momentan nicht einfach, den Tod zu verkraften. «Die Familie ist am Boden zerstört.»

B. habe kein einfaches Leben gehabt. Er begann eine Lehre als Maler in einem St. Galler Betrieb und war unterdessen im zweiten Lehrjahr. Zu Hause kümmerte er sich um seine kleine Schwester. «Er war ein netter und lieber Mensch, er hat nie jemandem etwas angetan», sagt sein Stiefvater.

Kundgebung geplant

In seinem Namen möchte man nun einen Gedenkmarsch organisieren, um auf die Gewalt in der Stadt St. Gallen aufmerksam zu machen. «Wir wollen die Stadt wachrütteln», meint G. Geplant ist es, vom Ort des Geschehens an der Bahnhofstrasse zum Brunnen beim Spisermarkt zu laufen, wo ein 38-jähriger Dominikaner angegriffen und tödlich verletzt worden war. Wann der Umzug stattfindet, ist noch nicht bekannt. Momentan müsse man noch weitere Dinge erledigen und das Geschehene verarbeiten. «Diese Woche war sehr streng. Wir überlegen uns, für ein paar Tage nach Italien zu fahren, damit wir abschalten können.»

Laut G. habe man sich zusammengeschlossen und eine Chatgruppe gegründet, um auch auf eigene Faust zu ermitteln. «Es ist schwierig, damit abzuschliessen, solange nicht alle Beteiligten in Haft sind», sagt G. Zurzeit gebe es ihnen keine Ruhe. Auf Anfrage von 20 Minuten wollte die Kantonspolizei St. Gallen mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine weiteren Informationen bekannt geben.

Gemäss einer Mitteilung der Kantonspolizei St. Gallen ist der Ablauf der Auseinandersetzung weiterhin Gegenstand der umfangreichen Ermittlungen. Diese werden durch die Staatsanwaltschaft St. Gallen, unter Einbezug verschiedenster Fachdienste der Kantonspolizei St. Gallen, geleitet.

Zunehmende Gewaltbereitschaft

«Die Gewaltbereitschaft nimmt zu», sagt Kapo-Sprecher Florian Schneider auf Anfrage. «Allenfalls gibt es einen Zusammenhang mit den Öffnungsschritten: Die Menschen gehen wieder vermehrt in den Ausgang und konsumieren Alkohol.» So wurde erst vergangenes Wochenende ein 36-jähriger Spanier Opfer eines Gewaltdelikts. Laut Polizei wurde er mit einem Messer verletzt und musste ins Spital gebracht werden. Anfang September erlag ein 38-jähriger Dominikaner nach einer heftigen Auseinandersetzung an der Brühlgasse später im Spital seinen Verletzungen.

Ob es wirklich mehr Vorfälle als in anderen Jahren gibt, lasse sich erst anhand der nächsten Kriminalstatistik für das Jahr 2021 abschliessend beurteilen. «Zur Zeit deutet aber leider alles darauf hin, dass die Zahlen gestiegen sind.»

*Namen der Redaktion bekannt.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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