Erstes Interview im Knast: Die Fantasiewelt des Josef Fritzl
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Erstes Interview im KnastDie Fantasiewelt des Josef Fritzl

Zum ersten Mal spricht der Inzest-Vater von seinem Alltag im Gefängnis. Weshalb er keinen Besuch von Verwandten bekommt, dafür hat er eine spezielle Erklärung.

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Josef Fritzl wohnt seit Juni 2009 in der Vollzugsanstalt Stein in Niederösterreich. Drei Monate zuvor hatte ein Schwurgericht in St. Pölten den geständigen Inzest-Täter, der seine Tochter Elizabeth 24 Jahre lang in einem Kellerverlies einsperrte und mit ihr sieben Kinder zeugte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Jetzt, erstmals, haben zwei Reporter der deutschen «Bild»-Zeitung den 75-Jährigen in seiner Zelle besucht.

Fritzl empfängt die Journalisten freundlich. Er stellt sich mit Namen vor, obwohl das gar nicht nötig wäre: «Ich bin ja weltberühmt», sagt er. Er erzählt seinen Besuchern von seiner neuen Umgebung: In seiner 11,5 Quadratmeter grossen Einzelzelle hat er ein Bett, ein Tisch, eine Toilette und ein Waschbecken.

«Dazu will ich nichts sagen»

Doch das ist nicht die Information, hinter der die Journalisten her sind. Sie fragen Fritzl, ob er seine Tat bereue. Aber auf diese Art von Fragen will der Inzest-Vater nicht einmal eingehen. Dafür scheint sich Fritzl eine komplette Fantasiewelt aufgebaut zu haben. Ziemlich verkrampft erzählt er etwas über Liebe und wechselt im Nu das Thema. Seiner Frau Rosemarie habe er acht Briefe geschrieben. Dass er keine Antwort bekam, lässt ihn aber nicht an ihrer Liebe zweifeln.

Nachts denke er oft an seine Rosemarie, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist, sagt er. «Mein Traum ist, dass ich es noch erlebe, hier lebendig rauszukommen. Ich würde später gerne meine Frau pflegen, weil sie mir immer die Treue gehalten hat.» Doch weder seine Frau noch eines seiner 13 Kinder haben ihn im Gefängnis besucht. Dafür findet der geistig-abnorme Rechtsbrecher eine für ihn plausible Erklärung: «Meine Kinder werden bestimmt von der Anstalt abgefangen, bevor sie zu mir kommen können.»

Flucht in die heile Fantasiewelt

Mit dieser Antwort ist auch der persönliche Teil des Interviews beendet. Fritzl schweift wieder ins Nüchterne. Er züchte Paprika, Peperoni und Tomaten, sagt er. Er sehe auch gern fern: «Meine Lieblingsserie ist ,Two and a Half Men' mit Charlie Sheen. Der kleine Junge, der da mitspielt, erinnert mich an meinen Sohn. Das lockert mich auf, das brauche ich zum Lachen. Es zerstört doch die Seele, wenn man immer todtraurig ist.»

Danach erklärt er den «Bild»-Reportern, wie sein Alltag abläuft: Er stehe um 5.30 Uhr auf. Nach der Körperhygiene dürfe er eine halbe Stunde turnen. Um 7.00 Uhr müsse er als «Hausarbeiter» die Böden schrubben. Um 9.00 Uhr gibt es eine Stunde Fitness, bis er um 10.00 Uhr in der Küche helfen muss. Erst am Nachmittag darf er für eine Stunde in den Hof an die freie Luft. «Zwei Beamte sind immer bei mir zu meinem Schutz», erklärt er. Weil Sex-Verbrecher in der Knast-Hierarchie ganz unten stehen, fürchtet die Anstaltsleitung um sein Leben.

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