Die faulsten Tricks der AHZ-Abschlepper
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Die faulsten Tricks der AHZ-Abschlepper

Parkuhren manipulieren, Autos mit ausländischen Kennzeichen aufbocken, Freier abzocken und Mobility-Fallen stellen: Die Trickkiste einiger Akkord-Abschlepper der Autohilfe Zürich ist reich gefüllt.

Wenn sich am Wochenende in Zürich-West die Strassen füllen, sind auch die Akkord-Abschlepper der Autohilfe Zürich (AHZ) unterwegs. Ihr Ziel: Abschleppen und abkassieren. Eine Auswertung der eingesandten Fälle von abgezockten 20minuten.ch-Usern und die Recherchen unter Insidern und Ex-Mitarbeitern zeigen, wie geschickt dabei vorgegangen wird.

Parkuhren manipulieren

Ein tamilischer Angestellter des Hotels Senator soll abgestellt worden sein, um jeweils einen kleinen Betrag in die Parkuhr nachzufüttern. Der Effekt: Das Parkguthaben fällt runter auf wenige Minuten. Sobald die Angabe auf Null steht, wird abgeschleppt. Dass sich die effektiv bezahlte Parkzeit noch rekonstruieren liesse, wissen die Autofahrer nicht. Weil die verwendeten Parkuhren keine Quittung ausspucken, haben die Halter nichts in der Hand.(siehe: Parkuhren manipulieren?- Nichts einfacher als das!). Allzeit bereit stehen Abschleppwagen der Autohilfe Zürich gleich um die Ecke und «wischen» den Innenhof im Akkord leer. Dies bestätigten mehrere Anwohner, die direkt in den Innenhof sehen.

Freier machen keine Probleme

Abschlepper N. pflege sein grosses Beziehungsnetz, auch zu diversen Hausabwarten von Liegenschaften im Kreis 4 und 5, so ein ehemaliger Mitarbeiter der Autohilfe Zürich. N. verfolge Fahrzeuge regelrecht, wenn er merkt, dass es sich beim Fahrer um einen potentiellen Freier handelt. Parkt der Mann etwa im Hinterhof des Bordells, lasse N. nicht lange auf sich warten. «Freier werden von ihm bevorzugt abgeschleppt, da sie die 400 Franken anstandslos bar bezahlen. Sie wollen auf gar keinen Fall, dass ihr Name auf einer Rechung auftaucht», so der Insider.

Schilderwald auf dem Privatparkplatz

Betrachtet man all die Verkehrsschilder auf dem Innenhof des Hotels Senator, verliert man unweigerlich den Überblick. Einerseits lädt ein grosses blaues P und die ganz gewöhnlichen Parkuhren zum Parken ein. Andererseits sind die Parkfelder gelb bemalt und der ganze Platz ist mit Parkverbotstafeln, richterlichen Beschlüssen und den gelben Stickern der Autohilfe zugepflastert. Ein Laie kann kaum sagen, ob es sich nun um einen öffentlichen oder um einen privaten Parkplatz handelt. Sicher ist, dass Hoteldirektor Hans Rüdisühli die Parkplätze von seinem Pult aus fest im Blick hat. Sicher ist auch, «dass das Weitervermieten von Privatparkplätzen», laut Tiefbauamt «einen Verstoss gegen die städtische Parkplatzordnung bedeutet» und illegal ist.

Der Mobilty-Trick

Autos der Carsharing-Firma Mobility würden durch die AHZ ohne Erlaubnis von den offiziellen Parkplätzen entfernt, damit Parklücken entstehen und so Autofahrer auf die gelben Mobility-Parkfelder gelockt werden. Falle jemand auf den Trick rein, würden innert kürzester Zeit Abschlepper der AHZ zuschlagen und das Auto an die Haken ihres Abschleppwagens nehmen (siehe: Abschlepper-Bande: Der «Mobility-Trick»).

Ausländische Autofahrer

Vor dem Hotel Senator werden auch ausländische Autofahrer in die Falle gelockt. Ein Besucher aus Madrid schrieb der 20minuten.ch-Redaktion: «Ich bezahlte fünf Franken. Auf dem Weg zum Restaurant merkte ich, dass mein Mobiltelefon noch im Auto lag. Also kehrte ich auf halbem Weg um. Im Innenhof des Hotels Senator angekommen, sah ich mein Auto schon am Haken eines gelben Abschleppwagens. Ich protestierte und wurde vom Fahrer beleidigt. Dann kam es zu Handgreiflichkeiten und in der Folge gab der Fahrer mein Auto endlich wieder frei. Er drohte mir mit einer Anzeige. Ich sagte ihm, er solle sie nach Madrid schicken, ist aber bis heute nichts gekommen.»

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

Abschlepper-Willkür: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20minuten.ch

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