Duell gegen YB: Die Favoritenrolle ist Gladbach «schnurz»
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Duell gegen YBDie Favoritenrolle ist Gladbach «schnurz»

Gladbach-Trainer André Schubert und Keeper Yann Sommer wehren sich dagegen, dass der Champions-League-Einzug gegen YB ein Freilos sei.

von
E. Tedesco

Nati-Goalie Yann Sommer muss mit Gladbach gegen YB «von 0 auf 100». (Video: 20 Minuten)

Von «Losglück» schrieb die «Bild»-Zeitung. «Traumlos», «einfache Hürde», «Selbstläufer» und «so gut wie durch» hiess es andernorts kurz nach der Auslosung in den deutschen Medien. Die Favoritenrolle liegt gegen YB klar beim deutschen Traditionsklub. Das sieht auch Berns Trainer Adi Hütter.

«Die Favoritenrolle ist mir schnurz», entgegnete Gladbach-Trainer André Schubert am Montag in Bern. «Es macht keinen Sinn, sich damit zu beschäftigen. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt, der deutsche Fussball hat einen guten Klang und da ist man immer irgendwie der Favorit – aber das war Donezk auch.» Dass der Einzug in die Champions League ein Selbstläufer sei, weist Schubert vehement von sich. «Einen regelmässigen Champions-League-Teilnehmer rauszuwerfen, ist schon ein Wort!», so der Nachfolger von Lucien Favre.

Gladbach mit einem Kaltstart

«Es ist schon etwas speziell, so in eine Saison zu starten. Das ist die Challenge: Es geht gleich von 0 auf 100», sagt Yann Sommer. «Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, auch wenn es bei mir einige Mal auf und ab ging.» Nachdem die Nummer eins im Tor der Schweizer Nati nach dem EM-Aus im Achtelfinal verspätet in die Vorbereitung eingestiegen war, zog sich Sommer vor zwei Wochen im Training einen Kapselbandriss im Sprunggelenk zu.

Sommer schob Sonderschichten, um heute in Bern (ab 20.45 Uhr im Live-Ticker) dabei sein zu können. «Ich freue mich, wieder in der Heimat zu sein und in der Nähe von Freunden und Familie Fussball spielen zu können», sagt der 27-Jährige. Sein lädiertes Sprunggelenk wird auf der Plastikunterlage im Stade de Suisse einem weiteren Belastungstest standhalten müssen. Sommer gibt Entwarnung: «Ich kenne den Kunstrasen ja schon aus der Super League und habe mich an die Umstellung gewöhnt.»

Vier Trainings auf Plastik

Die Unterschiede zwischen dem natürlichen Grün und jenem aus Plastik sieht der Torhüter so: «Der Ball springt anders auf und wird sehr schnell, wenn der Rasen nass ist. Wir haben in Gladbach dreimal auf Kunstrasen trainiert und am Montag das Abschlusstraining auf Kunstrasen in Bern gemacht. Ich denke nicht, dass YB dadurch einen Vorteil haben wird, denn unsere Mannschaft wird sich darauf einstellen.»

Während YB aber wettbewerbsübergreifend schon sieben Pflichtspiele absolviert hat, tragen die Fohlen ihren ersten Ernstkämpfe just in der CL-Quali heute aus. Das kann, muss aber kein Vorteil sein, sagt Sommer: «Es ist immer gut, wenn man eingespielt ist, aber wir haben eine Mannschaft, die passt und Qualität hat.» Obwohl Gladbach mit Granit Xhaka seinen Captain und die zentrale Figur im Mittelfeld verloren hat?

«Es ist nicht nur ein grosser Name, der weg ist. Wir haben vier Kapitäne verloren», sagt Schubert. Neben Xhaka (Arsenal) haben Martin Stranzl (Rücktritt), Roel Brouwers (Kerkrade) und Havard Nordtveit (West Ham) die «Fohlen» verlassen. Zu den prominentesten Zugängen zählen Weltmeister Christoph Kramer (Rückkehr von Leverkusen) und Jannik Vestergaard (Bremen).

«Unbedingt» zurück in die Königsklasse

Neben der individuellen Qualität können die Fohlen internationale Erfahrung (104:31 Champions-League-Spiele) für sich als Vorteil verbuchen. Mit 20 Partien (Basel und Gladbach) ist Sommer der Gladbacher mit den meisten Partien in der Königsklasse. Und da will nicht nur der ehemalige FCB-Goalie wieder hin: «Wir haben in der letzten Saison erleben dürfen, wie grossartig die Champions League ist. Deshalb wollen wir wieder dorthin – unbedingt!» Auch wenn es auf Kosten eines Teams aus der Heimat geht.

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