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Minus acht SitzeDie FDP sackt gewaltig ab

Eine Wahlsimulation sagt den Liberalen bei den Nationalratswahlen eine Klatsche voraus. Der zweite Bundesratssitz könnte in Gefahr sein. Freuen dürfen sich hingegen die Grünliberalen und die BDP.

von
mlu

Im Vorfeld der Parlamentswahlen vom 23. Oktober dreht sich alles um Wähleranteile. Doch was im Parlamentsalltag wirklich zählt, sind die Sitze. Politgeograf Michael Hermann hat gerechnet und seine Ergebnisse in der «NZZ am Sonntag» publiziert. Seine Simulation dürfte bei der FDP nicht gerade für Begeisterung sorgen.

Die ehemals staatstragende Partei verliert laut Hermanns Berechnungen acht ihrer bisher 35 Nationalratssitze (siehe Grafik oben). Ebenfalls mit Verlusten rechnen müssen die CVP (-3), die Grünen (-2) und die EVP. Zulegen dürften hingegen die Grünliberalen (+5) und die SP (+2). Die BDP kommt aus dem Stand auf sieben Sitze, die SVP dürfte ihre 62 Mandate halten.

Sitzverluste höher als Stimmenverluste

Die Sitzverluste der FDP sind höher, als ihre Wähleranteile in den letzten Umfragen vermuten lassen. Im SRG-Wahlbarometer vom September 2011 (siehe Grafik unten) hält die Partei einen Anteil von 15,6 Prozent, was einem Rückgang von 2,1 Prozentpunkten seit den letzten Wahlen 2007 entspricht.

Hinter diesem Missverhältnis stehen fehlende Listenverbindungen: Die FDP tritt in vielen Kantonen alleine an, auf Reststimmen anderer Parteien kann sie nicht zählen. Im Gegensatz zur CVP, die in vielen Kantonen mit den Grünliberalen oder der BDP gemeinsame Sache macht. Deshalb schlagen sich die Stimmenverluste bei keiner Partei «derart brutal auf die Sitzzahl nieder wie bei der FDP», wie Politgeograf Hermann gegenüber der «NZZ am Sonntag» erklärt.

Schneider-Amman in Gefahr

Der Einbruch könnte für die FDP dramatische Folgen haben: Mit dem Sitzverlust fällt die Partei hinter die CVP zurück. Ihr Anspruch auf zwei Bundesratssitze könnte in Frage gestellt werden. Der Sitz von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann dürfte bei den Bundesratswahlen vom 14. Dezember noch ein bisschen mehr wackeln.

Die Methode

Michael Hermann stützt sich bei seinen Berechnungen auf die letzten Wahlumfragen, die er mit zusätzlichen Informationen ergänzt. So zum Beispiel den Sitz- und Parteikonstellationen in den Kantonen sowie den Listenverbindungen. Gestützt darauf hat er für die einzelnen Kantone die Wähleranteile prognostiziert und so die Sitzverteilung berechnet. (mlu)

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