Die Feinde der Medien
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Die Feinde der Medien

56 Medienschaffende wurden im Jahr 2004 weltweit getötet, 19 sind weiterhin vermisst und 124 wurden inhaftiert. Mindestens 1146 Journalistinnen und Journalisten wurden angegriffen und 622 Medien zensuriert.

2004 war für Reporter ohne Grenzen/ Reporter sans Frontières (RSF) ein «Jahr der Trauer». Seit 1995 waren nicht mehr so viele Medienschaffende getötet worden. Die Organisation veröffentlichte ihren Bericht in Genf zum Internationalen Tag der Pressefreiheit vom Dienstag.

«Feinde der Medien»

34 «Feinde der Medien» hat RSF ausgemacht. Unter ihnen ist der saudische Erbprinz und De-Facto-Herrscher Abdallah ibn el Saud, der Präsident Weissrusslands Alexander Lukaschenko, der Präsident Chinas Hu Jintao und der «ewige Präsident» Nordkoreas, Kim Jong Il.

Weiter zählt RSF dazu den kubanischen Präsidenten Fidel Castro, den libyschen Staatschef Muammar Gaddafi, den iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei, den kasachischen Präsidenten Nursultan Nazarbaiev, den russischen Präsidentn Wladimir Putin, den syrischen Präsidenten Baschar el Assad und den tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali.

Irak am gefährlichsten

Irak bleibt das gefährlichste Land für Journalisten, schreibt RSF: 19 von ihnen starben hier im vergangenen Jahr und 15 wurden entführt. In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden weltweit bereits 22 Journalisten getötet, neun von ihnen in Irak.

Am 1. Januar 2005 waren zudem 107 Medienschaffende in Haft, 26 von ihnen allein in China und 22 in Kuba. Aber auch in Ländern, die sich üblicherweise an die Medienfreiheit halten, gebe es eine beunruhigende Entwicklung, schreibt RSF weiter.

So hätten in den USA mehrere Journalisten vor Gericht erscheinen müssen, weil sie sich weigerten, die Quellen ihrer Informationen preiszugeben. Einigen drohe eine Haftstrafe dafür.

Menschenrecht

UNO-Generalsekretär Kofi Annan erinnerte die Regierungen in einer Erklärung daran, dass das Recht der Medien, Informationen und Ideen zu suchen, erhalten und darüber zu berichten, in der UNO- Menschenrechtserklärung verankert ist.

«Zensur, Unterdrückung von Information und Einschüchterung sind eine Verleugnung der Demokratie, ein Hindernis für die Entwicklung und ein Bedrohung der Sicherheit für alle», erklärte Annan.

Auf der andern Seite hätten fanatische Gruppierungen unter anderem in Ruanda und der Elfenbeinküste Radio und Fernsehen für Aufhetzung und Unruhestiftung benützt. Die UNO wolle an einem Seminar nun auch prüfen, wie Medien sich vor der Verbreitung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit schützen und sich stattdessen für Toleranz einsetzen könnten.

(sda)

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