Aktualisiert 20.10.2011 10:21

WirtschaftsabkommenDie «feindlichen Brüder» wollen handeln

Seit der Unabhängigkeit vor 60 Jahren sind Indien und Pakistan verfeindet. Nun wollen sich die beiden Länder wirtschaftlich annähern und ihren Handel stark ausbauen.

von
pbl
Die neue pakistanische Aussenministerin Hina Rabbani Khar beim Treffen mit ihrem indischen Amtskollegen S.M. Krishna im Juli in Neu-Delhi.

Die neue pakistanische Aussenministerin Hina Rabbani Khar beim Treffen mit ihrem indischen Amtskollegen S.M. Krishna im Juli in Neu-Delhi.

Einst bildeten sie gemeinsam das britische «Kaiserreich» Indien. Mit der Unabhängigkeit 1947 kam es zur Teilung, begleitet von Vertreibungen, Massenflucht und rund einer Million Toten. Seither führten Indien und Pakistan drei weitere Kriege, in denen es um die Grenzregion Kaschmir ging, die zu Indien gehört, aber mehrheitlich von Muslimen bewohnt und von beiden Ländern beansprucht wird.

In den letzten Jahren hat vor allem der islamistische Terror in Indien das Verhältnis der «feindlichen Brüder» vergiftet. Seit dem verheerenden Anschlag in Mumbai vor drei Jahren liegen die Beziehungen faktisch auf Eis. Nun wird – nicht zum ersten Mal – ein Anlauf zur Normalisierung unternommen. Als die neue pakistanische Aussenministerin Hina Rabbani Khar im Juli das Nachbarland besuchte, vereinbarte sie mit ihrem indischen Amtskollegen S.M. Krishna eine «neue Ära» der gegenseitigen Beziehungen.

Bevorzugter Handelspartner

Die Regierung in Islamabad plane, Indien den Status eines «bevorzugten Handelspartners» zu geben, sagte Aussenministerin Khar der «Financial Times». Der gegenseitige Handel zwischen den beiden Ländern, die zusammen grösser sind als China, beläuft sich derzeit auf magere 2,7 Milliarden Dollar pro Jahr. Weitere 3 Milliarden werden auf illegalen Wegen umgesetzt. Nun soll das Volumen in den nächsten drei Jahren auf 6 Milliarden Dollar erhöht werden.

«Ein Land allein kann nicht als wirtschaftlicher und politischer Motor in einer Region dienen, in der seit Jahren Konflikte schwelen», sagte Khar in Anspielung auf das Boomland Indien. Es sei «in beiderseitigem Interesse, diese Konflikte zu lösen». Anfang Oktober haben die Handelsminister beider Länder ihre vor drei Jahren suspendierten Verhandlungen wieder aufgenommen, und bereits im November soll ein Abkommen unterzeichnet werden. Bislang machte Pakistan eine Ausweitung der Beziehungen von einer Lösung des Kaschmir-Streits abhängig.

Als weiterer Schritt sollen die restriktiven Visa-Vorschriften für Geschäftsleute gelockert werden, ausserdem wird der wichtigste Grenzübergang in Wagha mit neuen Einrichtungen für den Güterverkehr modernisiert. Selbst über die umstrittene Grenze in Kaschmir soll der Handel verstärkt werden. Der Fortschritt bleibe allerdings fragil, warnt die «Financial Times». Zu oft schon wurden Friedensinitiativen durch Terroranschläge sabotiert.

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