Macht es so noch Spass?: Die fiesen Tricks der Panini-Album-Vertreiber
Aktualisiert

Macht es so noch Spass?Die fiesen Tricks der Panini-Album-Vertreiber

Mindestens 115 Franken kostet es, das Panini-Album zur Euro 2012 zu füllen. Sammler ärgern sich über viele «unnötige» Bilder, die das Album teurer machen als nötig.

von
Philipp Reich

Die Schweiz ist wieder im Panini-Fieber. (Video: Keystone)

Endlich wieder Päckchen aufreissen, Bildchen einkleben und natürlich tauschen. Seit dem 23. März sind die beliebten Panini-Sticker für die EM 2012 in Polen und der Ukraine an den Kiosken erhältlich. Kinder und Erwachsene können ihrem Sammelfieber wieder freien Lauf lassen. Vorausgesetzt, das Portemonnaie spielt mit.

Noch nie war ein volles EM-Album so teuer wie in diesem Jahr. 560 Sticker muss der Schweizer Sammler einkleben, damit er ein komplettes Heft plus Zusatzposter vorweisen kann. Das sind zwar nur vier mehr als 2008, aber auch nur knapp 100 weniger als bei der WM 2010 in Südafrika, wo aber 32 Mannschaften teilnahmen. Das leere Album «Euro 2012» kostet am Kiosk 2 Franken 90, ein Päckchen mit fünf Bildchen 1 Franken. Für ein volles Album muss man also mindestens 114 Franken 90 berappen. Dabei sind die doppelten Bilder, ohne die es bekanntlich nicht geht und auch keinen Spass macht, noch nicht eingerechnet.

Viele «unnötige» Bilder

Es wäre auch billiger gegangen: Das Album macht mit dem violetten Hochglanz-Cover einen sehr schönen Eindruck und auch die Bilder wirken edler als auch schon. Doch bei der Anzahl Sticker hat Panini den Höchstwert der EM 2008 noch einmal getoppt. Unter den 560 Bildchen sorgen auch einige für ein grosses Fragezeichen. So sind im diesjährigen Album zahlreiche Sticker zu finden, die man früher nicht unbedingt vermisste.

* Jede Nation erhält neben den 20 (!) Kaderspielern drei weitere silberne Action-Stickers mit den jeweiligen Topstars (insgesamt 48 Sticker).

* Der EM-Slogan «Gemeinsam Geschichte schreiben» wird in alle Sprachen der teilnehmenden Nationen übersetzt (insgesamt 16 Sticker).

* Die Europameister von 1960 bis 2004 erhalten statt eines Hochglanz-Stickers neu zwei, der aktuelle Champion Spanien gar drei (insgesamt 14 Sticker mehr).

* Der offizielle Matchball erhält ein eigenes Bildchen (1 Sticker).

* Auf dem Zusatzposter findet man das offizielle Euro-Logo (2 Bildchen), den EM-Pokal (2 Bildchen) sowie je einen Spieler der 16 teilnehmenden Nationen im Glitzer-Stil (insgesamt 20 Sticker).

«Es hat schon einige Bildchen, auf die man gut und gerne hätte verzichten können», sagt Claudio B. stellvertretend für viele Sammler. Er meint damit vor allem die Sticker mit dem EM-Slogan, aber auch das Poster, das «man nach der Euro nicht mehr anschaut».

Special-Edition, obwohl die Schweiz nicht dabei ist

Zusammen sind im «Euro 12»-Album ganze 99 Sticker, die für viele Sammler nicht unbedingt einen Mehrwert bieten, es aber um rund 20 Franken verteuern. Ein Blick auf die Anzahl Sticker in den jeweiligen Alben zeigt: Panini hat längst gemerkt, dass mit mehr Bildern auch mehr Geld gemacht werden kann. 1996 nahmen zum ersten Mal 16 Mannschaften an der EM-Endrunde teil, das Album war damals bereits mit 354 eingeklebten Stickern voll. Vier Jahre später für die EM in Holland und Belgien waren es 358 Bilder, nochmals vier Jahre später für die EM in Portugal gar nur 334 Bilder. Für die EM 2008 in der Schweiz und Österreich beinhaltete ein volles Album plötzlich 556 Sticker. «Die Erhöhung der Bilder-Anzahl war damals ein internationaler Entscheid. Seit 2008 hat sich nicht mehr viel geändert», sagt Ezio Bassi, Direktor von Panini Suisse, gegenüber 20 Minuten Online.

Wie schon für die Euro 2008 und die WM 2010 werden die Schweizer Sammler zum dritten Mal in Serie mit einem Sonder-Album beglückt, obwohl sich die Schweiz gar nicht für die EM-Endrunde qualifiziert hat. Trotzdem wurden 50 Millionen Päckchen bereitgestellt. Die Bildchen der Schweizer «Special Platinum Edition» haben im Gegensatz zur internationalen Ausgabe einen gelben Rahmen um das Bild mit dem Spielerporträt. Damit will Panini wohl verhindern, dass Schweizer Sammler die internationalen Sticker kaufen, die in den vergangenen Jahren deutlich billiger zu haben waren.

Zusätzlich zur internationalen Ausgabe sind übrigens nur die 20 speziellen Bilder mit den Top-Playern auf dem Poster. «Diese Bilder haben wir gemacht, um das Interesse anzuregen. Die Schweiz ist für Panini ein grosser Markt. Obwohl die Nati nicht dabei ist, wollten wir trotzdem etwas Spezielles machen», erklärt Panini-Direktor Bassi. «Ähnliche Bilder hatten wir auch schon 2008. Da die Schweiz in diesem Jahr aber nicht dabei ist, fallen die speziellen Sticker einfach ein bisschen mehr auf.»

Keine Spielernamen im leeren Album

Ärgerlich für viele Sammler ist auch, dass Panini es wieder nicht geschafft hat, die Rechte beim englischen Verband einzuholen. So prangt auf dem englischen Wappen wieder nur das Georgskreuz statt der «Three Lions», auf dem Mannschaftsbild sind nur die ausgeschnittenen Spielerköpfe zu sehen. Bei den «In Action»-Bildern ist ebenfalls nur das Porträt von Wayne Rooney vorhanden. «Uns fehlen leider die Rechte der FA. Wir versuchen es jedes Jahr, leider hat es bis jetzt nicht geklappt. Aber wir haben die Rechte von allen Spielern», erklärt Panini-Direktor Bassi.

Ebenfalls ein Ärgernis ist, dass im Heft die Namen der Spieler nicht mehr zu finden sind. Nur noch die Nummern der Sticker stehen im Album, die statistischen Angaben stehen erstmals auf dem Sticker selbst. Einmal abgezogen muss der Sammler also wissen, wohin er das Bild kleben muss. Das hat organisatorische Gründe. «Falls ein Spieler kurzfristig nicht zur EM reisen kann, können wir bis zur letzten Sekunde umdisponieren», so Bassi. «Auf unserer Homepage www.panini.ch gibt es aber eine Checkliste für alle Bilder.»

Was meinen Sie? Sind zu viele Bilder im neuen Panini-Album? Oder bringen mehr Sticker auch mehr Sammelspass? Diskutieren Sie im Talkback mit.

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