Gepennt, bestohlen: Die fiesen Tricks der Zug-Gauner

Aktualisiert

Gepennt, bestohlenDie fiesen Tricks der Zug-Gauner

«Stolper-Trick», «Jacken-Trick» und Überfälle auf schlafende Passagiere: Die dreisten Methoden der Taschendiebe in den Zügen sind zahlreich. 20-Minuten-Online-Leser erzählen ihre Geschichten.

von
dwi
Oft nutzen die Trickdiebe das Gedränge beim Ein- und Ausstieg.

Oft nutzen die Trickdiebe das Gedränge beim Ein- und Ausstieg.

Sie nutzen das Gedränge beim Ein- und Aussteigen, ergaunern sich Portemonnaies von schlafenden Passagieren und entwischen kurz vor der Abfahrt aus den Zügen: Immer öfters klauen Taschendiebe mit fiesen Tricks Wertsachen und Gepäck. Zahlreiche Opfer von Diebstählen in Zügen haben sich bei 20 Minuten Online gemeldet. Die Fälle zeigen: Schnell schlagen die Gauner zu. Und zu spät werden sie bemerkt.

Stolpernd Diebesgut erbeutet

Einen besonders dreisten Taschendieb beobachtete Heinz A. Ein Geschäftsmann stieg mit zwei Koffern und einer Laptop-Tasche am Flughafen Zürich in den Zug ein. «Die Laptop-Tasche legte er über sich auf die Ablage.» Als der Zug am bremsen war, lief ein in Oerlikon zugestiegener Mann durch den Wagen. Auf der Höhe des Geschäftsmannes stolperte er gemäss Heinz A. absichtlich, worauf sich die anderen Passagiere um ihn kümmerten. «Er hielt sich oben an der Ablage fest, bedankte sich und bestätigte, dass es ihm gut gehe.» Als der Zug anhielt, stieg der Mann sofort aus. Die Laptop-Tasche war verschwunden. Wann der Dieb sich das Gepäckstück ergaunerte, hat niemand genau gesehen. Doch für Heinz A. ist klar: Der «Stolper-Trick» gehört wohl zum Standardrepertoire des Diebes. «Die Tat sah sehr eingespielt aus.»

Auch dem «Jacken-Trick» fallen viele Passagiere zum Opfer: Ein Leser-Reporter, der lieber anonym bleiben will, berichtet, dass er fast wöchentlich auf der ICN-Strecke Biel-Neuenburg und Biel-Grenchen in der ersten Klasse zuschaut, «wie bestgekleidete Taschendiebe mit dem Jacken- und Manteltrick arbeiten.» Bei dieser Masche hängen die Diebe die eigene Jacke gleich hinter diejenige eines anderen Reisenden auf und greifen durch die eigene Jacke hinter den Sitzen durch. Dabei stehlen sie Wertsachen aus den Jackentaschen ihrer Opfer. «Danach schwirren die Diebe ab. Entweder steht der Zug noch oder er hält gleich», so der Leser. Diesem «Jacken-Trick» fiel auch Johannes E. zum Opfer: «Zwischen Lausanne und Genf wird geklaut, was das Zeug hält. Mir wurde das Portemonnaie aus der am Haken aufgehängten Jacke gezupft.» Der Zugbegleiter habe ihm gesagt, dass das dort laufend passiere.

Im Gedränge bestohlen

Ein allzu bekannter Trick ist das Klauen im Gedränge. Auch Marthe S. wurden in Bern durch diese Masche Wertsachen aus der Tasche geklaut, als sie in den Zug einstieg. «Zwei Männer standen vor mir auf dem Gleis. Der eine von ihnen stieg schon ein, der zweite wartete noch und kam nach mir in den Wagen.» Marthe S. kämpfte sich im Gedränge durch den Zug. Erst als sie einen Sitzplatz gefunden hatte, merkte sie, dass ihre Handtasche offen war und Handy und Portemonnaie fehlten. Die Diebe waren bereits wieder verschwunden.

Genug wachsam war Tinu I. in Bern. Im überfüllten Tram fanden seine Frau, sein Sohn und er noch mühsam einen Platz. «Kurz vor der Abfahrt drängten sich noch drei Personen dazu.» Dann versuchte einer der Gauner, in die Handtasche von Tinus Frau zu fassen. Als diese sich wehrte, liess der Dieb von ihr ab. Währenddessen hatte einer der Männer «den Daumen stets auf dem grünen Türknopf und drückte bei jeder Haltestelle, obwohl erst am Kornhausplatz die ersten Personen aussteigen wollten.»

Gefährliches Nickerchen

Gerne beklauen die Trickdiebe schlafende Zugpassagiere. Mehrere Leser berichten 20 Minuten Online, dass sie während einem kurzen Nickerchen bestohlen wurden. So auch Sebastian W.: «Ich wurde im letzten regulären Zug am Samstagabend von St.Gallen nach Zürich beklaut. Im leeren Bistro gesessen, kurz die Augen zugemacht und der ganze Rucksack war weg.» Und Thomas R. erzählt, dass er vor wenigen Stunden im Zug von Bern nach Baden Opfer dieser Masche wurde. Weil er sein Smartphone im Zug aufladen wollte, legte er es neben sich. Kurz danach nickte er ein. Seither sucht er die Diebe seines Smartphones.

Happy End dank kaputter Türe

Doch nicht immer sind die Diebe erfolgreich. Ein Leser erzählt, wie ihn ein Dieb mit der «Pariser Masche» beklauen wollte: «Er hat es fast geschafft. Er hatte schon mein Smartphone.» Dann habe aber die Tür des bereits etwas älteren Waggons nicht funktioniert. Der Bestohlene konnte den Dieb schnappen.

Der Diebstahl in Zahlen

In Genf steigt die Zahl der Diebstähle in Zügen derzeit rasant an. Während im ganzen 2011 in 382 Fällen eine Anzeige gemacht wurde, sind es im 1. Quartal 2012 bereits 201 Zugdiebstähle. In Bern melden sich seit Juli 2011 jeden Monat durchschnittlich 70 Personen, denen im Zug etwas gestohlen wurde. Die Zahlen seien in dieser Zeit gleichbleibend hoch. In Lausanne wurden 227 Fälle gemeldet. In St. Gallen gab es im letzten Jahr 292 Diebstähle in Zügen. Doch der Meldeort ist meist nicht der Tatort. «Viele Opfer wissen gar nicht, wo sie bestohlen wurden», sagt Mediensprecher Hans Peter Eugster. Besonders beliebtes Diebesgut sind laut Eugster nebst dem Portemonaie auch Smartphones. Oft komme es vor, dass schlafende Passagiere bestohlen würden.

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