Herzprobleme: Die Finalissima gefährdet Ihre Gesundheit
Aktualisiert

HerzproblemeDie Finalissima gefährdet Ihre Gesundheit

Dramatische Spiele können einen Herzinfarkt auslösen. Besonders kritisch ist es bei Penaltys. Im Stade de Suisse ist man für alle (Not-)Fälle gewappnet.

von
Adrian Müller
Die Finalissima als Gesundheitsrisiko: Mehrere Studien zeigen, dass das Infarktrisiko an Spielen für herzkranke Fussballfans bis dreimal höher ist.

Die Finalissima als Gesundheitsrisiko: Mehrere Studien zeigen, dass das Infarktrisiko an Spielen für herzkranke Fussballfans bis dreimal höher ist.

Die 93. Minute läuft, es steht immer noch 3:3. Die Spannung im Stadion Wankdorf ist kaum mehr auszuhalten. Plötzlich erkämpft sich Seydou Doumbia den Ball am Strafraum und zieht auf das Basler Goal los. Er drückt ab und…

Wie immer die Finalissima YB gegen Basel ausgehen wird, manche Fans sorgen sich schon jetzt um Ihre Gesundheit. «Welche Beruhigungsmittel könnt ihr empfehlen?», ist - wenigstens bei den leidenserprobten YB-Fans - eine in den letzten Tagen oft gestellte Frage.

Risiko für Herzinfarkt steigt

Sie ist durchaus angebracht, wie eine Studie der Uniklinik München zeigt. Mediziner untersuchten während der Fussball-WM 2006, ob die Spiele der deutschen Nationalmannschaft das Risiko von Herzbeschwerden bei den Fans erhöhte. Und tatsächlich zeigte die Auswertung von Notarzteinsätzen ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte oder Rhythmusstörungen. Die Zahl der mit Herzproblemen eingelieferten Notfälle waren an Spieltagen der deutschen Nationalmannschaft fast dreimal so hoch wie normal. Gefährdet sind vor allem «vorbelastete» Menschen mit hohem Blutdruck oder einer Erkrankung der Herzkranzgefässe.

Am Sonntag werden 30 000 Fans das Stade de Suisse in einen Hexenkessel verwandeln. «Ein Fussballmatch ist für eingefleischte Fans eine extreme emotionale Stresssituation. Dies führt zu einem starken Herzfrequenz- und Blutdruckanstieg», sagt Matthias Willhelm, Oberarzt am Inselspital Bern, zu 20 Minuten Online. Bei Menschen mit einer Herzerkrankung könnten zudem die Blutplättchen verkleben und so einen Herzinfarkt auslösen.

Bei YB ist man für alle (Not-)Fälle gerüstet: «Für das Herzschlagfinale haben wir mehr Sanitäter aufgeboten als für ein normales Spiel», sagt YB-Sprecher Albert Staudenmann. Bisher sei es aber seines Wissens noch nie vorgekommen, dass ein Zuschauer einen Infarkt erlitten hat. «Gesunde Fans müssen sich keine Sorgen machen», sagt auch Oberarzt Willhelm. Das Risiko für gesunde Menschen, an einem Spieltag Herzprobleme zu bekommen, liegt laut der Münchner Studie bei etwa 3 zu 100 000.

Herzspezialist Matthias Willhelm kann die Aufregung durchaus nachvollziehen. Er wird am Sonntag selbst im Berner Fussballtempel sitzen und als Zuschauer mitfiebern. Hypernervösen Fussballfans rät er trotzdem von Beruhigungsmitteln ab: «Gegen Nervosität gibt es kein Rezept - ausser tief durchatmen.»

Die Briten kippen beim Elfmeterschiessen

Die schlimmste Belastung fürs Herz bleibt den Fussballverrückten am Sonntag auf jeden Fall erspart. Britische Forscher haben an der WM 98 untersucht, wie viele Patienten während der WM 1998 in Frankreich wegen einem Herzinfarkt eingeliefert wurden. Am Tag, als England im Pentaltyschiessen rausflog, landeten ein Viertel mehr Infarktpatienten im Spital als gewöhnlich. Ein Elfmeterschiessen bleibt den leidenden Schweizer Fussballfans am Sonntag auf jeden Fall erspart, nach 90 Minuten ist die Meisterschaft definitiv vorbei.

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Alarmstufe Rot im Wankdorf

Die Finalissima ist nicht nur für die Fans, sondern auch für die Sicherheitskräfte eine Ausnahmesituation. YB-Sprecher Staudenmann erwartet rund 3000 Basler Fans. Polizei und Sicherheitskräfte sind mit einem Grossaufgebot vor Ort. Im YB- und FCB-Fansektor wird zudem nur Leichtbier ausgeschenkt. (am)

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