Aktualisiert 27.01.2011 20:56

Untersuchungsbericht«Die Finanzkrise war vermeidbar»

Eine von US-Präsident Obama eingesetzte Untersuchungskommission wirft Politikern und Banken Versagen bei der Finanzkrise vor. Der Bericht geht vor allem mit George W. Bush hart ins Gericht.

Politik, Gesellschaft, Banken und Regulierungsbehörden haben laut der Untersuchungskommission zur Finanzkrise falsch gehandelt: Ein Banker verlässt die im September 2008 kollabierte Bank Lehman Brothers.

Politik, Gesellschaft, Banken und Regulierungsbehörden haben laut der Untersuchungskommission zur Finanzkrise falsch gehandelt: Ein Banker verlässt die im September 2008 kollabierte Bank Lehman Brothers.

Die politische Spaltung zwischen Demokraten und Republikanern in den USA blockiert nun auch die Aufarbeitung der Finanzkrise. Der stark zerstrittene überparteiliche Ausschuss des US-Kongresses zur Untersuchung der Krise legte drei unterschiedliche Berichte vor.

Vor allem mit Blick auf die Rolle des früheren Notenbankchefs Alan Greenspan konnten die Gremiumsmitglieder keine Einigung finden. Während die Demokraten Greenspan Verantwortung zuschrieben, entlasteten ihn die Republikaner weitgehend.

Die im Mai 2009 gegründete Kommission besteht aus zehn Mitgliedern, sechs Demokraten und vier Republikaner. Der Ausschuss befragte hunderte Zeugen.

Das von den Demokraten verfasste Dokument lastet Politikern und Finanzbossen gleichermassen die Schuld an der Finanzkrise an. «Wir kommen zu dem Schluss, dass diese Finanzkrise vermeidbar gewesen wäre», heisst es im Abschlussbericht der demokratischen Kommissionsmitglieder.

«Die Krise war das Ergebnis menschlichem Handelns und menschlicher Untätigkeit und nicht davon, dass Mutter Natur oder Computermodelle ausser Rand und Band geraten wären», schreiben die Experten.

Ohne Kontrolle

Sie kritisieren Greenspan sowie dessen Nachfolger Ben Bernanke. Greenspan habe mit seiner Überzeugung zu der Krise beigetragen, Finanzinstitute könnten sich selbst kontrollieren.

Genauso bekommt der ehemalige - demokratische - Präsident Bill Clinton sein Fett weg: Clintons Regierung habe dafür gekämpft, dass die hochkomplizierten Derivate-Produkte keiner Kontrolle und Aufsicht unterworfen worden seien.

Die Ratingagenturen hätten ihrerseits durch eine allzu positive Bewertung von Risiken die schwerste Finanzkrise seit Generationen befeuert.

Anderer Meinung

Drei Republikaner des Gremiums entlasteten dagegen Greenspan weitgehend. «Die US-Geldpolitik hat möglicherweise zu der Kreditblase beigetragen, sie aber nicht ausgelöst», lautete ihre Position. Der vierte Republikaner konzentrierte sich vor allem auf den Häusermarkt als Ursprung der Turbulenzen.

Der Bericht der Demokraten nimmt auch die grossen Investmentbanken ins Gebet, von denen mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur zwei die Krise als eigenständiges Unternehmen überlebt haben.

Alle fünf - auch Lehman Brothers, Merrill Lynch und Bear Stearns - hätten 2007 mit ausserordentlich dünner Kapitaldecke gearbeitet. Dadurch seien sie anfällig bei einer Abwertung der angehäuften Papiere und Finanzprodukte gewesen. «Ein Rückgang des Buchwerts von nicht einmal drei Prozent konnte eine Firma auslöschen.»

Grosse Pannen

Im Management der Finanzbranche stellt der Bericht «umwerfende Beispiele von Pannen und Verantwortungslosigkeit» fest. In diesem Zusammenhang nennen die Demokraten ausser Merrill Lynch ausdrücklich den Versicherungsriesen AIG und den Hypothekenfinanzierer Fannie Mae, die beide während der Krise vom Staat mit Milliardenhilfen gerettet werden mussten.

Demokraten und Republikaner sind derzeit bei den Kernthemen Gesundheitsreform, Staatsverschuldung und Finanzmarktregulierung zerstritten. Seit den Kongresswahlen im November haben die Republikaner zudem die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus und können damit alle Gesetzesvorhaben der Demokraten blockieren. (sda)

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