Die flache Revolution
Aktualisiert

Die flache Revolution

Sie könnten schon bald die Laptops ersetzen: Tablet-PCs, vor einigen Jahren noch mitleidig belächelt, verfügen heute über alle Funktionen eines herkömmlichen Computers.

Text -- Jan Graber

Die Fachwelt hatte nur ein Lächeln übrig, als Bill Gates im Herbst 2000 die nächste PC-Revolution ankündigte und den Prototypen eines Tablet-PCs vorstellte, der praktisch nur noch aus einem Bildschirm bestand. Niemand mochte an das neue Konzept glauben – nicht zuletzt deshalb, weil sich Laptops gerade erst im grossen Stil durchzusetzen begannen.

Die Tablet-PCs kamen so zunächst einmal ziemlich flach heraus. Und dies, obwohl sie schon in den ersten Versionen markante Vorteile gegenüber Laptops vorzuweisen hatten. So waren sie von Beginn weg mit WiFi für die drahtlose Anbindung an ein Computernetzwerk ausgestattet. Weil sie zudem flach auf dem Tisch liegen, bauen sie während einer Sitzung keine optische Barriere auf. Und dank ihrer durchschnittlichen Grösse von gerade mal einem A4-Blatt finden sie auch auf den kleinen Pulten eines Uni-Vorlesungssaals problemlos Platz. Ausserdem bieten sie zwei zusätzliche Arten der Datenerfassung: die Schrift- und die Sprach-Erkennung. Mit Hilfe eines speziellen Stifts und einer «digitale Tinte» genannten Technologie kann der Anwender so Notizen und Texte handschriftlich direkt auf dem Bildschirm erfassen und sie in bearbeitbaren Fliesstext übersetzen lassen. Dasselbe gilt für die Spracherkennung: Der Benutzer diktiert dem Tablet-PC einen Text, der im Idealfall direkt und fehlerfrei in ein schriftliches Dokument umgewandelt wird. Eine ausklappbare Tastatur erlaubt zudem bei den meisten Tablet-PCs das herkömmliche Eintippen von Text.

«Tablet-PCs sind eines unserer erstaunlichsten Projekte», liess Gates verlauten. Trotz langsamem Start hielt Microsoft deshalb am Projekt fest, entwickelte das Betriebssystem Windows XP Tablet PC Edition und verbesserte die Schrifterkennung. Auch die IT-Industrie glaubte zunehmend an den Erfolg von Tablet-PCs.

Heute bieten rund ein halbes Dutzend Hersteller die flachen Computer an. Die neusten Modelle rechnen mit einer durchschnittlichen Prozessorgeschwindigkeit von 1,4 Gigahertz, beherbergen eine 60-Gigabyte-Festplatte, alle notwendigen Anschlüsse und sind ebenso leicht wie Laptops. Mit Windows XP Tablet PC Edition 2004, das voraussichtlich im Sommer auf den Markt kommt, soll die Fehlerquote bei der Schrifterkennung zudem noch bei einem Prozent liegen: Das bedeutet ein falsches Wort auf hundert richtige. Technologie-Experten prophezeien den Tablet- PCs deshalb fürs Jahr 2004 den wirtschaftlichen Durchbruch — obwohl sie deutlich teurer sind als Laptops. Womit aus der Revolution doch noch etwas werden könnte.

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