Sozialleistungen ertrogen: Die «fleissigen Arbeitslosen» von Altstetten

Aktualisiert

Sozialleistungen ertrogenDie «fleissigen Arbeitslosen» von Altstetten

Ein bosnisches Ehepaar aus Altstetten hat nicht nur IV-Gelder, sondern auch Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen erschwindelt. Nun wurden die teilgeständigen Eheleute verurteilt.

von
Attila Szenogrady

«Sie nahmen sich, was sie kriegen konnten», plädierte kürzlich der Staatsanwalt vor dem Bezirksgericht Zürich. Auf der Anklagebank sass ein bosnisches Ehepaar aus Altstetten. Es hatte alle Register gezogen, um widerrechtlich zu Sozialleistungen zu kommen. Zwischen 2001 und 2007 hatten die angeblich mittellosen Eltern von fünf Kindern über 140 000 Franken vom Zürcher Sozialamt bezogen.

«Fleissige Arbeitslose»

Beide Beschuldigten hatten angegeben, über kein Vermögen zu verfügen. Zu Unrecht, da sie auf den Bankkonten ihrer Kinder zwischen 150 000 Franken und 277 000 Franken hatten. Ab April 2005 kassierten die Eheleute zusätzlich Ergänzungsleistungen für rund 150 000 Franken. Nicht zuletzt gab sich der Vater als Invalide aus und sahnte zwischen 1999 und 2011 weitere 140 000 Franken ab.

Die angeblich arbeitslosen Eheleute waren in Tat und Wahrheit recht fleissig. So handelten sie regelmässig auf Flohmärkten. Der Mann arbeitete zudem schwarz als Möbelpacker und reparierte elektronische Geräte. Als die Polizei das Haus des betrügerischen Ehepaars durchsuchte, fand sie ein Lager mit über 7000 elektronischen Gegenständen vor. Ob die Waren gestohlen waren, blieb unklar. Es steht aber fest, dass sich beide Beschuldigten wiederholt auch als Warenhaus-Diebe betätigt haben.

Hohe Strafen gefordert

Die Staatsanwaltschaft ging von einem Deliktsbetrag von über 450 000 Franken aus und forderte hohe Freiheitsstrafen. 6 Jahre für den heute 38-jährigen Bosnier, 5 Jahre für seine 31-jährige Landsfrau mit Schweizer Pass.

Die Beschuldigten zeigten sich vor Gericht teils geständig und gaben Fehler zu. Allerdings machten sie auch Unwissenheit geltend. Die Verteidiger verlangten Teilfreisprüche und erheblich mildere Strafen von 24 Monaten für den Mann und 18 Monate bedingt für die Frau.

Teilbedingte Freiheitsstrafen

Das Gericht schlug in seinem am Montag eröffneten Urteilsdispositiv den Mittelweg ein. Es verurteilte die Eheleute wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfachen Diebstahls und weiteren Delikten zu teilbedingten Freiheitsstrafen. Der Vater erhielt drei Jahre, davon 15 Monate unbedingt. Wobei er bereits 276 Tage in Untersuchungshaft verbüsst hat. Seine Frau kassierte 31 Monate. Davon ein Jahr unbedingt. Abzüglich von 22 Tagen Polizei- und Untersuchungshaft.

Das Gericht liess zudem die auf den Bankkonten beschlagnahmten Gelder von 250 000 Franken sowie über 24 000 Franken einziehen. Diese Beträge werden einerseits für die Verfahrenskosten eingesetzt. Andererseits sollen sie den geschädigten Stellen zufliessen. Eine schriftliche Begründung des Entscheides liegt noch nicht vor. Die Beschuldigten und die Staatsanwaltschaft können jedenfalls noch Berufung einlegen.

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