Metro-Absturz: «Die Flughafensicherheit dort ist nur eine Show»
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Metro-Absturz«Die Flughafensicherheit dort ist nur eine Show»

Die Tragödie um den Metrojet-Flug 9268 sorgt für Chaos. Touristen berichten von angeblich schlechten Security-Checks auf dem Flughafen Sharm al-Sheikh.

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20M
Schlange vor einem Sicherheitsterminal am Flughafen in Sharm al-Sheikh: Die Sicherheitsmassnahmen wurden seit dem Absturz erhöht.

Schlange vor einem Sicherheitsterminal am Flughafen in Sharm al-Sheikh: Die Sicherheitsmassnahmen wurden seit dem Absturz erhöht.

Der Absturz von Metrojet-Flug 9268 von Sharm al-Sheikh nach St. Petersburg am 31. Oktober 2015 kurze Zeit nach dem Start über der Sinai-Halbinsel bringt Unruhe in den Flugverkehr, den Tourismus und die Gemüter. Verschiedene Nationen und Airlines reagieren unterschiedlich auf die Tragödie, die 224 Menschen das Leben kostete. Grossbritannien schätzt die Lage für Bürger in den Touristen-Resorts von Sharm al-Sheikh zwar als «sicher» ein, gleichzeitig rät das Aussenministerium derzeit «von allen Flugreisen von und nach Sharm el-Sheikh ab» – eine Situation, die es so noch nie gab.

Am Flughafen herrschen chaotische Zustände. Noch mehr als sonst. Denn wenn man manchen Äusserungen auf Reiseportalen glauben darf, liessen zumindest die Sicherheits-Checks von Sharm al-Sheikh schon länger zu wünschen übrig.

«Ich bin am Freitagmorgen aus Sharm al-Sheikh zurückgekehrt, kurz vor dem Flugzeugabsturz», schrieb BBC-Wettermann Paul Hudson auf Twitter. «Die Security machte auf mich einen schäbigen Eindruck, die Angestellten schienen überlastet zu sein.» Hudsons Tweet hatte einiges an Beachtung erhalten – ein Martin Parker aus Lincolnshire antwortete: «Das entspricht meinen Erfahrungen. Wir mussten sogar mal unsere für den Check-In bestimmten Koffer selbst zum Flugzeug tragen, weil da was nicht funktionierte. Die Security wirkte schwach!»

«Die Flughafensicherheit ist nur eine Show!»

Die britische Boulevardzeitung «Daily Mirror» zitiert eine Frau Tidy-Harris, ehemalige Flight Attendant. Sie nehme «Sicherheit sehr ernst», sagt sie, und «Sharm ist der schlimmste Flughafen», meint sie. Die Sicherheitskräfte seien miserabel bezahlt, müssten zu lange arbeiten, seien nicht motiviert. Richtig gut kontrolliert werde nicht. Der Bericht des «Mirror» wird kontrovers diskutiert – angeblich erfülle Sharm al-Sheik höchste Sicherheitsstandards, der Flughafen wird von einer europäischen Firma verwaltet.

Doch auf Reiseforen finden sich Hinweise, dass die Flight Attendant womöglich nicht ganz unrecht hat. «Besorgt euch mal Angestellte, die sich bemühen. Jedes Jahr streiten sich Passagiere, ich habe sogar schon eine Schlägerei vor der Passkontrolle gesehen und niemand ist eingeschritten», schrieb ein Mann auf einem Forum über den Flughafen im Jahr 2013. Auf Tripadvisor klingt es ähnlich: «Wir haben immer eine Flasche Wasser dabei, das ist dort kein Problem bei der Security», schrieb ein viel gereister Engländer am 16. Juni 2014. Und einer, der laut den Trip-Advisor-Foren seit vielen Jahren die Gegend besucht, schreibt: «Die ‹Sicherheits›-Vorkehrungen sind nur eine Show. ... Die Leute an den Scannern schauen lieber woandershin als auf ihre Monitore, zum Beispiel auf die Frauen.»

Wütender Eindringling auf der Startbahn

Andere User auf tripadvisor.com bestätigen diese Beobachtungen in verschiedenen Forumsdiskussionen. «Meine Erfahrung ist, dass die Angestellten einen einfach durchwinken, während die Taschen noch in der Maschine sind. Die schauen gar nicht», sagt eine Reisende. «Ich habe im September eine Wasserflasche mitgenommen, kein Problem», schreibt ein anderer.

Im Mai 2015 musste der Flugbetrieb am Flughafen aus Sicherheitsgründen eingestellt werden. Schon damals gaben die Sicherheitsvorkehrungen zu reden: Ein 29-Jähriger hatte es durch alle Sicherheitslücken hindurch auf die Startbahn geschafft, versuchte, ein Polizeiauto zu stehlen, dann warf er laut «Daily Mail» ein Objekt in die Düse eines Flugzeugs.

Niederlande kritisieren Sicherheit

Die niederländische Regierung kritisiert die Kontrollen am ägyptischen Flughafen Scharm el-Sheikh für zu lax. «Wir haben den Eindruck, dass es dort unzureichende Sicherheitsvorkehrungen gibt», sagte Aussenminister Bert Koenders am Freitag in Den Haag. Dies sei auch der Hintergrund der Reisewarnung für den ägyptischen Flughafen am Roten Meer. Die niederländische Fluglinie KLM hat sogar für Flüge nach Kairo derzeit die Regelung erlassen, nur noch Handgepäck, aber keine Koffer zu transportieren.

Eine entsprechende Reisewarnung für Sharm el-Shaikh hat das EDA bisher nicht ausgesprochen. Für Kairo-Flüge sind bei SWISS derzeit keine Änderungen geplant, sagt die Airline auf Anfrage von 20 Minuten – das Sicherheits-Set-up sei stabil. Die Sicherheit des Flughafens Sharm el-Sheik wurde von britischen und russischen Airline-Experten am Mittwoch überprüft. Die Experten seien ohne Kommentar wieder abgezogen, hatte die AP gemeldet.

Haben Sie Erfahrungen mit der Airport-Security in Sharm al-Sheikh?

Kennen Sie die Flughafensicherheit in Sharm al-Sheikh? Was für Erlebnisse haben Sie im Ferienparadies gemacht? Gute? Schlechte? Schicken Sie uns ein Mail mit dem Betreff «Flughafensicherheit» an feedback@20minuten.ch und erzählen Sie Ihre Geschichte.

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